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Fastnacht in Hessen: Konfetti virtuell

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Von: Meike Kolodziejczyk

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Gar nicht so einfach, in diesen Tagen in Fastnachtsstimmung zu kommen. Foto: Michael Schick
Gar nicht so einfach, in diesen Tagen in Fastnachtsstimmung zu kommen. © Michael Schick

Auch im zweiten Corona-Winter spielt sich die Fastnacht in der Region weitgehend online und im kleinen Kreis ab. In manchen Gegenden machen die Schulen drei Tage dicht.

Manche mögen es nicht bemerkt, völlig vergessen oder verdrängt haben: Wir steuern auf den Höhepunkt der Fastnacht zu. Doch leider werden sich die tollen Tage auch im zweiten Viruswinter wieder weniger dolle gestalten. Wegen Corona wurden die Fastnachtsumzüge schon vor Monaten samt und sonders abgesagt, Narren und Närrinnen feiern nun vereinsintern im kleinen Kreis, Jecken schwingen sich online in die Bütt, statt Sitzungen gibt es „Streamungen“, „Couchungen“ und ähnliche Irrungen. Via Internet wird ins Wohnzimmer gezerrt, was sonst aus gutem Grund auf der Straße oder in großen Hallen tobt.

Maskenball im Lockdown war gestern, heuer ist die Lage zwar anders als im Februar 2021 – aber trotzdem kaum Fasching. Ironie der Pandemie: Ausgerechnet in diesem Jahr machen die Schulen vielerorts im Rhein-Main-Gebiet zur Feier der Fastnacht gleich drei Tage dicht, Aschermittwoch inklusive. Das ist besonders witzig für Eltern, die das bislang noch nicht mitbekommen haben.

Etwas ungerecht ist dagegen, dass nicht überall eine gute halbe Woche schulfrei ist, da die beweglichen Ferientage je nach Schulamtsbezirk unterschiedlich verteilt sind. So dürfen Schüler:innen in der Wetterau, im Hochtaunuskreis, in Darmstadt und im Kreis Darmstadt-Dieburg am Montag, Dienstag und Mittwoch zu Hause bleiben, andere nur an zwei Tagen, etwa in den Kreisen Main-Kinzig, Main-Taunus und Groß-Gerau, in Wiesbaden und in Stadt und Kreis Offenbach. Wie eine Enklave mittendrin liegt Frankfurt, wo der Unterricht nur am Rosenmontag pausiert.

Karikierte Motivwagen

Ob frei oder nicht: Was tun an Fastnacht? Virtuell Party und Polonaise machen? In Maskerade auf dem Sofa hocken? Dem Bildschirm ein donnerndes „Helau“ zubrüllen? Mit Luftschlangen am Kronleuchter, Konfetti im Aquarium und Kreppelkrümeln auf Tastatur und Touchscreen? Narrhallamarsch, tuftä-tuftä. Wer kann so was jetzt noch wollen? Oder ernsthaft lustig finden? Eine Saison Trockenübungen zu Hause mag ja noch den Reiz eines zeitgeistkonformen Intermezzos versprühen. Doch was in der ersten Corona-Kampagne zu Recht als Ausdruck von Kreativität, Humor und Improvisationstalent gelobt wurde, droht in der Wiederaufnahme zum eher trostlosen Trauerspiel zu werden. Nichtdestotrotz und ohne Spott: Respekt, wer die Narrenkappe auch weiterhin aufbehält, dazu braucht es eine ordentliche Portion Idealismus. Und Ideen für ein erneutes Ersatzprogramm, um die Stimmung nicht komplett verseuchen zu lassen.

Im regionalen Epizentrum der Fastnacht in Mainz hat der Carneval-Verein aus den ungebauten Umzugswagen eine Ausstellung kreiert. Unter dem Motto „Ausgefallen – Galerie der Motivwagen 2022“ wird im Einkaufsquartier Lu in der Innenstadt auf einer rund 50 Meter langen Plakatwand präsentiert, was an Rosenmontag in 3-D hätte durch die Gassen rollen sollen. Michael Apitz, bekannt unter anderem als Zeichner der Eintracht-Frankfurt-Comics, hat die Entwürfe als Karikaturen verewigt.

In Flörsheim ruft der Narren Club für Sonntag auf zur Fotorallye: Bewohner:innen sollen kostümiert Selfies machen und einschicken. Unter dem Titel „Ich male einen Fastnachtszug“ hat der Große Rat der Frankfurter Karnevalsvereine unlängst einen Wettbewerb für Kinder gestartet und präsentiert dessen Ausgang online – neben weiteren Videos. Auch wenn wir des Streamens langsam müde sind: Ein Blick auf die Homepages der Vereine lohnt sich mitunter.

Und schließlich hindern die geltenden Corona-Regeln nicht daran, kostümiert auf der Straße oder in der Kneipe zu feiern. Aber Obacht: Sogenannte Querdenker:innen versuchen, die Fastnacht für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, sie haben gar eigene Demos und Umzüge angemeldet, zum Beispiel in Mainz, Limburg oder Fulda. Die jeweiligen Fastnachtsvereine haben derlei Aktionen verurteilt und sich klar distanziert, so die Mainzer Fastnachtsgenossenschaft auf Facebook: „Rosenmontag ist unser höchster närrischer Feiertag und steht ganz im Zeichen des Brauchtums.“

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