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Die Familie wieder vereint

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Von: Kathrin Rosendorff

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Starb 2001: FR-Mitbegründer und Herausgeber Emil Carlebach.
Starb 2001: FR-Mitbegründer und Herausgeber Emil Carlebach. © Privat

Zwei Stolpersteine erinnern jetzt in Frankfurt auch an Emil Carlebach, Mitherausgeber der Frankfurter Rundschau, und seine Schwester Liesel. Sie sind jetzt mit ihren Eltern vereint.

Im KZ Buchenwald trifft Emil Carlebach seinen Vater wieder. Emil Carlebach ist hier, weil er Untergrundzeitungen verbreitet hatte. Das ist im Jahr 1938. „Hast du es wirklich nötig gehabt, hierher zu kommen?“, fragt Moritz Carlebach, der während der Novemberpogrome hierher verschleppt worden ist.

„Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn war schon lange schwierig gewesen“, erzählt Lena Sarah. Die 27-jährige Psychologiestudentin ist Emil Carlebachs Enkelin. Sie ist gerührt und glücklich, weil am Freitag ihrem Großvater, dem Mitbegründer und Mitherausgeber der Frankfurter Rundschau, und dessen Schwester Liesel Carlebach jeweils ein Stolperstein in der Gaußstraße 16 gewidmet wird. Diese finden direkt neben den bereits 2010 verlegten Stolpersteine der Eltern Platz: Moritz und Sophie Carlebach. Sophie wurde deportiert und ermordet. Der Vater wurde freigelassen, starb aber 1939 an den Folgen der Haft.

Dass sein Sohn sich den Kommunisten angeschlossen hatte, konnte Moritz Carlebach nicht verstehen. Denn Emil Carlebach kam aus einer angesehenen jüdischen Familie. Bereits 1931 trat er dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands bei. 1934 wurde er zum ersten Mal wegen Verbreitung von Untergrundzeitungen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, die er größtenteils im Zuchthaus Hameln absitzen musste.

Nach der Befreiung aus dem KZ Buchenwald 1945 gehörte er zu den Mitautoren der Verfassung des neuen Landes Hessen und war Mitbegründer der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Im gleichen Jahr wurde er Mitbegründer und Mitherausgeber der Frankfurter Rundschau. Zwei Jahre später wurde er auf Betreiben der US-Militärbehörde seines Amts enthoben. „Weil er Kommunist war“, sagt seine Enkelin. Nach dem Verbot der KPD floh er in die DDR. 1969 kehrte er zurück, starb 2001 in Frankfurt.

„Ich finde es schön, dass die Familie wieder vereint ist“, sagt seine Enkelin. Ihre Großtante Liesel ist mittlerweile 92 Jahre alt und lebt in Kalifornien. Sie überlebte, weil sie 1939 mit einem der letzten Kindertransporte nach England fliehen konnte. Die Reise wäre zu anstrengend gewesen. „Ich werde ihr heute Abend aber alles am Telefon berichten“, sagt Lena Sarah.

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