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Mehr als 2000 Radfahrer und -fahrerinnen, sind am Samstagabend durch Frankfurt geradelt, um für bessere Radinfrastruktur zu werben. Bild: Monika Müller
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Mehr als 2000 Radfahrer und -fahrerinnen, sind am Samstagabend durch Frankfurt geradelt, um für bessere Radinfrastruktur zu werben. Bild: Monika Müller

Bike-Night in Frankfurt

Fahrrad-Demo darf nicht auf die Autobahn

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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Teilnehmer und Teilnehmerinnen der elften Bike-Night fordern mehr Radwege und eine bessere Infrastruktur

Während der Abend dämmerte, rollten sie aus allen Himmelsrichtungen heran. Laut Angaben des Veranstalters, dem Frankfurter Ableger des „Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC)“, waren es am Samstagabend mehr als 2000 Radfahrer und -fahrerinnen, die zur „Bike-Night“ am Mainkai zusammen gekommen waren. Es war die elfte Ausgabe der Fahrraddemonstration, mit der für eine bessere Radinfrastruktur geworben wird.

„Eigentlich wollten wir heute auf die A5“, sagte Bertram Giebeler, Organisator der Bike-Night vom ADFC, bei der Kundgebung am Eisernen Steg. Auf dem Teilstück zwischen Niederrad und dem Westkreuz wollte der Radfahrverein gegen einen Ausbau der Autobahn von acht auf zehn Fahrspuren demonstrieren. Das Frankfurter Verwaltungsgericht bestätigte jedoch eine Verbotsverfügung des Ordnungsamts mit der Begründung, dass durch eine Baustelle auf der A3 der Verkehr über die A5 umgeleitet werden müsse.

„Das ist schade für uns und schlecht für Frankfurt“, sagte Giebeler in seiner Ansprache. Sein Nachfolger als Bike-Night-Organisator, Denis Reith, ebenfalls vom ADFC, bezeichnete den geplanten Autobahnausbau als „städtebauliche Katastrophe“ und fügte hinzu, „es würde mitten in einer dicht besiedelten Stadt noch mehr Platz geschaffen für ein Verkehrsmittel der Vergangenheit“. Wichtige Radwegverbindungen würden so durch jahrelange Baustellen blockiert werden. Statt der A5 wurde ein kurzer Abschnitt der A648 vom Rebstock bis zur Messe für die Demo gesperrt.

Der noch amtierende Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hob hervor, dass der Radverkehr derart zugenommen habe, dass der Verkehrsraum „zu gewissen Teilen zulasten des Autoverkehrs umgestaltet“ werden müsse. „Fahrradverkehr muss auf dem kürzesten Weg ans Ziel geführt werden, also auch über Hauptverkehrsstraßen.“

Ein Sprecher vom Landesverband des ADFC meinte, „kein Radweg in ganz Hessen scheitert am Geld, sondern in aller Regel am politischen Willen“. In einem großen Bündnis wolle man ein „Gesetz zur Verkehrswende“ auf den Weg bringen, das neben einer Stärkung des Radverkehrs etwa einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs beinhalte, um „Leute nicht zum Auto zu zwingen“.

Als sich die Kolonne in Bewegung setzte, war es bereits dunkel geworden. Über die Alte Brücke rollten die Radelnden, die ihre Räder teilweise mit Lichterketten am Rahmen oder zwischen den Speichen illuminiert hatten, am Sachsenhäuser Ufer entlang über die Untermainbrücke Richtung Gutleut und Gallus.

Johanna und Daniel Speyer aus Niederrad waren zum ersten Mal dabei. „Wir fahren aus Spaß mit“, sagte Daniel Speyer, während es vom Untermainkai über Speicher- und Hafenstraße durch den Hafentunnel ging. „Es ist schön, mal in der Stadt auf Straßen unterwegs zu sein, wo sonst nur Autos fahren“, sagte der 31-Jährige.

Auf ihrem „Stufentandem“ saßen Johanna Speyer vorne und Daniel Speyer hinten. Wegen einer „Gleichgewichtsstörung“ könne sie nicht auf einem zweirädrigen Rad sitzen, erzählte Johanna Speyer. Entweder nutze sie ein Dreirad oder fahre mit ihrem Mann, der dann lenke, während beide gemeinsam in die Pedalen träten. „Ich wünsche mir möglichst breite abgetrennte Radwege, die ich auch mit meinem Dreirad befahren kann“, sagte die 30-Jährige.

Für Erika und Wolfgang Völkel, die mit ihren E-Bikes aus Offenbach gekommen waren und ebenfalls erstmals mitradelten, ist neben der grundsätzlichen Forderung nach „mehr Radwegen“ eine konkrete Verbesserung an der Carl-Ulrich-Brücke von Offenbach nach Fechenheim wichtig. „Die Radwegmarkierungen kann man dort gar nicht mehr sehen“, kritisierte die 67-Jährige.

Maruan aus Rödelheim, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen wollte und schon mehrmals bei der Bike-Night dabei gewesen ist, fand, der Radverkehr müsse den Platz bekommen, der ihm gebühre. Es gehe nicht darum, eine Gruppe von Verkehrsteilnehmenden zu bevorzugen oder zu benachteiligen. „Ich finde Rad fahren in Frankfurt insgesamt schon ganz gut, aber es gibt noch einiges zu tun“, resümierte der 35-Jährige.

Als der Tross gegen Ende der Fahrraddemo hinter dem Rebstockbad auf die unbeleuchtete A648 abbog, entfuhr es Naomi Iwobi: „Wow, Autobahn!“ Erstmals fahre sie auf einer mehrspurigen, gesperrten Schnellstraße, berichtete die 25-Jährige, während die A648 in einer Stadtautobahn mündete, die über eine Brücke zur Messe führte. Iwobi wünscht sich insgesamt weniger Autos in der Stadt.

Auf der ebenen, gut asphaltierten Piste rollten die Fahrräder fast wie von allein. „Da kann man mal sehen, wie gut Autostraßen im Gegensatz zu manchen Radwegen ausgebaut sind“, sagte die 24-jährige Raquel Stang aus dem Dornbusch, die auf vorherigen Fahrraddemos bereits Autobahnerfahrung gesammelt hat.

Über die Messe fuhren die Radler und Radlerinnen dann im Dunkeln ins Westend und anschließend zurück in die Innenstadt.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat die Demonstration bereits zum elften Mal organisiert. Bild: Monika Müller

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