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Mächtige Betonmauer an der Ecke Gerlachstraße, links der Anbau aus den 60ern.

Gefängnis Höchst

Knast zu verkaufen

Die Mitarbeiter der Justiz werden dem Bau kaum eine Träne nachweinen. Die Häftlinge ziehen aus, und das Höchster Gefängnis sucht eine neue Zukunft.

Von Jutta Ochs

Ein bisschen Gründerzeit-Charme verströmt dieses mächtige, massive Gebäude an der Höchster Hospitalstraße schon: Sandsteinsockel und rote Laibungen, erkerartige, geschwungene Vorbauten. Doch da sind die Fenster, die gar nicht ins behagliche Altbau-Bild passen wollen: sehr hoch und sehr schmal oder aber sehr klein und rechteckig-kurz, vor allem aber mit massiven Stahlgittern bewehrt. Die riesige Betonmauer aus Fertigteilen um das Außengelände herum, überwölbt von vielen Rollen Natodraht, klärt dann alle Zweifel: „Justizvollzugsanstalt Frankfurt am Main 1, Zweiganstalt Höchst“ heißt dieses Gebäude offiziell, dort sitzen bis zu 155 Untersuchungshäftlinge ein – aber nicht mehr lange. Die direkt ans Höchster Amtsgericht grenzende Anstalt wird zum Jahresende geräumt, alles zieht in den Neubau nach Preungesheim. Der 100 Jahre alte Höchster Knast ist dann zu verkaufen. Bis jetzt will ihn aber noch keiner haben.

Alfons Gerling, CDU-Landtagsabgeordneter aus Frankfurt, macht sich deshalb Sorgen und hat mal beim zuständigen Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) nachgefragt. „Noch keine Pläne für eine weitere Nutzung“, hat der Minister auf Gerlings kleine Anfrage geantwortet. Auch liegen noch keine „Interessensbekundungen“ vor, auch nicht von der Stadt Frankfurt. Der Zeilsheimer Gerling hofft, dass er nun eine „Debatte über die Zukunft des Höchster Gefängnisses anstoßen kann“.

Die Mitarbeiter der Justiz werden dem Bau kaum eine Träne nachweinen. „Das Haus ist schon ganz schön runtergekommen“, sagt Frank Lob, Leiter der JVA Frankfurt I, zu der die „Zweiganstalt“ gehört. Die Heizung ist alt, die Rohre auch, und es gibt „kaum Freizeitmöglichkeiten für die Gefangenen“. Recht berühmt ist aber das alljährliche Fußballturnier, das der Verein für Arbeits- und Erziehungshilfe zwischen „drinnen und draußen“ mitorganisiert, dieses Jahr zum letzten Mal. Von außen ist das Turnier immer daran zu erkennen, dass massenhaft Bälle im Stacheldraht aufgespießt sind. Auch das ist dann bald Geschichte. Die Insassen werden ohnehin wenig gute Erinnerungen haben. Salopp gesagt saß und sitzt dort „vom Hühnerdieb bis zum Topmanager“ (Lob) alles seine U-Haft ab. Der Brite Nick Leeson, der spektakulär Milliarden seiner Baring-Bank verspekulierte, begann in Höchst seine Memoiren zu schreiben. Bürgermeister aus dem Main-Taunus-Kreis haben wegen Bestechlichkeitsverdacht eingesessen. Trauriges Aufsehen erregte die Selbsttötung eines Ikea-Managers.

Der Höchster Knast nimmt auch solche Bürger auf, die eine verhängte Geldstrafe nicht bezahlen möchten und ein paar Tage hinter schwedischen Gardinen vorziehen.

Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) hat zumindest schon eine Idee: Drumherum ist ja im Umkreis von Finanzamt und Klinik schon viel Wohnungsbau. „Hochwertiges Wohnen“ in Höchst sei an der Stelle des Gefängnisses „gut vorstellbar“.

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