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Unternehmer Alexander Falk während des Prozesses. 

Gericht

Falk-Prozess in Frankfurt: Vom „Schwein“ sei nie die Rede gewesen

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Im Falk-Prozess revidiert ein Belastungszeuge seine Aussage. Vom „Schwein“ sei keine Rede gewesen. 

Er sage jetzt die Wahrheit, sagt Serhad Y. im Zeugenstand des Landgerichts. Er sage eigentlich immer die Wahrheit, beteuert der 48-Jährige, „außer wenn ich meine Frau betrüge“. Mitunter belügt Y. aber auch die Polizei. Y. ist einer der Belastungszeugen im Prozess gegen den Hamburger Millionenerben Alexander Falk, der angeklagt ist, einem Frankfurter Rechtsanwalt Auftragskiller auf den Hals gehetzt zu haben. Im Januar 2010 schoss dem Anwalt vor dessen Wohnhaus ein Unbekannter ins Bein. Der Jurist, der ein von Falk betrogenes englisches Unternehmen vertreten und Schadensersatz in Millionenhöhe erstritten hatte, überlebte.

Hauptbelastungszeuge Erem E. sagt aus, Falk habe ihn und ein paar Freunde in einem Hamburger Steakhaus zu dem Auftragsmord angestiftet. Der Berufskriminelle war bereits als Zeuge geladen, hatte aber auf Anraten seines Verteidigers die Aussage verweigert. Angeblich will er im November ein zweites Mal erscheinen und dann redseliger sein.

Falk-Prozess in Frankfurt: „Das Schwein muss weg!“

Bislang hatte Y. behauptet, Falk habe in dem Steakhausgespräch eine Halsabschneidegeste gemacht und angedeutet: „Das Schwein muss weg!“. Diese Geste habe es nie gegeben, sagt Y. heute, auch die Schwein-Aussage nicht. Er habe diese Aussage gemacht, weil er sich bei der Vernehmung durch die Polizei unwohl gefühlt habe, erklärt Y. jetzt. Und weil die Polizei ihm für diese Aussage eine gute Bezahlung versprochen, dieses Versprechen aber nie gehalten habe. Und weil Erem E. ihn dermaßen bedroht und bedrängelt habe, er solle Falk belasten, dass er mittlerweile zurück in seine ostanatolische Heimat gezogen sei, wo er seine Ruhe vor E. habe.

Falk-Prozess in Frankfurt: Zeuge habe lediglich Tipps gegeben 

Das mag sogar sein, denn nach Y.s Aussage ist Erem E. nicht nur sein Neffe, sondern stammt aus demselben Dorf wie er und die Gebrüder B., die bei dem Treffen ebenfalls dabei waren. Offenbar leben fast alle Männer dieses Dorfes mittlerweile in Deutschland. Und zwar „von der Behörde“ – gemeint ist wohl das Sozialamt. Das den Geldsegen etwas ungerecht verteilt: Er habe so wenig Stütze bekommen, dass er als „Fahrer“ und „Bodyguard“ für „Cousins“ habe jobben müssen, klagt Y. Andere hätten so viel bekommen, dass sie sich Fahrer und Bodyguards leisten konnten.

Bei dem Gespräch im Steakhaus habe er Falk, damals im offenen Vollzug in der JVA Glasmoor, lediglich ein paar Tipps gegeben, wie man den Knastalltag vergnüglich gestalte. Er habe dort selbst gesessen, weil er einem Schuldner eines seiner „Cousins“ eine Waffe in den Mund gedrückt und durchgeladen habe. Außerdem habe Falk Interesse gehabt, in erfolgversprechende Unternehmen der Gebrüder B. in der Türkei zu investieren: in „Windkraft“ und eine „Firma für intelligente Plastiktüten“. Daraus sei leider nichts geworden. Das wäre wohl auch zu schön, um wahr zu sein.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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