Eschersheim

Mit der Farbrolle nach Ruanda

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Malermeisterin Maren Ottens engagierte sich in einem Rehabilitationszentrum in Ruanda. Beim Projekt „Geselle trifft Gazelle“ werden einmal im Jahr Maler und Lackierer nach Ostafrika geschickt.

Farbe, die kaum deckt, Studenten, die noch nie einen Pinsel in der Hand hatten, und zum Abendessen nur Reis und Kartoffeln – was klingt, wie ein schlechter Scherz für einen Maler, war für Maren Ottens eine der schönsten Erfahrungen ihres Lebens. Zehn Tage war die Malermeisterin aus Eschersheim in Ruanda, um in einem Rehabilitationszentrum für körperlich behinderte Kinder mit ihrer Fachkenntnis zu helfen.

„Geselle trifft Gazelle“ heißt das Projekt, das mit der Unterstützung des Partnerschaftsvereins Rheinland-Pfalz / Ruanda einmal im Jahr zehn Maler und Lackierer nach Ostafrika schickt. „Normalerweise ist die Reise eine Belohnung für Auszubildende oder Gesellen, ich war aber schon Meisterin“, sagt die 25-Jährige. Doch sie hatte Glück: In diesem Jahr gab es nur wenige Anmeldungen.

„Die ersten zwei Tage in der Hauptstadt Kigali waren Luxus“, berichtet Ottens: Ausflüge, Sightseeing, eine Unterkunft im Diplomatenviertel. Als es danach ins Land hinaus zum Rehabilitationszentrum Gatagara ging, sah das schon ganz anders aus. „Es war schlimm, die leidenden Kinder zu sehen. Ein Kind hatte sich zum Beispiel einen Splitter eingefangen und bekam gleich den ganzen Fuß amputiert.“

Werkzeug im Gepäck dabei

Die Aufgabe der zehn Maler und Lackierer aus Deutschland war es, vier Klassenräumen einen neuen Anstrich zu verleihen. Das nötige Werkzeug brachten sie sich mit: „So etwas gibt es dort nicht“, sagt die Malermeisterin. „Man kann froh sein, wenn man eine Rolle Klebeband auf dem Schwarzmarkt bekommt.“ Jeder der deutschen Maler habe dann einen Studenten vom College zugewiesen bekommen – einen sogenannten Buddy.

Diese studierten „Finishing Work“, erklärt Ottens: „Das ist alles, was zum Schluss in den Rohbau geht.“ Das Problem: Die Schulen können sich die Werkzeuge und Materialien für die praktische Arbeit nicht leisten. Und so habe keiner der zehn Studenten jemals Pinsel oder Farbrolle in der Hand gehabt. Dafür habe es aber erstaunlich gut geklappt.

Die Bedingungen seien hart gewesen – schlecht deckende Farbe und aufgeschnittene Reissäcke als Abdeckplane seien da nur einige Beispiele. Für Maren Ottens war das aber kein Problem: „Das ist einfach der Spirit dort, man arrangiert sich mit dem, was man hat.“

Untergebracht waren die Besucher im Kloster, das zur Anlage gehört. Dort wurden sie bekocht: „Oft gab es Reis und Kartoffeln, eben alles, was satt macht.“ Das Highlight der Reise, die komplett von Sponsoren finanziert wird, war für die Eschersheimerin ein Besuch im nahegelegenen Nationalpark: „Dort haben wir Giraffen, Zebras und sogar Löwen gesehen. So etwas zu erleben war schon immer mein Traum.“ Alleine der Weg dorthin habe sie beeindruckt. Ruanda habe eine wunderschöne exotische Landschaft und werde nicht umsonst Land der 1000 Hügel genannt.

Von der zehntägigen Reise nahm Maren Ottens vor allem eines mit: „Man lernt, den deutschen Standard nicht für normal zu halten. Die Menschen dort haben es viel schwerer. Selbst Nahrung und Wasser sind für sie nicht selbstverständlich. Aber trotzdem haben sie einen viel fröhlicheren Lebenswillen.“ Das habe sie zwar schon vorher gewusst. „Aber es mitzuerleben, ist eben doch etwas ganz anderes.“

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