+
Ist auf die mobile Kinderkrankenpflege angewiesen: Stephanie Topp-Schimanski mit den Zwillingen Helena und Vinzent.

Hilfe

Diakonie in Frankfurt: Familienleben ermöglichen - seit 40 Jahren

  • schließen

Die Mobile Kinderkrankenpflege der Diakonie unterstützt seit 40 Jahren Familien mit chronisch und schwerstkranken Kindern.

Vinzent und seine Schwester Helena haben schon sehr viel Zeit in Krankenhäusern verbringen müssen. „Wir haben sicher schon 300 stationäre Tage hinter uns“, schätzt Stephanie Topp-Schimanski, die Mutter der sechsjährigen Zwillinge, die mit der Erbkrankheit Mukoviszidose auf die Welt kamen. Dass die Familie nicht noch öfter in die Klinik muss, das habe sie der Mobilen Kinderkrankenpflege zu verdanken, sagt Topp-Schimanski am Donnerstag im Holzhausenschlösschen, wo das ambulante Angebot der Diakonie sein 40-jähriges Bestehen feierte.

Insbesondere Vinzent ist auf regelmäßige Krankenpfllege angewiesen. In einem Koffer mit Aufdruck des beliebten Cartoon-Autos „Lightning McQueen“ zieht der angehende Erstklässler eine flüssige Nährlösung mit sich umher, die ihn 16 Stunden am Tag über einen Katheter mit lebensnotwendigen Nährstoffen versorgt. Denn bedingt durch seine chronische Erkrankung hat er auch noch ein Ultrakurzdarmsyndrom. Rund vier Mal wöchentlich, in Zeiten akuter Infektionen auch häufiger, kommt deshalb eine Mitarbeiterin der Mobilen Kinderkrankenpflege bei Familie Topp-Schimanski vorbei, um etwa Verbände oder Katheter zu wechseln.

Vier examinierte Kinderkrankenpflegerinnen sind es derzeit, die Frankfurter Familien bei der häuslichen Pflege ihrer behinderten, chronisch oder schwerstkranken Kinder unterstützen, erzählt die Pflegedienstleiterin Ines Grün. Gemeinsam betreuen sie rund 18 Familien, viele weitere müssten abgewiesen werden. Um den Bedarf zu decken bräuchte sie locker die doppelte Zahl an Fachkräften, schätzt Grün. Dann könnte ihr Team auch wieder Entlastungspflege anbieten, um Müttern und Vätern stundenweise Auszeiten zu ermöglichen, oder mehr Kinder mit Diabetes in Kitas und Schulen versorgen, damit deren Eltern nicht täglich in die Einrichtungen eilen müssen, um den Blutzucker ihrer Kinder zu messen und Insulin zu spritzen.

Aber der Pflegenotstand erschwert es auch Grün, qualifiziertes Personal zu finden. Und Michael Frase, Leiter des Diakonischen Werks Frankfurt und Offenbach, benennt einen weiteren Missstand: die unzureichende Finanzierung. Während Klinikaufenthalte der Kinder von den Krankenkassen erstattet würden, werde von den gut 300 000 Euro, die die Mobile Kinderkrankenpflege die Diakonie jährlich kostet, nur etwa ein Drittel von den Versicherungen bezahlt Die Stadt gibt weitere 62 500 Euro, die Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung 96 000 Euro, der Rest sind Spenden und Eigenanteil der Diakonie. Nur diese Mittel machten es möglich, die für betroffene Familien existenzielle Versorgung kostenlos anbieten zu können.

„Es gibt mir Sicherheit, dass ich immer jemanden anrufen kann“, sagt Magdalena Paul, deren ältere Tochter Amalia aufgrund einer angeborenen Gehirnfehlbildung in ihrer Entwicklung verzögert ist, an Epilepsie und vielen Infekten leidet. Ein Intensivpflegedienst ohne examinierte Kräfte unterstützt die Familie in der Nacht, zusätzlich kommt zweimal täglich eine Schwester aus Grüns Team vorbei. „Alles was ich darüber weiß, wie ich mit meiner Tochter umgehen muss, wenn es ihr nicht gut geht, weiß ich von der mobilen Kinderkrankenpflege. Ein normales Leben zuhause geht nur, weil sie uns unterstützt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare