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Bürgermeister Uwe Becker im Stadtparlament.

Stadtparlament

Erster Schritt zum neuen Stadtteil

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Mit riesiger Mehrheit stimmen die Stadtverordneten für den ersten Schritt hin zu einem neuen Stadtteil im Frankfurter Nordwesten.

Zu später Stunde hat das Frankfurter Stadtparlament am Donnerstag eine Entscheidung von großer Tragweite getroffen. Mit riesiger Mehrheit haben die Stadtverordneten den ersten Schritt für den geplanten neuen Stadtteil im Frankfurter Nordwesten getan, in dem beidseits der Autobahn 5 einmal 30 000 Menschen wohnen sollen.

Außer der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen stimmten Linke und FDP dafür, vorbereitende Untersuchungen für eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme in dem 550 Hektar großen Areal zu beginnen. AfD und BFF stimmten gegen das Vorhaben, das besonders in Oberursel und Steinbach, aber auch Teilen Frankfurts auf Widerstand trifft.

In den nächsten zwei Jahren sollen Wissenschaftler prüfen, ob die Areale aus ökologischer Sicht geeignet sind, Wohnhäuser aufzunehmen. Es geht um den Umgang mit Landschaftsschutzgebieten, landwirtschaftlicher Fläche und der Talaue des Steinbachs. Am Ende soll ein städtebaulicher Rahmenplan stehen, der die Baugebiete festlegt, die Erschließungsstraßen und die Freiflächen.

Planungsdezernent Mike Josef (SPD) nannte es selbst für die Mittelschicht schwierig, in Frankfurt eine Wohnung zu finden. Nur Innenentwicklung zu betreiben, reiche angesichts dieses Wohnungsmangels nicht aus. Was nun im Nordwesten entstehen könne, werde einmal Frankfurt sein, sagte Josef - und das so selbstverständlich, wie heute die Römerstadt, die Nordweststadt oder der Riedberg zur Stadt zählten. Die Menschen bewege, ob sie eine bezahlbare Wohnungen fänden, Schulen, Kitas – nicht ob sie östlich oder westlich der A 5 lebten.

Viele Neu-Frankfurter, aber auch Frankfurter Familien suchten ein Dach über dem Kopf, sagte der planungspolitische Sprecher der CDU, Nils Kößler. Er drückte die Hoffnung aus, dass der Bau vieler neuer Wohnungen sich dämpfend auf Mieten und Preise auswirke. Er betonte allerdings, dass zunächst nur Voruntersuchungen im Gebiet westlich von Praunheim beschlossen würden, sprach von einer „Potenzialanalyse“. Erst nach dieser werde man entscheide, wo genau wie viele Wohnungen entstehen könnten.

Auch Grünen-Fraktionschef Manuel Stock  nannte die Untersuchung ergebnisoffen. Klar sei aber, dass man das Gebiet prüfe, weil man es für geeignet halte und es möglichst entwickeln wolle. So ehrlich müsse man sein. Noch gebe es aber viele Hürden, für die Lösungen zu finden seien, etwa die A5, die Höchstspannungsleitungen und die Frischluftzufuhr.

Elke Tafel-Stein (FDP) machte klar, dass ihre Fraktion zwar der Voruntersuchung zustimme, aber skeptisch bleibe. Nicht zuletzt warnte sie vor einer neuen Trabantenstadt.

Eyup Yilmaz (Linke) forderte eine maximale Transparenz und Bürgerbeteiligung. Er warb dafür, die Stromleitung unter die Erde zu verlegen und die A5 einzuhausen. Wohnungen dürften nicht als Lärmschutz dienen.

Diskussion über Alternative

Für Aufregung sorgte am Donnerstag eine vermeintliche Alternative zu den Plänen im Frankfurter Norden: der im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ unterbreitete Vorschlag des Frankfurter Architekten Karl Richter, auf dem Rebstockgelände im Westen einen Stadtteil für 30 000 Menschen zu bauen.

Josef nannte den FAZ-Artikel am Abend polemisch und wenig kenntnisreich. Der nun vorgeschlagene Standort am Rebstock sei mitnichten besser geeignet als das Areal im Nordwesten. Denn dort gebe es sogar zwei Autobahnen, die A5 und die A648, dieselbe 380-Volt-Leitung wie im Nordwesten, zudem geschützte Grünflächen und viele andere Hürden, sagte der Planungsdezernent. Zahlreiche Grundstücke seien durch andere Nutzungen belegt, die nur schwer ersetzt werden könnten. Das gelte zum Beispiel für die Parkplätze der Frankfurter Messe. Hier schlägt Architekt Richter vor, als Ersatz ein großes Park-and-ride-Parkhaus zu bauen. Ein großer Vorteil des Rebstocks sei, dass er wesentlich näher am Stadtzentrum liege als das geplante Quartier im Frankfurter Norden.

Josef wunderte sich zudem, dass nicht wahrgenommen werde, dass die Stadt längst Wohnungen in dem Areal plane. Allerdings deutlich weniger als jetzt vorgeschlagen: rund 2000 am Römerhof, 1000 weitere am Rebstock.

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