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Zeitzeuge Karl Heck und andere erinnern sich an die Amerikaner, die auf dem Areal In der Römerstadt 126-134 stationiert waren. Die Brache soll neu bebaut werden. 

Heddernheim

Mit Fallschirmen gelandet

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Vier Zeitzeugen erinnern sich an die amerikanische Besatzungszeit in der Römerstadt. Die GIs schenkten den Kindern Süßigkeiten, betrieben gar eine frühe Form der Jugendarbeit.

Karl Heck erinnert sich genau: „Da waren ganz viele Fallschirme am Himmel.“ Gelandet sind die amerikanischen Fallschirmjäger Ende März 1945 auf dem Gelände der ehemaligen Firma Hartmann und Braun. „Später sind sie hier durch die Straße In der Römerstadt marschiert.“ Der damals vierjährige Heck sieht an diesem Tag zum ersten Mal Menschen mit dunkler Hautfarbe und hat vor allem Angst. Norbert Richter, damals sechs Jahre alt, ergänzt: „Ich schwankte im Kontakt immer wieder zwischen Angst und Zutrauen.“

Auf dem eingezäunten Gelände In der Römerstadt 126-134, zwischen hohen Bäumen und wuchernden Sträuchern versteckt, steht heute noch eine von drei Stein-Baracken aus der Besatzungszeit. An der Hausfassade ist die amerikanische Hausnummer 1811 deutlich zu lesen. Die Ernst-May-Siedlung und das offene Feld oberhalb der Straße wurden zum militärischen Sperrgebiet und eingezäunt.

Von 1946 bis 1947 wurden auf dem freien Feld drei „Messehallen“ errichtet. Ein viertes Gebäude, eine Küchenbaracke, entstand am Bubeloch an der Nidda. In den Gebäuden waren eine Kantine, ein Einkaufsladen, ein Frisör und ein Möbellager untergebracht. Bis in die 1990er-Jahre diente eines der Gebäude den Amerikanern noch als Filmlager. Die Bewohner der Römerstadtsiedlung mussten die Wohnungen und Häuser für die Soldaten und ihre Angehörigen räumen. Auch die Mitarbeiter des Zwei-Zonen-Wirtschaftsrates bekamen Im Burgfeld 237-239 Wohnungen. Nachdem Bonn und nicht Frankfurt Hauptstadt geworden ist, seien die „Bi-Zonale“, wie Heck sie nennt, bis 1950 alle weggezogen.

Die vier Kriegskinder erinnern sich gerne an die Besatzungszeit und erzählen von freundlichen Soldaten, die immer gut zu den Kindern waren. Von geschenkten Süßigkeiten, Apfelsinen, Donuts und Kakao und sogar von Ausflügen.“

Wir sind hinten auf einem amerikanischen Laster gesessen und zur Loreley gefahren“, erinnert sich Günther Nieschalk. Die Amerikaner hätten damals so etwas wie Kinder- und Jugendarbeit betrieben, sagt der 82 jährige. Es gab ein „Treff-Haus“ an der Ecke von Graebestraße und Alt-Praunheim mit einer Bücherei, Schreinerei und einem Spielraum. Dort fanden auch Filmvorführungen statt. „Leider war alles auf Englisch, aber die Filme haben wir uns trotzdem angeschaut.“

Der Weg zur Schule war weit und führte oberhalb des Sperrgebietes über das Feld nach Heddernheim. „Neben meinem Schulranzen hatte ich einen Essenstender dabei, weil es eine Schulspeisung durch die Amerikaner gab“, erzählt Brigitte Kummert. Die erste Weihnachtsfeier ist ihr unvergessen. „Ich habe zum ersten Mal einen Nikolaus gesehen mit rotem Kostüm und weißem Rauschebart,“ sagt sie.

Und es gab für jeden ein Säckchen mit Süßigkeiten. Die Kinder bekamen aber auch Geschenke von den Soldaten, die ihnen fremd waren. „Mit den ovalen Bällen zum Football spielen und mit Baseballschlägern konnten wir nichts anfangen“, erzählt Norbert Richter und lacht.

Doch auch die Kinder durften nicht auf das Militärgelände. „Natürlich waren wir neugierig und wollten wissen, was in den Gebäuden ist, konnten aber nichts sehen oder erkennen“, sagt Richter. Nur die Personen, die für die Amerikaner gearbeitet haben, hatten Zutritt. Die haben immer wieder Sachen hinaus geschmuggelt und getauscht, erinnern sich die drei Herren. „Bei uns hier vor dem Haus standen abends bis zu 50 Leute rum um Tauschhandel zu betreiben“, sagt Heck.

1956 sind die letzten amerikanischen Bewohner aus der Römersiedlung ausgezogen. Ein Teil ist in die Heimat zurückgekehrt, andere nach Ginnheim umgezogen. „Meine Mutter hatte guten Kontakt zu zwei Soldatenfrauen, die wieder in die USA zurückgegangen sind“, erzählt Nieschalk. Den Kontakt habe sie noch viele Jahre per Post aufrechterhalten.

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