+
Robert Lange am Neubau der Berkersheimer Grundschule.

Frankfurt-Nord

"Die Stadt muss Ungemach abwenden"

  • schließen

Das Jahr im Ortsbeirat 10: Vorsteher Robert Lange über Bahn- und Schulbaustellen sowie gestellte Dealer-Interviews.

Robert Lange (CDU) ist seit 2006 Ortsvorsteher im Ortsbeirat 10. Der 1961 in Frankfurt geborene Bankkaufmann ist seit 2009 für die CDU im Stadtparlament, wie von 2001 bis 2006.

Herr Lange, das Interview zum vergangenen Jahresende haben wir mit einer Frage zum Ausbau der Main-Weser-Bahn begonnen. Schon damals gab es Baustellenverkehr und Lärmbelästigung. Wie ist die aktuelle Situation in Berkersheim?
Die Situation wird nach und nach klarer. Das liegt unter anderem daran, dass wir auch die Probleme der Bahn erkennen. Natürlich ist es schwierig, derzeit Baufirmen zu bekommen. Zudem gab es Probleme mit der für uns wichtigen Bauzufahrt zur B3a. Diese wird leider erst deutlich später fertig. Dadurch ergeben sich mehr Baubewegungen in Berkersheim und Bonames. Dies haben wir kritisiert. Ich habe unverändert Hoffnung, dass wir unsere Probleme damit deutlich machen konnten. Vermutlich wird sich einiges an Bauaktivitäten zeitlich verschieben. Ob das auskömmlich für uns vor Ort sein wird, bleibt abzuwarten. Ich sehe hier den Magistrat weiter in der Pflicht, Ungemach von unseren Stadtteilen abzuwenden.

Sie haben mehrfach die mangelnde Kommunikation zwischen Bahn und Bürgern kritisiert. Hat die sich verbessert?
Ja. Allerdings gibt es leider immer wieder unschöne Überraschungen vor Ort in Sachen Bauverkehr, die gestört haben. Ich hoffe, dass dies in 2019 besser wird.

Für Diskussionen sorgte die Ankündigung, in Berkersheim eine Unterkunft für Geflüchtete zu errichten. Wie stehen Sie dazu?
Wir haben in Bonames und Preungesheim gute Erfahrungen mit den Unterkünften gemacht. Dafür haben wir uns aber auch entsprechend eingebracht und auf die vor Ort spezifischen Faktoren Einfluss genommen. Insgesamt wird in Frankfurt eine sehr gute Flüchtlingsarbeit betrieben. Das zahlt sich aus. Die Flüchtlinge und die Unterkünfte fallen im Alltag so gut wie nicht auf. Ich zähle nach rund vier Jahren im Ortsbezirk 10 eine Beschwerde wegen Störung der Nachtruhe. Das Problem wurde sofort gelöst. Die Gemeinschaftsküche wurde nachts geschlossen. Damit war das Thema aus der Welt.

Ein anderer Neubau ist der der Berkersheimer Grundschule. Wann wird sie eröffnet?
Ein genauer Termin ist leider nicht bekannt. Aber generell ist es sehr erfreulich, dass Frankfurts kleinste Grundschule vor Jahren vor der Schließung bewahrt werden konnte. In der Folge entwickelte sie sich zu einer Europa-Schule mit jährlichen Schüleraustausch nach Pestelisabeth, dem 20. Bezirk in Budapest. Eine Turnhalle gab es bisher nicht. Auch Containerlösungen reichen nicht mehr aus, so dass jetzt ein Schulneubau mit Turnhalle an der Gemarkungsgrenze zum Frankfurter Berg – am Schwarzen Platz – entstanden ist, der in 2019 zur Eröffnung ansteht.

Nachdem sie zwischendurch vor dem Aus stand, hat im September doch die Kerb stattgefunden. Wie steht es um die Zukunft der Traditionsveranstaltung?
Die Interimslösung hat sehr gut funktioniert. Sie wird noch weiter genutzt werden. Der Kerbeverein ist auf einem guten Weg mit allen Beteiligten, auch die endgültige Lösung zu erhalten, mit der alle vor Ort zufrieden sein werden.

Geärgert haben sich viele Anwohner über eine Reportage von Spiegel TV über Drogendealer am Frankfurter Berg. Wie haben Sie das empfunden? Wie bewerten Sie die Sicherheit im Stadtteil?
Das hat sehr stark vor Ort verärgert. Spiegel TV hat sich damit keine Gefallen getan. Wer gibt denn als „Dealer“ echte Interviews? Diese Interviews laufen doch wohl eher nur gegen Bezahlung. Wir konnten über einen runden Tisch erreichen, dass jetzt unter anderem auch Job-Scouts ein Ladenlokal im kleinen Einkaufszentrum am Berkersheimer Weg eröffnet haben und sich um Jugendliche und junge Erwachsene aktiv kümmern.

