Justiz

Frankfurt: Falk-Prozess mit Hulk-Manieren

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Im Hochsicherheitssaal gibt es bei der Vernehmung des Hauptbelastungszeugen ordentlich Stimmung.

Kurz vor Mittag geht es im Hochsicherheitssaal des Landgerichts zu wie auf dem Fischmarkt: Sämtliche Prozessbeteiligte brüllen sich gegenseitig an. Der Verhandlungstag gegen den Hamburger Millionenerben und Geschäftsmann Alexander Falk bietet aber auch jede Menge Zunder.

Da ist zum einen die Vernehmung des Hauptbelastungszeugen Etem E., einer massiven Figur aus der Hamburger Halbwelt, der als Beruf „Fahrer“ angibt. Der Mann war es, der der Polizei gesteckt hatte, dass es Falk gewesen sei, der den Auftrag zum Mord an einem Frankfurter Rechtsanwalt gegeben habe, der Falk in einem Zivilprozess etliche Millionen Euro gekostet hatte. Mittlerweile geht aber auch die Kammer eher von einer Anstiftung zur schweren Körperverletzung aus, denn dem Anwalt war damals vor seinem Wohnhaus aus nächster Nähe ins Bein geschossen worden, und E. und seine bisher vor Gericht erschienenen „Cousins“ machen nicht den Eindruck, als ob sie danebenschössen, wenn sie dafür bezahlt werden.

E. wiederholt seine Anschuldigung, dass Falk in einem Steakhaus im Beisein von Serhad Y. und ihm den Gebrüdern B. den Auftrag zum Mord an dem Anwalt gegeben und dafür 50 000 Euro gezahlt habe – weitere 150 000 hätten im Erfolgsfall draufgelegt werden sollen. Allerdings habe Falk eine lediglich schwere Verletzung nicht als Erfolg gewertet – obwohl, wie Aufnahmen belegen, er sich diebisch über die Schüsse auf den Anwalt gefreut hatte.

Aussage zurückgezogen

Serhad Y., der andere Belastungszeuge, hatte am vergangenen Verhandlungstag seine ursprüngliche Aussage als frei erfunden bezeichnet und zurückgezogen. Mittlerweile hat er Etem E. wegen Bedrohung angezeigt: Dieser habe ihm gedroht, er und seine „Cousins“ würden ihn „ficken“ falls er „auspacke“.

Auch Falks Verteidiger haben jemand angezeigt, nämlich den Polizisten, der die Untersuchung gegen Falk leitete – wegen Unterschlagung und Verschleierung von Akten und Fakten. Der habe nämlich E.s eindrucksvolle Präsenz in der organisierten Kriminalität verschwiegen und den Gangster als seriösen Kronzeugen präsentiert. Der Polizist ist für den morgigen Verhandlungstag als Zeuge geladen.

Die Stimmung ist also gereizt, und Falks Verteidiger heizen sie weiter auf mit einem Hagel von Verzögerungsanträgen, die im Laufe des Vormittags zunehmend fragwürdiger und ärgerlicher werden. Als einer der Verteidiger mal wieder E.s Zeugenbeistand anblökt, weil der seinem Schützling immer wieder souffliert, verliert selbst der Vorsitzenden Richter Jörn Immerschmitt seine dalai-lamaeske Langmut und brüllt: „Brüllen Sie doch hier nicht immer so rum!“ und verordnet eine Sitzungspause – die etwa zehnte an diesem Vormittag, aber die erste, die nicht auf das Konto der Verteidigung geht.

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