Ayindo Napoe alias Mama Afrika ist das Gesicht des Waschsalons. Nun soll ihr Kiosk schließen.
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Ayindo Napoe alias Mama Afrika ist das Gesicht des Waschsalons. Nun soll ihr Kiosk schließen.

Bahnhofsviertel-Kiosk

Schluss für „Mama Afrika“ in Frankfurt

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Die Seele und das Gesicht des kultigen Waschsalon mit Kiosk im Bahnhofsviertel in Frankfurt muss Ende März ausziehen. Ayindo Napoe alias Mama Afrika versteht die Welt nicht mehr. Ihr Vermieter macht ihr schwere Vorwürfe.

Die „Nachbarjungs“ der Hipster-Bar „Walon & Rosetti“ klopfen zur Begrüßung durch die Scheibe des Kiosk-Waschsalons und winken Mama Afrika fröhlich zu. „Für viele bin ich die Mama Afrika oder sie nennen mich einfach nur Mama“, erzählt Ayindo Napoe am Montag und lächelt. Dabei hat die 49-Jährige gerade wenig Grund zum Lächeln. Sie muss aus dem ebenso kultigen wie beliebten Waschsalon mit integriertem Kiosk, an dem es von Waschpulver bis Bier so ziemlich alles gibt, ausziehen. „Mein Vermieter hat mir am 13. Januar unerwartet die Kündigung geschickt. Am 31. März soll Schluss sein. Ich könnte durchdrehen.“

Seit sechs Jahren arbeitet sie hier in der Moselstraße 17 in der „Miele Wash-World“, vorne hat sie nach Absprache mit ihrem Vermieter einen kleinen Kiosk eingerichtet. Tagsüber waschen die Leute ihre Wäsche, abends sitzt hier das Partyvolk und trinkt sein Bierchen auf einem der Garten-stühle im Salon, im Sommer draußen auf dem Bürgersteig. „Viele feiern hier ihren Geburtstag. Und sogar die Stadtführer kommen mit den Touristen rein. Waschsalon und Kiosk zusammen, das ist schon etwas Besonderes“, sagt Napoe.

In Togo ist sie aufgewachsen, seit 23 Jahren lebt sie in Deutschland. Vor sechs Jahren sei sie von Freiburg nach Frankfurt gezogen. „Ich sollte eine Provision bekommen, wenn die Leute mich ihre Wäsche waschen lassen, aber die meisten waschen selbst.“ So habe sie kaum etwas verdient und im ersten Jahr wollte sie kündigen. „Aber der Vermieter hat mich überredet zu bleiben.“ Und irgendwann sei der Kompromiss entstanden, dass sie mit dem Kioskteil Geld verdienen kann. „Erst im Dezember haben wir den Kiosk ein wenig vergrößert und streichen lassen. Ich habe all mein Geld reingesteckt und jetzt wird mir gekündigt“, sagt sie. Die Kündigung sei rechtskräftig. Und ihr Sohn Ali Napoe (29) sagt: „Wir wollen doch nur, dass sich unser Vermieter mit uns zusammensetzt. Auf einmal sind Dinge ein Problem, die nie vorher ein Problem waren.“

„Es ist Feierabend“

So wie die Miete, die sie immer bar bezahlt hätten, manchmal eben am Ersten, manchmal Mitte des Monats. Dass sie die Maschinen und den Raum putzen, sei vertraglich geregelt. „Wir putzen zweimal am Tag“, sagt Ayindo Napoe. Das sieht Vermieter Rainer Thormann von Wash-World anders: „Jahrelang war ich großzügig, aber das wurde nur ausgenutzt. Da sieht es hinten in den Räumen oft aus wie ein Messie-Haushalt und Kakerlaken gibt es auch.“ Napoe schulde ihm zwei Monatsmieten aus dem Jahr 2015 und zwei aus 2016.

Und dann habe sie einem Obdachlosen den Schlüssel gegeben und ihn hier übernachten lassen. „Das stimmt“, sagt Napoe. „Aber das war mit Herrn Thormann abgesprochen.“ Der bestreitet das: „Im Salon gab es oft Feiereien mit Kiffen. Und die Wände sind miserabel gestrichen worden. Es ist Feierabend. Ich werde wieder einen ordentlichen Waschsalon anbieten. Ohne Kiosk“, sagt Thormann.

Die Napoes wollen nicht aufgeben. An diesem Samstag kann man ab 20 Uhr ihre Petition unterschreiben. „Freunde werden Musik spielen. Wir werden das jeden Samstag machen. Bis es nicht mehr geht“, sagt Ali Napoe.

Infos auf Facebook: ?Support the Kiosk?

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