Nach langer Zeit ist Anfang der November der dritte Bücherschrank in Eckenheim eröffnet worden. Haben Sie schon Rückmeldungen bekommen, wie er von der Bevölkerung angenommen wird?
Der Bücherschrank wurde von vielen Familien bereits bei der Eröffnung aktiv in Anspruch genommen. Gesucht werden gute Kinder- und Jugend-Bücher. Wichtig sind dabei immer die Bücherschrank-Paten. Die haben ein wachsames Auge auf etwaige aussortierbare Bücher.

Nicht gut angekommen ist das Autohaus Euler. Beim Abladen von Neuwagen vor dem Gelände gab es immer wieder Gefahren für Fahrradfahrer und Schulkinder. Dem Unternehmen wurde eine neue Ladezone in der Hügelstraße zugewiesen. Hat sich die Situation seitdem gebessert?
Ja. Aber Leidtragender war hier erstmal das Autohaus, das auf einmal ohne Ladezone da stand. Die Mitglieder des Ortsbeirates und Vertreter der Stadt haben gemeinsam mit dem Autohaus sowohl eine interimistische, als auch eine künftige Lösung gefunden, die jeweils allen Beteiligten gerecht werden wird.

Nach rund sechs Jahren bekommt der Zugang zum Sportplatz von Viktoria Preußen endlich eine Beleuchtung. Haben Sie daran noch geglaubt?
So manches dauert einfach. Problem der Verwaltung war auch hier, Baufirmen zu finden.
Im Bonameser Nordpark befindet sich der einzige öffentliche Grillplatz des Ortsbezirks.

Reicht das aus?
Ich denke ja. Bitte bedenken Sie dabei auch, dass es kaum geeignete Stellen gibt, entsprechende Grillplätze einzurichten. Wer will das schon in seiner Nachbarschaft haben? Die Grillplätze müssen gut erreichbar und einsehbar sein und dürfen zudem auch nicht die Natur belasten.

Das Neubaugebiet Bonames-Ost soll in zwei getrennte Verfahren aufgeteilt werden, dadurch soll der Schulbau vorangetrieben werden. Wann könnten Gymnasium und Grundschule nun realisierbar sein?
Wir freuen uns sehr, dass das Gymnasium für den Norden sowie die Grundschule so beschleunigt realisiert werden sollen. Sicher wird uns dies aber trotzdem zu lange dauern. Vermutlich werden es fünf Jahre sein. Dafür müssen aber auch die städtischen Ämter intensiv daran und dafür arbeiten.

Die Unterkunft für Geflüchtete auf dem Alten Flugplatz wird für weitere drei Jahre betrieben. Eine gute Entscheidung?
Ja. Siehe oben.

Unbefriedigend ist für manche Vereine die Situation rund um den Preungesheimer Sportpark. Wie könnte eine Entspannung aussehen?
Es ist ein sehr gutes Zeichen, dass der Sportpark intensiv genutzt werden kann und ausgebucht ist. Für dieses „Jahrhundertwerk“ hatten wir bereits Mitte der 1980er Jahre die ersten Ortsbeiratsanregungen auf den Weg gebracht. Derzeit sind rund 20 Vereine vor Ort aktiv. In einem jährlich stattfindenden runden Tisch werden alle Themen sehr genau mit dem Sportamt besprochen. Die Vereinsvertreter haben sich sehr positiv über die gesamte Anlage geäußert.

Das entspannt die Lage nicht.
Den größten Bedarf meldet der Turnverein Preungesheim an. Das ist gut so, denn gerade der Frankfurter Bogen wächst weiter. Hier wird auch künftig weiter daran gearbeitet, dass die Bedarfe weitestgehend abgedeckt werden. Gut ist, dass die Stadt weitere Sportflächen in Frankfurt plant und baut. So kann dann auch im Sportpark künftig umverteilt werden. Auch an zeitweiser Umverteilung wegen Krankheit oder ähnlichem wird gearbeitet.

Kurz vor Jahresende gab es Aufregung in Preungesheim: Die Postbank hatte die Schließung ihrer Filiale in der Jaspertstraße angekündigt. Sehen Sie noch eine Chance, dass die Bank bleibt? Wenn nicht, was wäre aus Ihrer Sicht eine passende Alternative?
Es wurden mehr als 2500 Unterschriften gesammelt. Der Ortsbeirat 10 hat dazu vier Anträge beschlossen. Die Filial-Schließung der Postbank zum 30. Juni 2019 betrifft auch die gemeinsame Nutzung mit der Post. Denkbar wären aus meiner Sicht Räumlichkeiten in der Postbank-Zentrale im Marbachweg oder auf dem Gravensteiner Platz. Zu klären bleibt auch, was denn mit dem frei werdenden Gelände passieren soll. Wichtig ist, dass vor Ort Bank- und Postdienstleistungen erbracht werden, zumal die nächste, jedoch faktisch weit entfernte Filiale in der Hügelstraße bereits jetzt aus allen Nähten platzt und es dort große Warteschlagen gibt.

Interview: Fabian Böker

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare