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Wilhelm Hoegner (links) auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1946.

Manuel Stock

Rot-Grün in der Familie

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Der Urgroßvater von Manuel Stock, Fraktionschef der Grünen im Frankfurter Römer, war Bayerischer Ministerpräsident.

Manuel Stock könnte am Sonntagabend ein wenig hämisch werden, und niemand würde es ihm verdenken. Jahrelang hat sich der Fraktionschef der Grünen im Römer an der SPD abgearbeitet. Und selbst jetzt, da seine Partei mit den Sozialdemokraten in einer Koalition steckt, läuft es nicht richtig rund zwischen Rot und Grün. Da kann man schon mal jubeln, wenn am Sonntag in Bayern die Grünen vor der SPD landen sollten, was alle Umfragen vorhersagen. Doch Stock sähe „ein Abschmieren der SPD“, die vermutlich noch nicht einmal 15 Prozent holen wird, nicht gerne: „Ich weiß, was die Sozialdemokraten für die Menschen in Bayern geleistet haben“, sagt der Grüne.

Stock ist aber auch familiär vorbelastet. Sein Urgroßvater war der SPD-Politiker Wilhelm Hoegner, der zweimal Bayerischer Ministerpräsident war. Von 1945 bis 1946 als von den US-Besatzern eingesetzter Regierungschef. Und von 1954 bis 1957 als Chef eines Viererbündnisses aus SPD, Bayernpartei, FDP und dem Bund der Heimatvertriebenen.

Gerade über diese Zeit liest Stock derzeit viel. Ein Regierungsbündnis in Bayern ohne die CSU? „Die CSU war sich damals einfach zu sicher, die dachte, zumindest die SPD werde schon mit ihr koalieren und hat gar nicht gemerkt, wie die anderen Parteien das Bündnis geschmiedet haben“, erzählt er. Wäre so etwas auch nach dem kommenden Sonntag denkbar? Ob es rechnerisch für ein Bündnis aus Grünen, SPD, Freien Wählen und FDP reichen würde, ist zweifelhaft. Aber wenn, dann stünde es unter Führung der Grünen. Ein Gedanke, mit dem sich Stock durchaus anfreunden kann.

Sein Großvater hätte damit wohl mehr Probleme. Denn Wilhelm Hoegner, der im Jahr 1980 zwei Jahre vor Stocks Geburt starb, ist nicht der einzige prominente Politiker in der Familie. Hoegners Schwiegersohn war der Sohn von Jean Stock, dem Oberbürgermeister von Aschaffenburg. Auch er erwarb sich seine Meriten in der SPD und lebt heute 97-jährig in Frankfurt. Oft, sehr oft hat er mit seinem Enkel über Politik diskutiert. Dass Manuel Stock eben nicht in die SPD eintrat, sondern seit seinem 15. Lebensjahr bei den Grünen aktiv ist, respektiert er. Die Nähe der Grünen zur CDU, die Manuel Stock oft vorantreibt, sieht der ältere Herr hingegen kritisch. „Er sieht uns eher an der Seite der SPD“, sagt Stock.

Und Wilhelm Hoegner? Wäre er womöglich bei den Grünen aktiv gewesen, wenn es die Partei in den 50er Jahren schon gegeben hätte? Das glaubt Stock nun nicht. Aber: Hoegner, der als Vater der Bayerischen Landesverfassung gilt, habe auch den Landschaftsschutz als Staatsziel in das Werk aufgenommen.

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