Römerbriefe

Fakten schaffen in Frankfurt

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    Georg Leppert
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Gesucht wird ein neuer Pressechef für die Stadt Frankfurt. Wir wollen und können den Job nicht machen. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert:Bewirbst du dich?

Göpfert:Georg, weißt du eigentlich, wie alt ich bin?

Leppert:Ist ja gut. Ich bewerbe mich auch nicht. Keinesfalls. Will hier nicht weg. Und wir wären dann auch nicht mehr zusammen.

Göpfert:Eben. Wir bleiben ein Team.

So, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik, bevor Sie jetzt denken, Sie erleben gerade den romantischen Moment des Tages, lassen Sie uns klarstellen: Es geht hier um ein ernstes Thema. Es geht um Öffentlichkeitsarbeit, um die Frage, wie die Stadt sich nach außen präsentiert.

Es ist nämlich so: Stefan Jäger, der (sagen wir’s etwas flapsig) zuletzt Pressechef der Stadt war, hat einen neuen Job. Er ist jetzt Referent im OB-Büro. Und bevor jetzt wieder alle Politiker, die nicht der SPD angehören, einen wutroten Kopf und über den immer größer werdenden Hof im Staate des Sonnenkönigs Peter Feldmann fluchen: Ruhig, ganz ruhig, die AfD muss auch keinen Akteneinsichtsausschuss einberufen, es wurde keine neue Stelle geschaffen, Jäger hat einen freien Platz eingenommen, ein anderer Referent ist nun im Planungsdezernat.

An dieser Stelle erst einmal ein Dankeschön an Jäger für die gute Zusammenarbeit (die mit einem von uns Römerbrief-Schreibern womöglich etwas rumpelig begann, aber das gab sich dann ja auch) und die Ausrichtung der Pressefeste, die er übernommen hatte. Jetzt aber zum eigentlichen Thema. Für Jäger wird nun ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gesucht. Seine/ihre Aufgabe: „konzeptionelle Entwicklung und strategische Planung der Presse- und Medienarbeit der Stadt Frankfurt“. Klingt verlockend. Mit Pressemitteilungen lässt sich ja prima Politik machen. Wir könnten einfach Fakten schaffen, wie einst Feldmann, der ohne Stadtverordnetenbeschluss verkündete, die Kindergärtenplätze seien bald kostenlos: Zack, so machen wir’s, wenn die CDU ein Problem damit hat und das verhindern will, kann sie sich ja bei der FR melden – viel Spaß mit den Eltern, die von dem Geld, das sie demnächst sparen, längst Urlaubsreisen gebucht haben.

So ähnlich könnten wir agieren, wenn wir die Pressemitteilungen der Stadt schreiben dürften. Ein paar Beispiele gefällig?

„Löwen spielen ab 2021 in neuer Halle am Kaiserlei!“Na gut, die Verhandlungen über die Arena ziehen sich, aber wenn wir das so schreiben, dann stehen zum Saisonstart 2021 Tausende Eishockeyfans am Kaiserlei. Erhöht den Druck, dass die Halle endlich gebaut wird.

„Schuldezernentin Sylvia Weber: Ab Sommer 2020 darf jedes Kind auf seine (weiterführende) Wunschschule, es wird keine Zuweisungen mehr geben!“Klar, stimmt auch nicht, aber will sich Weber wirklich mit Müttern und Vätern anlegen, die sich von der Stadt gelinkt fühlen? Dann doch lieber noch zwei Container zusätzlich aufstellen.

„Verkehrsdezernent Klaus Oesterling verbietet E-Scooter in Frankfurt!“Rechtlich natürlich nicht machbar. Aber wenn wir das bringen, werden alle genervten Fußgänger und Radfahrer zu Hilfssheriffs, und bald ist Frankfurt rollerfreie Zone.

Wie jetzt? Sie finden, alleine die Gedanken an solche Fake News verbieten sich? Wir dürften die Stellenausschreibung gar nicht ansehen, wenn wir so etwas lustig fänden? Puh, das ist jetzt vielleicht etwas hart. Aber wir wollen ja eh nicht. Wir bleiben nämlich ein Team. Ist das nicht romantisch?

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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