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„Als Fußstreife macht man nicht so viele Kilometer wie mit dem Rad, und mit dem Auto sieht man einfach weniger, weil man schneller unterwegs ist.“

Verkehrssicherheit

Fahrradstreife für die Frankfurter Innenstadt

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Die Frankfurter Stadtpolizei verstärkt ihre Präsenz im Straßenverkehr mit einer zehnköpfigen Fahrradstaffel. Ein Erfolg des Radentscheids.

Die neongelben Kragen ihrer dicken Warnjacken haben sie hoch bis unter das Kinn zugeknöpft. Acht Männer und eine Frau stehen bei winterlichen Temperaturen aufgereiht an der Alten Oper und präsentieren ihre neuen Dienstfahrzeuge: schwarz lackierte E-Bikes.

Erstmals hat die Stadt Frankfurt eine feste Dienstgruppe geschaffen, die gänzlich als Fahrradstreife arbeitet. In den vergangenen Jahren fuhr die Verkehrspolizei unregelmäßig mit Elektrofahrrädern, sogenannten Pedelecs, Streife im Stadtgebiet. Die Kontrollfahrten mit dem Rad waren nur eine ihrer Aufgaben. Nun hat die Stadt zehn Stellen eigens für die Fahrradstaffel geschaffen und besetzt. Sie sind auf fünf Jahre befristet.

„Als Fußstreife macht man nicht so viele Kilometer wie mit dem Rad, und mit dem Auto sieht man einfach weniger, weil man schneller unterwegs ist“, erklärte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) am Montag die Vorteile der Fahrradstreife. Eigentlich sei vorgesehen gewesen, diese erst im kommenden Jahr ins Leben zu rufen, so Oesterling. „Doch es haben sich so viele Freiwillige gemeldet, dass wir sie schon im alten Jahr einrichten konnten.“

Er verspreche sich nun eine „deutliche Intensivierung der Überwachung“ – allen voran der Radwege. Es solle „schneller und konsequenter gegen Verstöße vorgegangen werden, die mit dem Blockieren dieser zusammenhängen“. Oesterling fordert: „Null Toleranz. Egoistisch Radwege und Straßenecken zuzustellen, ist kein Kavaliersdelikt, sondern gefährdet und behindert andere Menschen.“

Die Kontrollen seien auf die City „innerhalb des Alleenrings“ beschränkt, erklärte Rainer Michaelis, stellvertretender Amtsleiter des Straßenverkehrsamtes: „Hier ist die Vekehrs- und Problemdichte am größten, und hier wollen wir auch breit wahrgenommen werden.“ Bisher gebe es keine Pläne, die Fahrradstaffel auszubauen. „Das ist erst mal ein Start“, so Michaelis.

Die Interessenvertreter zeigen sich zufrieden mit der neu geschaffenen Truppe. Ansgar Hegerfeld, Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Frankfurt, sagte der FR am Montag: „Wir sind durchaus angetan und begrüßen es ausdrücklich, dass mehr Polizisten mit dem Fahrrad auf den Straßen sind.“ Dies ermögliche einen wichtigen Perspektivwechsel: Polizisten sähen den Verkehr mit den Augen der Radfahrer und könnten deren Probleme besser verstehen.

Nachholbedarf gebe es allerdings mit Blick auf das Abschleppen von Verkehrssündern. Hegerfeld moniert, dass es bei der Verkehrspolizei hohe Hemmschwellen beim Abschleppen gebe. Zu oft würden nur Strafzettel ausgestellt. „Aber ein Knöllchen auf dem Fahrzeug beseitigt nicht die Behinderung“, so Hegerfeld.

Gesche Oppermann von der „Bürgeriniative Radentscheid“ bedankte sich bei der Stadt, dass die Streife so schnell geschaffen wurde. 2018 hatte die Gruppe 40 000 Unterschriften für eine bessere Fahrradinfrastruktur in Frankfurt gesammelt. Ende August beschlossen die Stadtverordneten eine umfassende Förderung des Radverkehrs. Oppermann forderte auch „eine verstärkte Präsenz der städtischen Verkehrspolizei auf Fahrrädern“.

Rainer Deckert ist einer der Freiwilligen, die dies nun umsetzen sollen. Deckert ist bereits seit eineinhalb Jahren auf Fahrradstreife und jetzt fest dabei: „Das macht Bock, das ist genau mein Ding.“ Auf dem Fahrrad habe man viel „Kundenkontakt“, komme schnell von A nach B und sei mehr an der frischen Luft. Angst vor eisigeren Temperaturen als Anfang Dezember habe er nicht. „Wenn du Blitzeis hast“, so Deckert, „dann fährst du nicht. Aber solange es trocken ist, ist alles in Ordnung.“

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