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Kalt gestellt: Rainer Rahn, Fraktionschef der AfD im Frankfurter Römer.

AfD in Hessen

Die AfD in Hessen: Ein Vorbild für andere Parteien?

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Die AfD in Hessen stellt Rainer Rahn, ihren Spitzenkandidaten für die Landtagswahl, kalt. Sollen sich die anderen Parteien daran ein Vorbild nehmen? Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert: Da macht der wochenlang Wahlkampf und dann....

Göpfert: Hör jetzt auf damit.

Leppert: Kein auch nur halbwegs wichtiger Posten. Nichts. Alter, was für ein Abstieg.

Göpfert: Georg, wir hatten gesagt, dass wir nicht mehr bösartig und fies sein wollen. Und außerdem kann sich das doch noch alles ändern.

Sie werden es in Ihrer FR gelesen haben, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik: Die hessische AfD stellt Rainer Rahn kalt. Jenen Rainer Rahn, der die Fraktion der Rechtspopulisten im Römer führt. Der in einer „Rede“ minutenlang Zeitungsberichte über Straftaten mit ausländischen Tatverdächtigen zitierte, um mal so richtig Stimmung zu machen. Der in einem Interview mit der FR sagte, Flüchtlinge sollten nicht nach Deutschland kommen, sondern in großen Lagern in der Türkei warten, bis sich die Lage in ihrem Heimatland beruhigt hat. Der sich beim Blind Date des Hessen Fernsehens kurz vor der Wahl benommen hat wie ein heimwehkranker Grundschüler auf Klassenfahrt: „Ich will nach Hause, fahren Sie mich zurück.“

Jener Rainer Rahn hat es voll verkackt, um ein Wort aus der Jugendsprache zu verwenden. Stand jetzt (mit besten Grüßen an den Trainer des FC Bayern München) durfte er zwar als Spitzenkandidat der hessischen AfD im Wahlkampf den Kopf hinhalten – doch die wichtigen Posten in der neuen Landtagsfraktion bekommen andere. Rainer Rahn wird wohl nur einfacher Abgeordneter. Undank ist der Welt... Naja, lassen wir das.

Überhaupt, diese Häme. Was soll das denn? Es gibt deutlich schlimmere politische Abstiege in so kurzer Zeit. Auch wenn uns aktuell keiner einfällt.

Wobei die anderen Parteien auch nicht so tun sollten, als könnten sie von der AfD gar nichts lernen. So ein gewisses Maß an Skrupellosigkeit kann offenbar nicht schaden. Hier unsere Vorschläge, was Parteien im kommenden Kommunalwahlkampf tun könnten, wenn sie ihr eigenes Spitzenpersonal genauso schlecht behandeln wollen, wie es die AfD mit Rainer Rahn tut.

Nehmen wir die CDU. Setzt im kommenden Kommunalwahlkampf voll und ganz auf den Stadtverordneten Christoph Schmitt. Der widmet sich wochenlang der seit 30 Jahren besetzten Au in Rödelheim und sagt: Die Au muss geräumt werden, zumindest aber müssen die Bewohner endlich Mietverträge unterschreiben. Nach der Wahl unterschreibt die CDU dann einen Koalitionsvertrag mit den Grünen, in dem es auf Seite 12 heißt: Am Zustand der besetzten Au darf sich nichts ändern. Puh, wäre das fies.

Oder die SPD. Lässt Sylvia Weber für gutes und gesundes Schulessen von kleinen, regionalen Caterern werben. Und eine Woche nach der Wahl die Nachricht: Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) stimmt der zentralen Ausschreibung der Essensversorgung aller Frankfurter Schulen zu – designierter Sieger: Sodexo.

Die Grünen könnten ihre Stadtverordnete Ursula auf der Heide dazu verdonnern, künftig mit der Stabsstelle Fluglärmschutz des OB zusammenzuarbeiten, die FDP könnte ihrem Abgeordneten Uwe Schulz nahelegen, keine Graffiti am Klapperfeld mehr zu übermalen... Aber ganz sicher sind das Hirngespinste, und die anderen Parteien überlassen solche Gemeinheiten der AfD.

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