Römerbriefe

Bleigießen 2.0

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Was bringt die Zukunft? Unsere Politiker wollen es herausfinden. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Göpfert: Das ist ein Cocktailglas.

Leppert: War ja klar, dass du so etwas beim Bleigießen bekommst.

Göpfert: Genau. Es bedeutet, dass ich endlich meinen Urlaub planen soll. Also, ich würde gerne Ende Mai …

Leppert: Moment, mein alter Freund, Ende Mai spielt die Eintracht im Europacup-Endspiel in Baku. Da fahre ich hin, deshalb kannst du unmöglich …

So, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik, bevor wir Sie jetzt weiter mit unseren Urlaubsplänen langweilen, lassen Sie uns lieber darüber schreiben, wie unsere Kommunalpolitiker Silvester verbracht haben (könnten). Uns ist das Protokoll eines Treffens im Haus von ABG-Chef Frank Junker zugegangen, das wir wie immer nicht auf Echtheit überprüfen können und wollen.

Nico Wehnemann (Die Partei): „Leute, geile Sache, wir machen Bleigießen.“

Ordnungsdezernent Markus Frank: „Moment, der Herr. Bleigießen ist seit diesem Jahr verboten. Unser Gesetzgeber hat sich dabei etwas gedacht, und unsere Polizei wird das Verbot genau überwachen.“

Martin Kliehm (Linke): „Hat die dafür überhaupt Zeit zwischen dem ganzen Hakenkreuz-verschicken?“

Frank: „Das ist eine Unverschämtheit, ein Skandal, dass Sie so etwas sagen, ich bin entsetzt. Herr Junker, Herr Junker, in einem ABG-Haus soll etwas Verbotenes gemacht werden. Sie müssen alle, die jetzt mitspielen, aus ihrer Wohnung werfen. Und die Kinder und Enkelkinder dieser Leute müssen Sie auch auf die Straße setzen.“

Junker: „Ich habe da kein Mitleid, aber man kann doch auch Bleigießen auf dem Handy spielen, man braucht nur eine stabile Internetverbindung … oh, haben wir hier nicht.“

Alle: „Schneider, Sie Versager!“

IT-Dezernent Jan Schneider: „Leute, das können wir 2026 spielen, wenn das Glasfaserkabel liegt. Bis dahin machen wir eben Wachsgießen. Die Ina Hartwig fängt an.“

Kulturdezernentin Ina Hartwig legt los: „Ist das …?“

Alle Kulturpolitiker extrem aufgeregt: „Ein Aquarium, das ist ein Aquarium. Das heißt, du musst die Main-Philharmonie bauen. Für 1,3 Milliarden Euro.“

Kliehm: „Das ist kein Aquarium, das ist ein Baguette. Das heißt: Weniger ist mehr. Junker, haben Sie hier irgendwo Klebeband, dann schauen wir mal, wie wir den Schrott in den Städtischen Bühnen notdürftig absichern.“

Hauptstadtbeauftragter Martin Wimmer: „Ich mache weiter. Das ist …“

Michael zu Löwenstein: „Das ist eine 0. Heißt so viel wie: Griff ins Klo. Ich bin dran. Oh, ein zerbrochener Ring.“

Ursula Busch (SPD) und Manuel Stock (Grüne): „Und tschüss. War eigentlich ’ne schöne Koalition. Manchmal.“

Annette Rinn (FDP): „Also mein Symbol sieht aus wie der Eiffelturm. Heißt: Neue Freunde finden. Tja, Prinz zu Löwenstein, bereit? Müssten aber zwei Posten im hauptamtlichen Magistrat sein, der Uwe Schulz will Ordnungsdezernent werden.“

Kliehm: „Die Au bleibt. Das Klapperfeld bleibt. Das Exzess bleibt und …“

Es ist Mitternacht, alle böllern, Frank Junker kündigt zwei Kommunalpolitikern und ihren Verwandten bis zum fünften Grad die Wohnung, weil sie Polenknaller verwendet haben. Markus Frank findet das gut. Das Protokoll endet an dieser Stelle. Die Römer-Reporter wenden sich wieder ihrer Urlaubsplanung zu.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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