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Techno-Fans kommen auch an Ostern auf ihre Kosten (Symbolfoto).

Frankfurt

Techno-Freunde feiern Ostern

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Der 35-Stunden-Osterrave im Club Karlson lockt Besucher von überall. Dank Konzertcharakter darf die Party trotz Feiertagen stattfinden. Und manch einer kann dann doch nicht ganz aufs Tanzen verzichten.

Schon von Weitem dröhnen dumpfe Bässe an die Ohren der Fußgänger, die durchs Bahnhofsviertel gehen. Vor dem Club Karlson sitzen einige junge Leute. Sie haben die ganze Nacht durchgefeiert und genießen nun die Sonne am Vormittag des Karfreitags. Plötzlich springen alle auf – der Bus ist da. Alle hasten über die Straße, nehmen Platz und werfen einen letzten wehmütigen Blick auf den Club, wo die Party unermüdlich weitergeht. Schon wieder kommen neue Techno-Liebhaber zum Oster-Rave.

„Es ist fast ein Wunder, dass so viele bei dem Wetter drinnen sind“, sagt Carolin Hilzinger vom ehemaligen U60311. Gemeinsam mit Alexander Eger hat sie zum dritten Mal den 35-Stunden-Rave auf die Beine gestellt. „Das Ordnungsamt war auch schon da“, berichtet Hilzinger. Noch am späten Gründonnerstagabend hätten Beamte sich ein Bild von den Tanzverbotsschildern gemacht und mit einigen der Techno-Künstler gesprochen.

Also Party trotz landesweitem Tanzverbot? „Wir haben hier nur Künstler, die ihre Musik live kreieren“, erklärt Hilzinger. Es werden keine Songs von anderen gespielt, deshalb ist der Rave ein Konzert, und die sind erlaubt an Ostern. Einige Raver sitzen und hören der Musik zu. Andere stehen und wiegen sich im Takt. Und manch einer lässt sich doch mitreißen und zeigt ein paar Tanz-Moves. „Wir können unsere Gäste ja schlecht festbinden“, entgegnet Hilzinger.

Mit knapp 1000 Leuten rechnen die Veranstalter im gesamten Zeitraum. Auf Facebook hatten sich sogar über 5000 für das Event angemeldet, aber so viele würden nicht kommen. Doch das Einzugsgebiet ist riesig. Es wurden Busse organisiert – von Ingolstadt, Kaiserslautern, Stuttgart, Düsseldorf. „Die Strahlkraft von U60 ist immer noch groß.“

Der ehemalige Club hat viele Fans, und die sind auch hier. „Ich liebe U60-Partys, seit ich denken kann. Ich habe sogar ein Tattoo“, sagt Patricia, als sie vor dem Club eine kleine Pause einlegt. Die 27-jährige Stuttgarterin hat sich mit Freunden auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Von 8 Uhr früh bis 24 Uhr wollen sie tanzen, dann geht es zurück nach Baden-Württemberg.

Thomas (23) und Sven (24) sind aus Ingolstadt angereist. „Zwei Kumpels von uns legen gerade auf“, sagt Thomas und erzählt dann von seinen Ambitionen. „Wir sind seit 11 Uhr hier und bleiben bis morgen früh um 11 Uhr.“ Dass die Party schon um 8 Uhr enden wird, stört ihn nicht. Beide wollen einfach nur Techno hören und halten sich mit Energy-Drinks fit.

Die 25-jährige Lotte hatte eine nicht ganz so weite Anreise. „Ich bin aus Rüsselsheim und wollte endlich mal wieder auf eine U-Party.“ Seit 5 Uhr früh feiert sie, ewig wird sie nicht bleiben können. „Ich muss morgen wieder arbeiten.“

Im Club heizt Ace Attack nun den Leuten ein. Er hat Robert Babicz abgelöst, der eine sechsstündige Live-Show abgefeiert hat. „Es war super anstrengend, aber ich mach’ es immer wieder gern“, sagt der 44-jährige Babicz. Seit 27 Jahren macht er Techno und liebt es, die Leute mit seiner Arbeit glücklich zu machen. „Es ist wie ein Strudel, der dich mitreißt.“

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