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Fachtagung in Frankfurt: Was tun gegen Crack-Konsum?

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Von: Oliver Teutsch

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Die Menschen verwahrlosen durch exzessiven Crack-Konsum zunehmend. Foto: Imago
Die Menschen verwahrlosen durch exzessiven Crack-Konsum zunehmend. Foto: Imago © Imago/Rene Schulz

Auf einer Fachtagung wollen Experten Handlungsansätze erörtern. Crack die mit Abstand am meisten konsumierte Droge im Bahnhofsviertel.

Mit einer Fachtagung wollen die Großstädte Frankfurt, Hamburg und Hannover Lösungsansätze für den Umgang mit der Droge Crack erarbeiten. Ausrichterin der Veranstaltung am kommenden Dienstag ist die University of Applied Sciences. In deren Räumen am Nibelungenplatz kommen erstmals Fachleute aus Politik, Wissenschaft und von der Drogenhilfe zusammen, um neue Handlungsansätze zu erörtern.

Crack ist die mit Abstand am meisten konsumierte Droge in Frankfurt. In der jüngsten Szenestudie des Centre for Drug Research der Uni Frankfurt gaben 87 Prozent der Befragten an, in den vergangenen 24 Stunden Crack konsumiert zu haben. Die 2020 erhobene Zahl bedeutet einen neuen Höchstwert. 1995 hatten nur drei Prozent der Befragten angegeben, unlängst Crack konsumiert zu haben. Bei Heroin war die Prozentzahl 2020 mit 60 Prozent rückläufig. Alkohol (43 Prozent) und Cannabis (22 Prozent) folgten mit noch größerem Abstand.

Die Fachleute wollen in Frankfurt erörtern, was Crack so problematisch und gleichzeitig für die Konsumierenden so attraktiv macht. Unter den Referierenden wird auch Bernd Werse sein, der seit vielen Jahren für den Drogenreport verantwortlich ist. Bereits 2018 hatte der wissenschaftliche Mitarbeiter der Uni Frankfurt eine Crack-Studie vorgelegt und darin erläutert, dass die Droge auf Kokainbasis weniger eine körperliche Abhängigkeit wie etwa Heroin erzeugt, sondern vielmehr eine psychische. So könnten die Konsumierenden teilweise tagelang ohne Crack auskommen. Seien sie aber im Bahnhofsviertel, wo die Droge an vielen Ecken zu kaufen ist, steige die Lust auf den Rausch viel stärker an als bei anderen Drogen.

Crack

Die Droge besteht aus Kokainhydrochlorid, Natron und Wasser. Sie kann mittels einer Pfeife geraucht oder injiziert werden. Der Name geht auf das Knistern zurück, das beim Verbrennen des Stoffs entsteht. Konsumierende nutzen den Namen Crack aber kaum, sondern sprechen von „Steinen“.

Der Wirkstoffanteil im Straßenhandel ist um ein Vielfaches höher als bei Heroin, das meist sehr gestreckt wird. Daher braucht es für einen Crack-Rausch nicht viel. Eine Konsumeinheit ist schon für fünf bis zehn Euro zu haben. Allerdings hält dieser Rausch dann nicht lange an. ote

Das Suchtpotenzial gilt als derart groß, dass viele Menschen verwahrlosen und sich nicht mehr richtig ernähren. Dazu passt, dass die jüngste Szene-Studie die Zahl der Obdachlosen höher einschätzt als noch 2018. Zudem würden die Angebote der Drogenhilfe aber weniger genutzt. Womöglich, weil sie während der Pandemie zurückgefahren wurden und nun nicht mehr angenommen werden.

An dem ersten „Crack-Gipfel“ soll auch Burkhard Blienert, der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, teilnehmen. „Was wir brauchen, sind bessere und niedrigschwellige Suchthilfeangebote und das überall in Deutschland“, wird Blienert vorab in einer Mitteilung der Stadt Frankfurt zitiert.

Der öffentliche Fachtag (Dauer von 9 bis 16.30 Uhr) wird als Hybridveranstaltung angeboten. Die Präsenzteilnahme kostet 50 Euro, die Online-Teilnahme 30 Euro. Anmeldung unter Telefon 030 / 827 069 846 oder per E-Mail an conferencesckh@posteo.de

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