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Das ist natürlich zu Recht ein Politikum, selbst wenn drei neue Bäume dafür gepflanzt werden.

Bockenheim/Westend

Schließung des Café Exzess ist kein Thema mehr

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Das Jahr im Ortsbeirat 2: Vorsteher Axel Kaufmann spricht im Interview über Brandanschläge auf das Café Exzess und Milieuschutz.

Herr Kaufmann, auf eine Serie von Brandanschlägen auf selbstverwaltete linke Wohn- und Kulturzentren folgten Mitte Dezember auch zwei Versuche, das Café Exzess in der Leipziger Straße in Brand zu setzen. Im Jahr zuvor wurde von der FDP die Schließung des Zentrums gefordert. Wie empfinden Sie den Rückhalt im Stadtteil? 
Ich glaube, dass das Café Exzess einen bestimmten Freundeskreis in Bockenheim hat. Viele Leute in der Bevölkerung wissen aber nicht, was das für eine Einrichtung ist. Der Vorfall ist natürlich eine Straftat, die aufgeklärt werden und zu entsprechenden Verurteilungen führen muss.

Also ist die Schließung kein Thema mehr?
Eigentlich nicht. Es ist ja nicht so, als ob es da überbordend laut wäre oder Krawall vor der Haustür, überhaupt nicht.

Dauerthema war der Milieuschutz. Nachdem die Stadt das Vorkaufsrecht im Falle der Ladengalerie und kürzlich auch an der Adalbertstraße 11 nicht genutzt hat, gibt es immer mehr Menschen, die sich vor Verdrängung aus ihren Wohnungen fürchten. Wie bewerten Sie die Umsetzung des Milieuschutzes im Ortsbezirk? 
Faktisch hat die Stadt nicht die Kapazitäten, um jeden Fall zu prüfen. Weder von finanzieller noch von personeller Seite. Als Ortsbeirat können wir nur auf Handlungsbedarf hinweisen oder den Magistrat auffordern, dafür Ressourcen bereitzustellen. Wir sind natürlich Ansprechpartner für alle betroffenen Mieter und können etwa versuchen, mit neuen Eigentümern zu vermitteln, wie in der Adalbertstraße. 

Die Akademie der Arbeit soll über ein Konzeptverfahren vergeben werden, um gemeinschaftliches Wohnen außerhalb des freien Immobilienmarktes zu fördern. Wann ist mit einer Umsetzung zu rechnen? 
Zuletzt hing es an den Preisverhandlungen zwischen der Stadt und dem DGB. Wenn die Stadt das Haus erwirbt, besteht meines Wissens Einigkeit, dass es für gemeinschaftliches Wohnen genutzt wird. Das passt zu Bockenheim. Die Akademie der Arbeit wäre dafür ein prominenter und geeigneter Standort.

Genau dort soll ja auch der Kulturcampus entstehen. 
Laut Land soll die Hochschule kommen. Es wäre super, wenn das bis 2025 realisiert werden könnte. Ich glaube, es hängt auch von der neuen Landesregierung und der Diskussion um die städtischen Bühnen ab. Vorstellbar wäre eine Informationsveranstaltung im neuen Jahr mit dem neuen Landesminister, um ihre oder seine Perspektive auf den Kulturcampus zu hören.

An der Leonardo-da-Vinci-Allee sollen bald mehrere Hundert Wohnungen entstehen – wie kann dort für eine ausgewogene Sozialstruktur und eine hohe Lebensqualität der Bewohner gesorgt werden? 
In dem Areal kriegt man im Kleinen mit, was Frankfurt als wachsende Stadt an Infrastrukturanforderungen umtreibt. Mit 30 Prozent gefördertem Wohnraum würde man schon eine ganz gute Mischung herstellen. Faktisch ist es natürlich so, dass zur Autobahn hin die Sozialwohnungen gebaut werden. Da müssen wir die Lärmschutzmaßnahmen abwarten. Es ist positiv, dass man dieses Areal nutzbar macht. Damit es auch von den Leuten eingenommen wird, soll es etwa einen Quartiersplatz geben.

Dazu sollen auch Teile des Rebstockwaldes gerodet werden. Auch im Westend und Bockenheim gab es zuletzt immer wieder Proteste aus der Bevölkerung, wenn einzelne Bäume Bauarbeiten zum Opfer fielen – gleichzeitig ist die städtische Erwärmung besonders in diesem Sommer ein allgegenwärtiges Thema gewesen.
Wenn es zu Fällungen kommt, sind das oft markante und alte Bäume. Das ist natürlich zu Recht ein Politikum, selbst wenn drei neue Bäume dafür gepflanzt werden. Auch wenn die Stadt das auf rechtlicher Grundlage entschieden hat. Es ist immer ein Spagat zwischen Wohnverdichtung und den Belangen der Bevölkerung.

Und was kann die Bevölkerung für das Mikroklima tun? 
Es gibt Angebote der Stadt, um Dach- und Fassadenbegrünung an Privathäusern zu unterstützen. Aber da braucht man dann eben auch Eigentümer, die das mitmachen. 

Kommen wir zum Bildungsbereich. Die Schüler des Adorno-Gymnasiums und der Holzhausen-Grundschule sollen ab kommendem Sommer für fünf Jahre auf dem „Schulcampus Westend“ unterrichtet werden. Es soll die größte Holzmodulanlage Europas werden – wie kann dort für die unterschiedlichen Bedürfnisse von Grund- und Gymnasialschülern gesorgt werden? 
Die Schulen werden örtlich ein bisschen getrennt sein. Die Schulleiter sehen das nicht als Konflikt. Das Sorgenkind ist die fehlende Sporthalle. Da müssen wir zusammen mit den Ämtern noch eine Lösung finden. Außerdem ist der Zugang mit dem Auto schwierig. Aber wir sind froh, eine Lösung zu haben, selbst wenn es nicht die ideale ist. Auch für den Neubau sieht es gut aus. Zwischen Hansaallee und Eschersheimer Landstraße werden dann ab etwa 2025 beide Schulen und eine große Sportanlage Platz finden.

Im Jahresrückblick: Mit welchen Ereignissen sind Sie im vergangenen Jahr als Ortsvorsteher zufrieden gewesen?
Insgesamt war unsere Arbeit sehr konstruktiv. Was mich gefreut hat, war das Verfahren gegen die Immobilienspekulanten rund um den Arzt aus dem Westend. An der Aufarbeitung dieses Falls sollte man dranbleiben.

Und welche Themen gilt es, besonders anzugehen? 
Rund ums Wohnen – das wird nicht aufhören. Die Bebauung des Rebstock wird ein großes Thema, der Kulturcampus bleibt wichtig. Dann der Schulcampus Westend und der Auslagerungsstandort Franckeschule. Dort gibt es von Anwohnern Beschwerden, weil der eventuell länger genutzt werden soll. Da wird es noch eine intensive Diskussion geben.

Interview: Antonia Groß

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