+
In der Nähe der Frankfurter Hauptwache soll es zum Übergriff gekommen sein (Archivbild).

Antisemitismus

Junger Jude in Frankfurt angegriffen

  • schließen

Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung in Frankfurt. Das Opfer ist ein Jude, die Täter mutmaßlich Palästinenser. Der Staatsschutz schaltet sich ein, weil ein antisemitischer Hintergrund vermutet wird.

In der Frankfurter Innenstadt hat es einen offenbar antisemitisch motivierten Übergriff gegeben. Wie eine Polizeisprecherin der Frankfurter Rundschau am Montag bestätigte, ereignete sich der Vorfall bereits vor zehn Tagen. Ein 20-jähriger Jude war demnach gegen 4.15 Uhr am frühen Samstagmorgen nach einem Clubbesuch mit einem Bekannten in der Nähe der Hauptwache unterwegs, als ihn zwei unbekannte Männer ansprachen. Die beiden fragten ihn nach einer Zigarette, es entwickelte sich ein Gespräch. Als sich herausstellte, dass der 20-Jährige Jude ist und eins seiner Elternteile aus Israel stammt, griffen die beiden Unbekannten den jungen Mann unvermittelt an. Laut Zeugenaussagen sollen sie gesagt haben, sie seien Palästinenser.

Der 20-Jährige blieb laut Polizeiangaben unverletzt, die beiden mutmaßlichen Täter konnten unerkannt fliehen. Sie konnten bislang weder durch Zeugenaussagen noch durch die Sichtung der Filmaufnahmen von Sicherheitskameras identifiziert werden. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung. Da von einem antisemitischen Hintergrund der Tat ausgegangen wird, übernimmt die für alle politischen Straftaten zuständige Staatsschutz-Abteilung die Ermittlungen.

Angegriffener Jude ist Mitglied der Jungen Liberalen

Die Beamten hoffen, dass sich noch weitere Augenzeugen des Vorfalls melden. Die beiden Angreifer sollen beide kurze schwarze Haare und einen Bart haben, sie sollen mit Jeans, schwarzen Jacken und weißen Schuhen bekleidet gewesen sein.

Sven-Erik Holm, Vorsitzender der Jungen Liberalen Frankfurt, der Nachwuchsorganisation der FDP, bestätigte der FR am Montag einen Bericht der „Bild“-Zeitung, wonach der Angegriffene Mitglied der Jungliberalen ist. Auf Wunsch des 20-Jährigen habe man den Überfall zunächst nicht in die Öffentlichkeit getragen, sagte Holm. „Es hat ihn natürlich extrem mitgenommen, weil er das so nicht erwartet hat in einer Stadt wie Frankfurt.“ Sowie sie erfahren hätten, dass ihr Gegenüber Jude ist, hätten die Angreifer dem 20-Jährigen unmittelbar ins Gesicht geschlagen und ihm eine Kopfnuss verpasst. Der junge Mann sei geschockt und durch den Angriff eingeschüchtert.

Die Jungliberalen verurteilten die antisemitische Attacke in aller Schärfe, sagte Holm. „Für uns ist das absolut erschütternd“, sagte der Nachwuchspolitiker. „Es kann und darf nicht sein, dass jemand aufgrund seiner Herkunft oder seines Glaubens angegriffen wird.“ Alle demokratischen Kräfte in Frankfurt müssten sich dafür stark machen, „dass man zu seinem jüdischen Glauben und seiner israelischen Herkunft offen stehen können muss in dieser Stadt und diesem Land.“

Uwe Becker verurteilt den Angriff

Auch Frankfurts Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) verurteilte den Übergriff am Montag mit scharfen Worten. „Unsere Stadt fühlt sich gerade auch aufgrund ihrer großen jüdischen Tradition in besonderem Maße den hier lebenden Jüdinnen und Juden verbunden“, sagte Becker. Die Attacke stelle „einen Angriff auf das gesellschaftliche Miteinander aller Frankfurterinnen und Frankfurter dar“. Becker sagte, er hoffe darauf, dass die Täter gefunden und „mit aller Härte unserer Gesetze bestraft“ werden könnten. „Wer Menschen bedroht oder angreift, weil sie jüdischen Glaubens sind, hat in unserer Stadt Frankfurt am Main nichts zu suchen“, so Becker. Der CDU-Politiker kündigte zugleich an, das Opfer des Angriffs in den Römer einzuladen.

Der hessische FDP-Bundestagsabgeordnete Stefan Ruppert, reagierte ebenfalls auf den Vorfall. „Nach dem Angriff auf ein koscheres Restaurant in Chemnitz vor wenigen Wochen belegt auch die Attacke auf den jüdischen Mitbürger in Frankfurt, dass sich derartige antisemitische Vorfälle mehren und das Vorgehen der Täter immer aggressiver wird“, sagte Ruppert. Derartige antisemitische Auswüchse müssten eine Mahnung für die Politik sein, „alles in ihrer Macht stehende dafür zu tun, dass sich Juden ohne Angst im öffentlichen Raum zu ihrem Glauben bekennen können“. Straftaten müssten konsequent verfolgt werden gleichzeitig seien vor allem Bildung, Prävention und Aufklärung notwendig, um Judenfeindlichkeit langfristig zu bekämpfen. Außerdem sollte man „nicht zuletzt den wertvollen Beitrag der Mitglieder der jüdischen Gemeinden und der jüdischen Zivilgesellschaft für das Gelingen des Gemeinwesens in Frankfurt und Deutschland herausstellen“, sagte Ruppert.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare