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Vorglühen auf dem Adlhochplatz: Am Wochenende treffen sich Jugendliche in Sachsenhausen und trinken Alkohol. Anschließend wird weitergezogen.

Lärm in Sachsenhausen

Bänke am Adlhochplatz sollen weg

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Die abendliche Party auf dem Adlhochplatz in Sachsenhasuen stört die Anwohner. Deshalb werden auf Antrag der FDP nun die Bänke entfernt. SPD und Linke halten das für falsch.

Auf dem Adlhochplatz werden künftig keine Bänke mehr stehen. Einen entsprechenden Antrag der FDP hat der für Sachsenhausen zuständige Ortsbeirat 5 am Freitag mehrheitlich beschlossen.

Tagsüber ist die Fläche ein schöner Rastplatz auf dem Weg vom Südbahnhof zum Main. Senioren ruhen sich auf den Bänken aus. Leute treffen sich dort, verbringen ihre Mittagspause auf einer Bank. Wenn es das Wetter zulässt. Abends, besonders am Wochenende, verwandelt sich die Fläche in einen Festplatz. Selbst jetzt noch, im November, sitzen in den Abendstunden vor allem junge Leute dort, trinken, grölen, bereiten sich auf die Party im nahgelegenen Ausgehviertel Alt-Sachsenhausen vor.

Den Anwohnern stinkt das schon lange. Im direkt am Platz gelegenen Bau ist gar eine Senioren-Wohnanlage untergebracht, über dem Textorbad. Auch der Ortsbeirat hat das Thema seit Jahren auf der Tagesordnung. Aber noch keine Lösung gefunden.

Im November 2017 hat das Gremium bereits die Stadt beauftragt, die Bänke zu entfernen, ebenfalls auf Vorlage der FDP. Der Magistrat sollte auch prüfen, ob die ansässigen Wirte nicht Stühle auf dem Platz stellen könnten und sie abends wieder wegstellen. Nach dem Vorbild Luisenplatz im Nordend. Die Stadt hat das bejaht. Sie würde die Bänke abbauen, wenn der Ortsbeirat die mobilen Sitzgelegenheiten aus dem eigenen Budget anschafft. So die offizielle Antwort. Und: den Auf- wie Abbau soll das Gremium klären.

Vorstoß der FDP  geht einen Schritt weiter

Der neuerliche Vorstoß der FDP von Freitag geht nun einen Schritt weiter. Da steht nichts mehr von Ersatz-Stühlen, auf denen sich Passanten tagsüber ausruhen könnten. Nur: Die Bänke sollen weg. Um den Ruhestörern „die Grundlage für den Aufenthalt zu entziehen“, wie es im Antrag heißt.

Seniorenbeirat Dieter Ruppert, obschon FDP-Mitglied, gefällt der Vorstoß nicht. „Ich bin dankbar für jede Bank, die Senioren die Möglichkeit bietet, sich hinzusetzen und Kraft zu schöpfen“, sagt er. Auch die SPD und die Linke im Ortsbeirat zürnen. Die Ruhestörung gehe nicht von den Bänken aus, findet Thomas Murawski (SPD). Das Problem sei eher, dass die Leute sich bis Mitternacht bei Rewe mit günstigem Alkohol eindecken können und den dann auf dem Adlhochplatz konsumierten.

„Der Platz ist auch nicht nur für die direkten Anwohner da“, sagt SPD-Mann Jan Binger. „Das Einzugsgebiet ist größer.“ Die Bänke abzubauen werde auch nicht verhindern, dass sich auf dem Platz die Leute treffen, sagt SPD-Frau Petra Korn-Overländer. „Dann bleiben sie eben stehen oder setzen sich auf den Boden.“

Linke kritisitert „Absage an urbane Kultur“

Es geht nicht, dass da 24 Stunden keine Bank steht, sagt auch Knut Dörfel von der Linken. „Man kann die Leute doch nicht zwingen, ein Café aufzusuchen, wenn sie sich setzen wollen.“ Eine Ab-sage an urbane Kultur sei das. Bei Ruhestörung müssten die Ordnungskräfte aktiv werden.

Doch das ist ein ganz anderes Problem. Die Stadt findet, der Adlhochplatz werde „aus stadtpolizeilicher Sicht im normalen Rahmen als öffentlicher Platz und Kommunikationsraum genutzt“. Von Juni bis September haben die Ordnungskräfte zehnmal kontrolliert, dabei zwar Gruppen von bis zu 25 Personen angetroffen, aber keinen übermäßigen Lärm festgestellt.

Antragsteller Uwe Schulz von der FDP versteht das Ordnungsamt da auch nicht, wie er sagt. Für weitergehende Kontrollen fehle den Behörden anscheinend die Kapazitäten. Er schüttelt den Kopf. „Wir fordern das Ordnungsamt auf, endlich die Lärmbelästigung zu ahnden.“ Es sei aber auch nötig, dass die Politik handele. Die Idee der SPD, die Stadt solle in den Abendstunden Streetworker einsetzen, die die Leute zu besserem Benehmen ermahnen, hat im Ortsbeirat keine Mehrheit gefunden.

Pädagogik interessiere das Partyvolk nicht, findet Schulz. Darum der Radikalvorschlag: Bänke weg. Den die FDP auch als Test verstanden wissen möchte. „Damit wir sehen, ob es überhaupt die Lage beruhigt“, sagt FDP-Mann Florian Reineking. „Wenn es nichts bringt, können wir die Bänke auch wieder aufstellen.“ Dann müsste der Ortsbeirat auch nicht für viel Geld Stühle anschaffen. Und wenn es ohne Bänke ruhiger werde, könne der Ortsbeirat immer noch Stühle kaufen.

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