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Abends sitzen vor allem junge Leute auf den Bänken, zuweilen geht es dabei laut und fröhlich zu.

Sachsenhausen

Kampf um die Bänke

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  • George Grodensky
    George Grodensky
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Eine Gruppe von jungen Menschen möchte de Sitzgelegenheiten auf dem Adlhochplatz erhalten. Im Internet können Unterstützer eine Petition dazu zeichnen.

Die Bänke auf dem Adlhochplatz sind wichtig. Findet Moritz Tettenborn. Sie machen das Areal zu einem kommunikativen Ort. Zu einem Treffpunkt in der Stadt. Schüler sitzen dort, Senioren, Leute, die einkaufen gehen. Geschäftsleute, Angestellte, ein paar Wohnsitzlose. Mit Schrecken hat Tettenborn in der FR gelesen, dass die Bänke weg sollen. Der Ortsbeirat 5 hat das in seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Tettenborn hat nun mit einigen Studienkollegen eine Internet-Petition zum Erhalt der Bänke ins Leben gerufen. Junge Leute sind das, zwischen 20 und 23 Jahren.

Im November 2017 ist der Plan noch, die Bänke durch mobile Sitzmöbel zu ersetzen. Die müsste abends jemand wegräumen. Die Stadt hat dem zugestimmt. Der Ortsbeirat soll die Stühle aus dem eigenen Budget finanzieren. Jetzt geht das Gremium einen Schritt weiter: Die Bänke sollen ganz weg. Ohne Ersatz. „Langfristiges Ziel“ soll sein, erklärt Florian Reineking von der FDP, die „mobile Bestuhlung zu erreichen“. Aber erst müssen die Bänke weg, um zu klären, ob es ruhiger wird.

Tettenborn, wie auch die SPD und Linken im Ortsbeirat, hält das für den falschen Weg. „Der Adlhochplatz ist kein abgelegenes Gelände am Stadtrand“, sagt er. Natürlich sollen die Anwohner abends ihre Ruhe haben. Das könne aber nicht zulasten aller anderen Nutzer gehen. Tettenborn etwa hat in seiner Schulzeit an der nahe gelegenen Freiherr-vom-Stein-Schule manchen Mittag auf den Bänken verbracht. Auch heute noch zieht es ihn und seine Freunde dort hin. Sie haben auch mit den Leuten dort gesprochen, sagt Tettenborn. Da gebe es viele, die die Bänke erhalten wollen.

Die entsprechende Petition haben am gestrigen Dienstagnachmittag immerhin bereits 172 Menschen unterzeichnet. Die halten es für sinnvoller, den Rewemarkt auf der anderen Straßenseite zu überreden, am Wochenende die Öffnungszeiten zu reduzieren. „Auch wenn das wirtschaftlich nicht gewollt ist.“ Freitags oder samstags würden die wenigsten um 23 Uhr einkaufen.

Eine andere Möglichkeit: die Polizeipräsenz erhöhen. „Die sollen da nicht dauernd stehen“, sagt Tettenborn. Aber ab und an vorbeifahren. Als Autoritätspersonen, die Eindruck machen auf die Lärmverursacher. Einen Streetworker oder das Ordnungsamt zu schicken, sei da schwieriger, findet Tettenborn. „Es ist nicht ohne, eine Gruppe von Betrunkenen zur Ruhe zu ermahnen.“

Eine mobile Bestuhlung wünscht sich die Gruppe um Tettenborn nicht. Zumindest sei unklar, ob die Fläche damit noch klassischer öffentlicher Raum sei. Oder gehören die Stühle dann zu einem Lokal, müssen die Leute da etwas konsumieren?, fragt Tettenborn. Das ist für Schüler nicht unbedingt attraktiv. Für Leute, die nicht viel Geld haben also.

Das Grünflächenamt hat bereits den Auftrag erhalten, die Bänke zu demontieren, sagt die stellvertretende Leiterin Heike Appel. Sie geht davon aus, dass ihre Mitarbeiter erst im kommenden Frühjahr tätig werden, „das wäre vernünftiger“. Derzeit sei mit keinen Beschwerden zu rechnen, da die Bänke in der kalten Jahreszeit kaum genutzt werden.

Laut Appel sollen am Adlhochplatz künftig Stühle platziert werden, „ähnlich wie auf dem Luisen- oder Matthias-Beltz-Platz im Nordend“. Für diese müsse das Amt- für Straßenbau und Erschließung, das das Areal verwaltet, zunächst Paten oder Gastronomen finden, die bereit sind, die Sitzgelegenheiten abends anzuketten oder reinzustellen.

Die Petition: www.change.org/p/petition-zum-erhalt-unserer-bänke  

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