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An der Leipziger Straße fehlen Radständer, bemängeln viele.

Bockenheim

Mehr Fahrradbügel für Leipziger

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Anwohner fordern mehr Stellflächen für Räder. Eine Mehrheit im Ortsbeirat 2 will dafür aber keine Pkw-Parkplätze aufgeben.

Jürgen Knaup schließt mit behandschuhten Fingern sein Fahrradschloss auf. Er hat es während seines Einkaufs an eine Laterne auf dem Gehweg in der Leipziger Straße gekettet. Knaup lebt seit acht Jahren in der Falkstraße und arbeitet im Viertel. Zum Einkaufen geht er meist in die nahe Leipziger. Doch mit dem Fahrrad empfindet er die Infrastruktur als anstrengend „Ich kann weder Zuhause noch beim Einkaufen gut parken“, sagt Knaup. „Und wenn ich mich auf den Gehweg stelle, blockiere ich ihn für Kinderwagen.“

Besonders im Abschnitt zwischen Landgrafen- und Adalbertstraße, wo das Trottoir schmal ist, gebe es zu wenige Bügel für Fahrräder, findet auch Ortsbeirat Thomas Gutmann (Grüne). In einem Antrag regte er deshalb in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 2 an, zwei Auto-Stellplätze auf Höhe der Leipziger Straße 19 mit Fahrradbügeln auszustatten. „Die Maßnahme trägt dem deutlich gestiegenen Radverkehr Rechnung“, heißt es in der Begründung.

Mit Gegenstimmen von CDU, SPD und FDP lehnte der Ortsbeirat den Antrag ab. Mit dem Auto in der wichtigsten Einkaufsstraße des Viertels parken zu können, sei für die Gewerbe unerlässlich, so die Fraktionen. Seitens der CDU hieß es, man könne „auch von Radfahrern erwarten“, ein paar Schritte zum nächsten Stellplatz zu gehen. Biegt man allerdings von der betreffenden Stelle links in die Landgrafenstraße ein, so finden sich dort nur eine begrenzte Zahl – zweimal sechs – Stellplätze. Dass für Autofahrer Tiefgaragen in der Nähe zur Verfügung stünden, werde dabei ignoriert, sagt Gutmann.

Das Verkehrsdezernat begrüße grundsätzlich Begehren mit dem Ziel, die Infrastruktur an den steigenden Radverkehrsanteil anzupassen, sagt Referent Stefan Lüdecke. Im Innenstadtverkehr etwa hätten Fahrräder derzeit einen Anteil von rund 20 Prozent. Auf der Fläche eines Pkw-Stellplatzes sei Raum für acht bis zehn Fahrräder – daher sei die Idee, langfristig Parkplätze umzuwandeln, richtig. „Da muss man eben auch mal in den sauren Apfel beißen“, so Lüdecke, „und der ein oder andere Stellplatz für Autos entfallen.“

Sarah Lazar vom Stadtteilbüro Bockenheim kennt das Problem: „Besonders im Sommer gab es viele Radfahrer, die sich bei uns über mangelnde Stellplätze beschwert haben.“ Sie versteht aber auch die Autofahrer: Durch die vielen Verkehrsteilnehmer in der Einbahnstraße, die für Zweiräder aber in beide Richtungen offen ist, entsteht oft Chaos und Platznot – auch für Autofahrer. Schulterzuckend befindet sie: „Verbreitern kann man die Straße nun auch nicht mehr.“ Sie entscheide sich deshalb meist für den Fußweg.

In Anbetracht der Debatte um Dieselfahrverbote sei es auch in Bockenheim als „hochverdichtetem Stadtteil“, in dem „viele Menschen leben, die das Rad nutzen“ notwendig weiterzudenken, findet Lüdecke. So plane das Verkehrsdezernat, im kommenden Frühjahr die Leipziger Straße und die Bockenheimer Warte mit Blick auf Fahrradverkehr und -stellplätze unter die Lupe zu nehmen. Auch im Radentscheid Frankfurt, der derzeit vom Rechtsamt der Stadt geprüft wird, sind mehr Parkmöglichkeiten für Zweiräder eine der zentralen Forderungen.

Auch Ortsbeirat Gutmann plant nach eigenen Angaben, weitere Anträge zum Thema Fahrradplätze zu stellen. Denn er sieht das Problem auf der gesamten Straße und Umgebung.

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