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Am Wochenende war auch der Weihnachtsmann mit an Bord.

Historische Eisenbahn

Fahrt in die Vergangenheit

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Kinder und Erwachsene lieben die Historische Eisenbahn ? besonders an Weihnachten.

Der Zug hat zwar ein paar Minuten Verspätung: Aber von schlechter Stimmung ist am Eisernen Steg keine Spur. Isabelle von Frankenberg ist vier Jahre alt, aufgeregt hüpft sie um ihre Mutter herum. Gleichzeitig ist die Sachsenhäuserin schon bestens für ihre erste Fahrt mit der Historischen Eisenbahn vorbereitet.

Ihre Mutter Lee von Frankenberg, eine gebürtige Australierin, liest ihr nämlich das englische Kinderbuch Thomas & Friends vor, in dem, na klar, eine Dampflok die Hauptrolle spielt. Diese hat ein Gesicht, die echte nicht. Aber das stört Isabelle gar nicht. Denn als sie erfährt, dass der Weihnachtsmann mitfährt, schließlich ist es die Weihnachts-fahrt, weiß sie gar nicht, ob sie hüpfen oder ihre Mutter vor Freude umarmen soll. Eine Stunde dauert die Fahrt, die sie am Main entlang, an der EZB vorbei, durch einen Tunnel bis zum Osthafen und zurück führen wird. 200 Passagiere haben Platz. Sieben Fahrten gibt es an diesem Samstag, genauso viele am Sonntag.

Die historischen Wagen sind Baujahr 1962, die Dampflok sogar aus dem Jahr 1943. Alles ist weihnachtlich geschmückt. Väter stehen mit ihren Söhnen am geöffneten Fenster und schauen hinaus. Auch Uwe Steeger aus Bad Homburg ist im Zug. Der 69-Jährige nennt sich selbst einen „Eisenbahnfan“. Und das schon seit der Kindheit. „Ich habe die Fahrt zum Geburtstag geschenkt bekommen.“ Es ist bereits das vierte Mal, das er mitfährt, aber die erste Weihnachtsfahrt. „Mit so einem historischen Zug zu fahren, macht einfach viel mehr Spaß. Die Dampflok lebt einfach.“ Er selbst hat beim „Rollenden Roland“ auf Rügen vor Jahren den Ehrenlokführerschein gemacht. Heute bleibt er aber nur Fahrgast.

Läuft man von einem in den anderen Waggon, sieht man vor lauter Dampf manchmal nicht allzu viel. In dem Abteil, wo es Postkarten und Bücher – na klar, zum Thema Eisenbahnen – gibt, sind die Holzsitzbänke aus einer Berliner S-Bahn von Anfang der 30er-Jahre. Derweil beginnt Daniel Pranke, die Schaffnermütze ist dem 17-Jährigen noch einen Tick zu groß, die Fahrkarten zu kontrollieren. Viele Gäste kaufen auch erst im Zug eine. „Meine Aufgabe ist es nicht nur, Tickets zu verkaufen, sondern auch zu schauen, dass es den Leuten gut geht.“„Wann fährt der Zug los“, fragt ihn eine Japanerin, die noch vor dem Zug steht. „Jetzt“, sagt er. Sie steigt spontan dazu. Wie alle anderen Mitarbeiter ist auch der Schüler ehrenamtlich im Dienst. „Fünfmal im Jahr bin ich dabei, je nachdem, wie viele Arbeiten in der Schule anstehen“, sagt er. Er habe sich immer für Bahnen interessiert.

„Vor zwei, drei Jahren fing ich an, Dampfloks zu fotografieren, ich habe mir auch mal einen Modelleisenbahn-Verein angeschaut, aber das ist nicht so meine Welt. Schaffner sein ist schon cooler.“ Im Speisewaggon sitzen Alexandra Nowotly und ihr Lebensgefährte Rüdiger Tann bei heißen Würstchen und Kakao zusammen. „Wir sind beide genetisch vorbelastet“, sagt Tann. Und meint damit ihre familienbedingte Affinität für Züge. „Mein Vater und mein Großvater waren beide Lokführer“, erzählt Tann. Das Paar wohnt in Schlüchtern in einem denkmalgeschützten Haus direkt am Bahnhof. Und wo haben sich die beiden kennengelernt, vielleicht ganz romantisch im Zug? „Nein, in der Diskothek“, sagt Tann und lacht.

Auf jeder Fahrt an diesem Wochenende dabei ist Björn Bohländer, erster Vorsitzender der Historischen Eisenbahn. Im eigentlichen Leben ist der 40-Jährige Versicherungsmakler. „Ich habe wie alle Mitarbeiter hier ein Faible für Bahnen.“ Selbst die zum Verein gehörenden drei Lokführer und eine Lokführerin arbeiten auf ehrenamtlicher Basis. „Sie sind auch im normalen Leben Lokführer und machen das noch zusätzlich aus Spaß in ihrer Freizeit.“ Viele der Passagiere seien Stammgäste und reisten auch auf Tagestouren etwa nach Köln oder Hamburg mit.

Luis (8) und Luca (6) sitzen mit ihrem Vater im Abteil und freuen sich über Flummis, die sie sich aus dem Korb des Weihnachtsmanns heraussuchen durften. „Wir machen einen Tagesausflug. Eigentlich leben wir in Karlsruhe“, sagt der 37 Jahre alte Vater, der in Rumänien aufgewachsen ist. „Für meine Kinder ist die Zugfahrt ein aufregendes Erlebnis. Für mich ein bisschen eine Reise in meine Kindheit. Denn in Rumänien gab es damals noch solche alten Züge im Alltagseinsatz.“

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