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Besucher stöbern auf dem Weihnachtsmarkt an der Ladenzeile am Ben-Gurion-Ring.

Bonames/ Nieder-Eschbach

Familiär feiern

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Der Weihnachtsmarkt am Bügel soll die Bewohner zusammenbringen.

Als die jüngsten Besucher kommen, wird es richtig lebhaft. Am Donnerstagnachmittag spazieren rund 50 Kindergarten- und Hortkinder des Familienzentrums am Bügel gemeinsam mit ihren Betreuern auf den Weihnachtsmarkt vor der Ladenzeile im Ben-Gurion-Ring. Und sie mischen gleich fleißig mit: Wenige Momente nach Ankunft sind einige von ihnen bereits in Wichtel-, Weihnachtsmann- und Tierkostüme gehüllt, um den anderen Besuchern ein Weihnachts-Theaterstück vorzuspielen. Drollig sehen die etwa Vier- bis Fünfjährigen aus, verkleidet als Bären, Hasen und Mäuse. Dabei fällt es weniger ins Gewicht, dass ihre Texte – obwohl durch ein Mikrofon gesprochen – kaum zu verstehen sind. Andere Mädchen und Jungen sitzen mit gelben Warnwesten vor der Bäckerei, schwingen Nudelhölzer, naschen Teig und stechen Plätzchen aus.

Seit rund 30 Jahren werde der Weihnachtsmarkt vor dem zweigeschossigen Flachdachbau mit Geschäften wie Apotheke, Änderungsschneiderei und Modeboutique veranstaltet, berichtet Regina Gendrau von der Bürgerinitiative am Bügel, die den eintägigen Markt mitorganisiert hat. Es gehe darum, „insbesondere über die Kinder ein Gemeinschaftsgefühl für die Mieter“ in der Hochhaussiedlung mit den grauen Waschbetonfassaden zu erzeugen. „Wie das Sommerfest ist der Weihnachtsmarkt ein kleines Highlight im Kiez“, sagt Gendrau.

Veranstaltet wird der Markt von den Einzelhändlern der Laden-Galerie, die Stände mit Kleidung, Essen und Trinken vor ihren Schaufenstern aufgebaut haben. Daneben sind weitere Akteure aus dem Stadtteil dabei, wie die Evangelische Barnabas-Gemeinde, die Weihnachtskrippen und -deko verkauft, das örtliche Quartiersmanagement, vor dessen Büro Gegrilltes angeboten wird, sowie das Jugendhaus und der Mädchentreff der Evangelischen Jugendsozialarbeit mit einem Stand.

Dort lassen sich Bella und Nezmije von Sozialarbeiterinnen ihre Fingernägel zweifarbig lackieren. Auch die beiden Mädchen machen aktiv mit bei dem Markt. Sie würden später noch Tänze zu weihnachtlicher Musik vorführen, berichten sie. Die „tolle Deko“ gefalle ihr besonders, sagt die zehnjährige Bella und zeigt auf die weihnachtliche Beleuchtung über den Schaufenstern. „Ich fühle mich sehr wohl, weil es so weihnachtlich ist“, sagt die ein Jahr ältere Nezmije und weiter: „Mein Herz öffnet sich.“ Der Markt sei „etwas Schönes, weil er Menschen zusammenbringt“. Gut finde sie auch, dass Essen und Trinken nicht so teuer seien. 1,50 Euro für Crêpes gebe es woanders wohl kaum.

Beate und Gert Löwenstein sind aus Bockenheim vorbeigekommen, weil in der Ladenzeile ihr Optiker ist. Die neuen Brillen seien noch nicht fertig. Dafür hat sich das Paar einen frisch gepressten Orangensaft vor dem Geschäft gegönnt. Als „klein, fein, familiär“, beschreibt die 61-Jährige den Weihnachtsmarkt. Von dem Treiben profitierten „Geschäftsleute und Bewohner“ des Viertels gleichermaßen, die so merkten „hier passiert was für uns“, sagt er. Etwas mehr feierliche Beleuchtung hätte sich der 65-Jährige aber gewünscht.

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