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Von der Bockenheimer Warte aus radelten die Teilnehmer am Freitag quer durch die Stadt.  

Protest

Fahrradkorso fürs Klima in Frankfurt

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Bei Fridays for Future radeln rund 250 Teilnehmer, unterstützt vom Radentscheid, durch die Stadt. 

Um kurz nach 15 Uhr wartet Simon Schumacher an der Bockenheimer Warte darauf, dass der Fahrradkorso von Fridays for Future beginnt. „Dem Klima geht es schlechter als der SPD“ steht auf einem Plakat an seinem Rad. Um das Klima zu retten, sei der Kohleausstieg nötig, sagt der 16-jährige Schüler, doch die Politik ordne sich den Interessen der Wirtschaft unter. Daher der Spruch gegen die Sozialdemokratie.

„Wir sind für den Klimanotstand“, sagt Marc Melzer. Klimanotstand bedeutet, dass ein Land bei Beschlüssen dem Klima einen Vorrang einräumt. Jüngst haben Irland und Großbritannien den Klimanotstand erklärt. Das sollte auch Deutschland tun, meint der 15-Jährige, der sich auch für die Verkehrswende ausspricht. Das hieße, Fahrrad sowie Bus und Bahn Vorrechte gegenüber Autos einzuräumen.

„Schnell weg hier mit den Rädern, bevor die CDU noch Parkgebühren erhebt“, ruft ein Organisator von Fridays for Future in die Menge. Parkgebühren für Fahrräder? Das hatte ein Düsseldorfer Lokalpolitiker gefordert. Bei den Teilnehmer von Fridays for Future erntet das nur Kopfschütteln und Spott.

„Das Radfahren weiter zu fördern wäre ein wichtiger Schritt“, sagt Heike aus Bad Homburg. Sie gehört zur Generation Startbahn West und ist mit ihrem Mann gekommen, um die Klimaaktivisten zu unterstützen. „Eigentlich gehen wir für unser fünf Monate altes Enkelkind auf die Straße“, sagt sie. Das heute so wenige aus ihrer Generation da seien, sei schade. Schließlich gehe das Klima alle an.

Die Temperatur auf der Welt dürfe sich nicht mehr als 1,5 Grad gegenüber dem Beginn der Industrialisierung erhöhen. Das ist eine Kernforderung der Fridays-for-Future-Bewegung, die sich für die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens starkmacht. Kira Geadah, die 18-jährige Mitorganisatorin der Frankfuter Gruppe, zählt weitere Forderungen auf. So soll Deutschland bis 2035 nur so viel Treibhausgas ausstoßen, wie über natürliche Prozesse wieder gebunden werden könne. Bis 2035 sei die 100-prozentige Versorgung mit erneuerbaren Energien nötig, ein Kohleausstieg soll bis 2030 erfolgen. Schon bis Ende 2019 soll es ein Ende der Subventionen für fossile Energieträger geben sowie eine CO2-Steuer. Die soll 180 Euro für eine Tonne Kohlendioxid betragen – das entspricht knapp 5000 Kilometern mit dem Auto oder einmal mit dem Flugzeug von Frankfurt auf die Kanaren und zurück.

Auch sollen bis Jahresende ein Viertel aller Kohlekraftwerke abgeschaltet sein – vielleicht auch in Frankfurt, wo das Heizkraftwerk West Steinkohle verbrennt? „Wir stellen derzeit unsere lokalen Forderungen zusammen“, sagte Kira Geadah.

Um kurz vor 16 Uhr radeln die Aktivisten vom Radentscheid voran, klingelnd setzt sich der Korso in Bewegung. „What do we want? - Climate justice! - When do we want it? - Now!“ schallt es über die Straße, übersetzt: Was wollen wir? Klimagerechtigkeit! Wann wollen wir sie? Jetzt!

Ein Trambahnfahrer winkt, die Teilnehmer winken zurück. Nach dem Willen der Stadt soll die VGF ab 2020 nicht mehr mit Kohlestrom fahren.

www.fridaysforfuture.de

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