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Familien-Expertin sagt: „In Frankfurt muss man die Spielplätze suchen“

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Von: Peter Hanack

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Es gibt schöne Spielplätze in Frankfurt, aber man muss sie kennen und finden. Rolf Oeser
Es gibt schöne Spielplätze in Frankfurt, aber man muss sie kennen und finden. Rolf Oeser © Rolf Oeser

Die Familienberaterin Senka Turk spricht über fehlende Betreuungsplätze, die Wohnungsnot und darüber, wie familienfreundlich Frankfurt dann noch ist.

Frau Turk, wie familienfreundlich ist Frankfurt?

Ich würde sagen, es ist familienfreundlicher, als es auf den ersten Blick aussehen mag.

Sie haben beruflich sehr viel mit Familien zu tun, die hier ankommen. Ziehen viele bewusst gerade auch mit ihren Kindern in die Stadt oder tun sie das eher, weil sie wegen der Arbeit hierherkommen müssen?

Viele, mit denen wir im Internationalen Familienzentrum arbeiten, haben familiäre Bezüge nach Frankfurt und kommen deshalb. Sicherlich gibt es auch andere, die wegen der Arbeit hierher ziehen.

Sie haben gesagt, Frankfurt ist familienfreundlicher, als es auf den ersten Blick scheint. Beim Wohnen gilt das wahrscheinlich nicht, da ist Frankfurt doch eher ein schwieriges Pflaster.

Und es wird immer schwieriger. Das merken wir schon sehr, sehr lange. Gerade Familien, die etwas größer sind, finden nichts, was groß genug und dennoch bezahlbar wäre. Ich war viele Jahre im Ostend in der Beratung und der Familienbildung tätig. Damals gab es noch die Großmarkthalle, die Entscheidung für den Bau der Europäischen Zentralbank hat dann alles verändert. Wir haben ganz schnell gesehen, dass es die privat vermieteten, günstigen Wohnungen für niedrige und auch mittlere Einkommen schon bald nicht mehr gab. Alte Menschen und Familien mit vielen Kindern mussten wegziehen, in die Randgebiete, wo auch die Versorgung nicht mehr so gut ist.

Gibt es denn noch günstige Ecken in Frankfurt? Wo auch Menschen mit einem mittleren Einkommen, also etwa Polizist:innen, Krankenpfleger oder die städtische Mitarbeiterin unterkommen?

Ich würde mal schätzen, dass das vielleicht in Fechenheim, in Sossenheim oder Bonames möglich ist, Nied geht vielleicht auch noch. Inzwischen scheint mir, dass selbst Rödelheim schwierig wird, wenn man noch günstig wohnen will oder muss. Wir merken das ja als Arbeitgeber selbst, wenn es um die Mitarbeitergewinnung geht. Da ist klar, dass wir kaum jemanden finden, der vielleicht in Teilzeit arbeiten möchte, aber in Frankfurt einfach keine Wohnung bezahlen kann.

FR Serie Meine Stadt

Wie lebt es sich in Frankfurt? Dieser Frage geht die FR in der Serie „Frankfurt – meine Stadt“ bis zum 3. Dezember nach. Zu Wort kommen junge und alte Menschen, Familien und Geringverdienende. In Interviews, Porträts und Reportagen zeichnen wir ein Bild ihrer Stadt.

In dieser Woche widmen wir uns den Familien. Finden sie noch bezahlbaren Wohnraum? Bietet die Stadt genügend attraktive Freizeitmöglichkeiten?

Wie ist es sonst in Frankfurt um die Familienfreundlichkeit bestellt? Ich denke da an Schulen und Betreuungsangebote für Kinder. Finden Familien da ein gutes Umfeld vor?

Es gibt ein riesiges Problem damit, einen Kindergartenplatz zu finden. Ähnlich ist es mit einem Hortplatz. Viele Familien kommen auch nicht mit dem Frankfurter Kindernet zurecht, diesem digitalen System, um den Bedarf anzumelden. Viele wissen nicht, wie man damit umgeht, dass man die Anmeldung verlängern muss und anderes mehr. Es gibt bei der Stadt allerdings schon ein Bewusstsein dafür, dass mehr Betreuungsplätze gebraucht werden. Ich bin aber sehr skeptisch, wie man da einen Ausbau angesichts des Fachkräftemangels schaffen will.

Wie sieht es mit Spielplätzen oder Bolzplätzen aus?

Das ist sehr vom Stadtteil abhängig. Im Nordend gibt es ja den schönen Günthersburgpark, der hat einen Spielplatz, aber der ist oft sehr überfüllt. Es gibt auch Spielplätze und schöne kleine Grünflächen, die findet man gar nicht so einfach, zumal wenn man neu in der Stadt ist. Es ist eine Dienstleistung der Familienbildung, Stadtteilspaziergänge zu machen, um diesen zu erkunden und die geeigneten Orte zu finden. Insgesamt ist das Angebot sicher nicht ausreichend. Auch für Jugendliche könnte es sicher ein paar mehr Treffpunkte geben.

Finden Familien mit kleinen Kindern in der Stadt genug Plätze, wo man ein Kind stillen oder wickeln könnte, etwa wenn man einkaufen ist oder am Main spazieren geht?

Nein, definitiv nicht. Das ist ein großes Problem. Man sucht wirklich solche Orte, wo das möglich ist. Manchmal findet man ein familienfreundliches Café, aber insgesamt ist Frankfurt in dieser Hinsicht sicherlich nicht besonders familienfreundlich. Das gilt auch für die Zugänge zu den Bahnen. Da wurde zwar in Barrierefreiheit investiert, aber von einer Kollegin, die jetzt ein Kind bekommen hat, weiß ich, dass sie große Umwege machen muss, um mit dem Kinderwagen irgendwohin zu kommen, weil es längst nicht überall einen Aufzug gibt. Da hinkt die Infrastruktur erheblich hinterher.

Interview: Peter Hanack

Senka Turk (54) ist Bereichsleiterin „Migration und Familie“ im Internationalen Familienzentrum Frankfurt. Sie hat in Frankfurt Sozialpädagogik studiert und 1996, noch während ihres Studiums, beim Familienzentrum angefangen. Turk ist Exzellenzberaterin und wohnt im Frankfurter Nordend.
Senka Turk (54) ist Bereichsleiterin „Migration und Familie“ im Internationalen Familienzentrum Frankfurt. Sie hat in Frankfurt Sozialpädagogik studiert und 1996, noch während ihres Studiums, beim Familienzentrum angefangen. Turk ist Exzellenzberaterin und wohnt im Frankfurter Nordend. © Renate Hoyer

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