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Ortsvorsteher Friedrich Hesse vor der Wöhlerschule.

Platensiedlung in Frankfurt

Hesse zu den Entwicklungen in der Platensiedlung

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Friedrich Hesse, Vorsteher des Ortsbezirks 9, spricht über die Entwicklungen in der Platensiedlung in Frankfurt und den Umbau der Eschersheimer Landstraße.

Herr Hesse, die Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld hat jüngst verkündet, dass vorerst keine weiteren Stellen in der Sozialarbeit für die Platensiedlung vorgesehen sind. Stattdessen sollen die Jugendzentren in Ginnheim mehr Streetwork anbieten. Ist das ein ausreichendes Instrument, um der Situation in der Siedlung gerecht zu werden?
Nein. Zwar sollen die Jugendzentren auch aufsuchende Jugendarbeit im Viertel anbieten. Das ist aber keine Aufgabe, die nebenbei erledigt werden kann. Zusätzliche Sozialarbeiter müssten über den Jugendhilfeausschuss finanziert werden. Ich weiß nicht, ob sich die Verantwortlichen im zuständigen Amt dem Ausmaß der Problematik bewusst sind.

Was müsste Ihrer Ansicht nach konkret geschehen, um den Bedürfnissen der Bewohner der Platensiedlung nachzukommen und wieder für mehr Ruhe im Viertel zu sorgen?
Zusätzlich zu den Jugendzentren müsste es niedrigschwellige Freizeitangebote für Jugendliche geben. Orte, an denen sie sich treffen können, ohne direkt einem pädagogischen Programm ausgesetzt zu sein. Im Moment ist der einzige Treffpunkt die Straße. Eine günstige Gastronomie wäre eine Option. Das Nachbarschaftsbüro sucht gerade nach neuen Räumen. Diese werden hoffentlich zentraler und größer sein als bisher. Am wichtigsten ist die Ausweitung des präventiven Angebots. Dafür werde ich mich weiter einsetzen. Die Integration der Kinder und Jugendlichen in der Platensiedlung ist eine große Herausforderung.

Eine Perspektive zur Öffnung der Platensiedlung und damit auch zur Integration der Bewohner bietet das geplante Projekt Grünes Ypsilon, also die Wegeverbindung der Grünflächen zwischen Westend, Ginnheim und Dornbusch. Seit diesem Jahr steht die Finanzierung dafür. Wie geht es nun weiter?
Die Platensiedlung wäre tatsächlich Hauptprofiteur dieser räumlichen Öffnung. Die Pläne für das Projekt liegen vor. Wann die Bauarbeiten beginnen, steht nicht fest. Im benachbarten Dichterviertel kommt die Planung aber nicht gut an. Aus Sorge vor einer geänderten Verkehrsführung oder zunehmendem Drogenhandel auf den neu entstehenden Wegeverbindungen, zum Beispiel am geplanten Überweg an der Eschersheimer Landstraße. Das Platenviertel würde durch das Projekt indes eine Aufwertung erfahren.

Diese Aufwertung ist auch wichtig, um im Zuge der Nachverdichtung in Ginnheim das Quartier als Wohnstandort attraktiver zu machen.
Das Ziel ist eine Diversifizierung der Bewohnergruppen in der Siedlung. Gerade werden im nördlichen Teil 152 Ein-Zimmer-Apartments für Studenten gebaut. Die Durchmischung soll den aktuellen Problemen im Viertel langfristig entgegenwirken.

Eine andere Baustelle kam jüngst zum Abschluss: der Umbau der Eschersheimer Landstraße. Eine Autospur weniger pro Fahrtrichtung, dafür ausgebaute Fahrradwege. Von Bürgern kam während der Arbeiten mitunter viel Kritik. Wie fällt Ihr Fazit zu dem Projekt aus?
Das befürchtete Verkehrschaos ist zwar ausgeblieben. Berechtigte Beschwerden der Bürger gab es in Bezug auf die Verkehrsführung und die uneindeutige Beschilderung des Baugebiets. Das zuständige Amt hat sich in Sachen Informationspolitik ungeschickt angestellt. Die Verwaltung hat zu bürokratisch agiert und die Sache verkompliziert. Was den Konflikt innerhalb des Ortsbeirats angeht, so sind da zwei Züge aufeinander gedonnert. Die Debatte war ideologisch aufgeladen. Auf der einen Seite SPD und Grüne, auf der anderen Seite die anderen Fraktionen, die den Plan kritisierten. Der Umgang mit den Kritikern hat mich gestört. Aber der Streit ist beigelegt.

Welche Konsequenzen hatte der Bau für den Einzelhandel? Leerstand an der Eschersheimer Landstraße ist schon länger ein Problem.
Einzelne Geschäfte, deren Existenz schon vorher auf der Kippe stand, mussten während der Bauphase schließen. Händler, die nachgefragte Produkte und Dienstleistungen anbieten, konnten sich aber halten. Das wird auch zukünftig so sein.

Besonders verärgert haben sich dieses Jahr im Ortsbeirat Vertreter von Schulen aus den Stadtteilen gezeigt. Nicht nur der Platzmangel war Thema, auch den Umgang des Magistrats mit der Schulgemeinschaft haben Bürger teils heftig kritisiert. Was muss sich ändern?
Die Schulsituation ist sehr problematisch. Im Zuge der Nachverdichtung in Ginnheim muss die Astrid-Lindgren-Schule erweitert werden. An der IGS Eschersheim herrscht Sanierungsstau. Die Wöhlerschule/Heinrich-Seliger-Schule ist eine Baustelle. Um die Arbeiten an der Diesterwegschule zu beginnen, ist immer noch kein Auslagerungsort gefunden. Das größte Problem ist jedoch die mangelnde Kommunikation seitens der zuständigen Ämter. Die Stadt muss mit den Schulen direkt sprechen und aktiv informieren. Auch, wenn sie noch keine Ergebnisse anbieten kann.

Welche Themen werden den Ortsbeirat 2019 beschäftigen?
Wir werden beobachten, wie die Nachverdichtung in Ginnheim laufen wird. Natürlich wird die Entwicklung in der Platensiedlung weiter ein wichtiger Punkt sein. Von Bedeutung wird sein, wie die Sozialarbeit funktioniert und ob sich die Grundstimmung im Viertel verbessert.

Zur Person: Friedrich Hesse (CDU) ist seit 2006 Vorsteher des Ortsbezirks 9. Dem Gremium gehört der 66-jährige seit 36 Jahren an. 2016 trat der Lehrer für Französisch und Geographie in den Ruhestand. Davor arbeitete er an der Ziehenschule. 

Im Ortsbezirk leben mehr als 50 000 Menschen. Eschersheim und Ginnheim wurden 1910 eingemeindet, der Dornbusch 1946 zum eigenen Stadtteil.  Vertreten sind im Ortsbeirat die CDU mit fünf Mandaten, die SPD und Grüne mit jeweils vier, sowie FDP, Linke und BFF mit je zwei Sitzen.

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