+
Mülleimer schauen dich an.

Abfallentsorgung à la FDP

Plemplem? FDP will Frankfurter Mülleimer ins Internet stellen

  • schließen

Die FDP will sämtliche Abfallkübel der ganzen Stadt digitalisieren, damit es mit der Leerung besser klappt. Ob das sinnvoll ist?

Es klingt erst mal faszinierend. Oder klingt es völlig plemplem? Die FDP möchte „sämtliche öffentlichen Abfalleimer sowie Glascontainer“ mit einem Sensor ausstatten lassen, „der den genauen Füllstand digital erfasst und dadurch die optimale Leerung ermöglicht“. So steht es im Antrag an die Stadtverordneten.

Sämtliche? Geht das? Müllentsorgerin FES sagt nicht direkt nein, aber auch nicht ja. „Wir stehen dem großen Wurf reserviert gegenüber“, sagt Sprecher Stefan Röttele. In Frankfurt werde durchaus über Tests im gewissen Rahmen nachgedacht, aber nur für die großen gusseisernen Eimer in der City. Bei den kleinen, so Röttele, liege der Verdacht nahe, dass sich das Verfahren als wenig effizient erweise. „Sollen wir zum Leeren kommen, wenn der kleine Eimer halb voll ist?“

7400 Mülleimer von der FES

Jetzt die interessante Zahl: 7400. So viele Mülleimer hat allein die FES in der Stadt. Hinzu kommen jene des Grünflächenamts, der Verkehrsgesellschaft Frankfurt und der Deutschen Bahn. Und die Glascontainer. Die sollen alle einen Sensor kriegen?

Karlsruhe und Heidelberg hätten das System doch schon eingeführt, schreibt die FDP im Antrag. „Smart Waste“ heißt es. Die Freidemokraten spekulieren auf CO2-Einsparungen und weniger überquellende Mülleimer.

Nicht ganz zu Unrecht, sagt Sebastian Warkentin, Geschäftsführer der städtischen Heidelberger Digital-Agentur, im Gespräch mit der FR. Wenn es gelinge, die Touren der Müllabfuhr zu optimieren, werde das sicher positive Auswirkungen auf den Straßenverkehr und damit auf den CO2-Ausstoß haben. Allerdings ist Heidelberg weit davon entfernt, das System flächendeckend eingeführt zu haben. „Wir haben bisher zehn Glascontainer ausgestattet, die besonders schwer zu erreichen sind“, sagt Warkentin, außerdem Silos fürs Streusalz. Als Nächstes seien Kleidercontainer an der Reihe, „alles noch sehr pilothaft“. Wichtig seien vor allem Diebstahlsicherheit und Robustheit der Sensoren (müssen etwa dem Strahl eines Hochdruckreinigers standhalten), und dann war da noch die Sache mit dem Wespennest, das in Heidelberg den Empfang der Füllstandsdaten beeinträchtigte.

Die FDP hat gerade mal eine Idee

Hier die nächste interessante Zahl: Ein Sensor koste 50 bis 150 Euro, sagt Warkentin. Nehmen wir die Mitte (100 Euro) mal 7400 – macht eine Dreiviertelmillion für die Sensoren plus Sendemasten (in Heidelberg rund 50 000 Euro für acht Stück) und die digitale Plattform fürs Internet der Dinge (10 000 Euro Lizenzgebühr pro Jahr). Denkbar, sagt Warkentin, dass es die Sensoren günstiger gibt, wenn man gleich 7400 nimmt. Plus jene für Bahn, VGF und Grünflächenamt.

„Ich hab’ da mal ’ne Idee gehabt“, sagt FDP-Parlamentarier Michael Bross, „und keine Vorstellung, was es konkret kostet.“ Ihm gehe es besonders um die Glascontainer, sagt er, „mal quellen sie über, anderswo sind sie leer“, und um die Stellen, an denen viel Müll anfällt. „Ich denke, wir sollten die Chancen nutzen, die die Technik bietet.“

Wenn man FES und Heidelberg dazu hört ... vielleicht müssen es ja doch nicht sämtliche Mülleimer der ganzen Stadt sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare