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Rosenkranz, gefaltete Hände: So demonstrieren Abtreibungsgegner vor Pro Familia.

Römerbriefe

Bizarrer Auftritt von Abtreibungsgegnern

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    Georg Leppert
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Im Römer wird jetzt gebetet. Wir finden das etwas bizarr, können diese Entwicklung aber auch nicht ignorieren. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Aus gutem Grund lesen Sie, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik, an dieser Stelle nie etwas über Religion. Es ist nämlich so: Mit einer Glosse über gläubige Menschen verletzt man leicht die Gefühle dieser Menschen. Und das wollen wir nicht. Allerdings hat sich in dieser Woche im Römer gar Seltsames zugetragen, was wir ihnen nicht vorenthalten können. Deshalb möchten wir klarstellen: Es ist uns egal, ob jemand an Gott glaubt, jeder kann beten oder nicht, jeder kann sich seine Religion aussuchen, wir haben das nicht zu kommentieren.

Es war allerdings schon ein bizarrer Auftritt, den wir am Montagabend im Rechtsausschuss unserer Politiker erlebt haben. In die Bürgerfragestunde waren einige Herren gekommen, die Abtreibungen ganz und gar ablehnen und deshalb Mahnwachen vor der Beratungsstelle von Pro Familia abhalten. Einer hat erst einmal gesagt, dass wir immer ganz böse berichten, letztlich hätte er aber auch einfach „Lügenpresse“ rufen können – das war einigermaßen vorhersehbar und langweilig. Sein Kollege aber hat etwas gemacht, was es im Römer selten gibt. Er hat detailliert aufgezählt, für wen er alles betet. Für Mütter, für Väter, für Ärzte, für Kinder, für Kinder, die noch nicht geboren sind… Kann man ja mal machen.

Gesundheitsdezernent Stefan Majer sagt etwas sehr Kluges

Kann man wirklich? Gesundheitsdezernent Stefan Majer von den Grünen hat dazu etwas sehr Kluges erklärt. Weil er homosexuell ist, hätten ihm schon oft Leute gesagt, dass sie für ihn beten. Frei nach dem christlich-fundamentalistischen Motto: Gott helfe dir armen Sünder, dass du endlich deine Krankheit besiegst und normal wirst. Stefan Majer hat dazu nur einen Satz gesagt: „Ich verbitte mir das.“ Richtig!

Damit ist eigentlich alles gesagt, aber Ihre Römerbrief-Schreiber müssen das Thema natürlich noch weiterdrehen. Wir finden: Wenn im Rathaus schon gebetet wird, dann doch für die großen Fragen der Kommunalpolitik. Und hier kommt unser Römer-Gebet:

„Wir beten für Sportdezernent Markus Frank, dass er heute Nachmittag erstmals sagen kann: ,Unsere Fußball-EM 2024‘. Wir beten für alle Menschen, die heute noch nicht 20 Jahre alt sind, dass zumindest einige von ihnen noch mitbekommen, wie sich die Stadtverordneten in Sachen Bühnen entscheiden. Wir beten für Uwe Schulz (FDP), dass er sich nie verläuft und im Klapperfeld landet und dann plötzlich sein ganzes Weltbild auf dem Kopf steht, weil dort tatsächlich Leute ohne Sturmhaube und Molotowcocktail herumlaufen. Wir beten für die Besucher von Info-Ständen der Grünen, dass sie irgendwo in der Stadt einen Grünen finden, der ihnen vor (!!!) der Landtagswahl erzählt, ob er nach der Wahl lieber mit CDU und FDP oder mit SPD und Linken zusammenarbeiten will. Und wir beten, dass sich jemand, der für die Termine im Römer zuständig ist, mal den Spielplan des Europapokals anschaut und einsieht, dass kein Mensch in einer Stadtverordnetenversammlung über Friedhofsgebühren sprechen will, wenn die Eintracht zeitgleich in Rom spielt.“

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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