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Die Sängerin Mogli stammt aus dem Frankfurter Nordend.

Sängerin Mogli

Musizieren von Alaska bis Mexiko

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Sängerin Mogli singt schon im Babyalter. Irgendwann lernt sie ihren Freund kennen. Die gemeinsame Reise-Doku "Expedition Happiness" schafft es ins Kino. Und Mogli liefert den Soundtrack.

Ich weiß, es klingt wie ein Mythos, aber ich habe wirklich gesungen, bevor ich gesprochen habe“, sagt Mogli und lacht. Die 23-jährige Sängerin sitzt im Café Roseli in der Innenstadt. Eigentlich heißt sie Selima Taibi und ist im Frankfurter Nordend aufgewachsen. Ihre Mutter hat Musik studiert: Querflöte und Klavier. „Und sie hat viel Musik gemacht, während ich in ihrem Bauch war. Als Baby habe ich natürlich noch keine fertigen Lieder gesungen, aber schon alleine vor mich hingesummt“, sagt Mogli.

Gerade ist ihr zweites Album „Wanderer“ erschienen, das gleichzeitig der Soundtrack des Dokumentarfilms „Expedition Happiness“ ist. In ihrem selbst finanzierten und produzierten Kinofilm reisen Mogli und ihr Freund Felix Starck zusammen mit ihrem Berner Sennenhund Rudi in einem umgebauten amerikanischen Schulbus von Alaska bis Mexiko. Verliebt hatte sich das Paar in Kambodscha bei Starcks erstem Reise-Dokumentar-Film „Pedal The World“. „Es war keine hollywoodmäßige Verknalltheit, sondern es fühlte sich schon ab Sekunde eins so an, als ob wir immer schon zusammen waren“, sagt Mogli, die vier Wochen mit ihm durch die Welt radelte.

Kaffee trinken mit dem Drogenboss

“Expedition Happiness“ ist so eine Art Fortsetzung des ersten Films. Auch in den großen deutschen Kinosälen wie im Metropolis in Frankfurt lief der Streifen. Jetzt arbeitet das Paar an einer englischsprachigen Version. 200.000 Menschen folgen ihnen auf Facebook. Die meisten Fans hätten sie aber nicht in Deutschland. „In Mexiko kennt uns fast jeder. Mit unserem Bus fielen wir auf. Die dortige Presse berichtete viel. Unsere Reise-Videos wurden in Mexiko um die 150 Millionen Mal angeschaut.“ Sogar ein Drogenboss lud sie zum Kaffee ein. „Er ist die rechte Hand von El Chapo, der gerade im Gefängnis sitzt. Dass unser Gastgeber ein Drogenbaron ist, erfuhren wir aber erst nach unserem Besuch.“ Nun ist Mogli zurück in Deutschland. Im Herbst geht sie nun auf ihre erste große Konzert-Tour. Am 29. Oktober tritt sie in der Brotfabrik auf. Mogli ist nicht einfach ihr Künstlername. „Mit elf Jahren hatte ich Dreadlocks, aber auch sonst war ich immer braungebrannt, weil ich gerne draußen war. So sah ich Mogli aus dem Dschungelbuch einfach ähnlich. Und meine Mutter hat mich ab da Mogli genannt.“

Mogli besitzt eine natürliche Schönheit. Sie trägt keinerlei Make-up, dafür eine lockere weiße Bluse, die oberen Knöpfe sind geöffnet. Wenn sie sich nach vorne beugt, sieht man ihren Spitzen-BH. Aufgewachsen ist Mogli mit zwei Müttern. „Meine Eltern haben sich getrennt, da war ich noch sehr klein. Mein Vater hat seitdem eine neue Frau und meine Mutter auch.“ Aber ihr algerischer Vater, der in sein Heimatland zurückgegangen ist, besuche sie bis heute oft. Schon als kleines Mädchen hat sie überdurchschnittlich viele Talente: Mit drei Jahren beginnt sie mit Taekwondo im Nordend. Als sie mit 13 damit aufhört, hat sie ihren schwarzen Gürtel.

Mit elf Jahren liest sie in der Zeitung, dass es ein Vorsingen für den Kinderchor der Frankfurter Oper gibt. „Nach der Schule bin ich mit dem Rad in die Oper gefahren und habe vorgesungen und wurde genommen. Meiner Mama habe ich erst beim Abendessen davon erzählt.“ Außerdem lernt sie Luftakrobatik im Kinderzirkus, besucht die Frankfurter Schule Stagecoach und bekommt dort Schauspiel-, Gesangs-und Tanzunterricht. „Es macht mich kirre, wenn ich etwas nicht kann. Tanzen konnte ich gar nicht. Also habe ich das so lange geübt, bis ich das richtig gut konnte.“ Bis heute seien sie und ihr Freund sehr ehrgeizig. „Wir haben auch hohe Ansprüche aneinander.“ Mogli besucht die Musterschule. Die Lehrer und den Unterricht findet sie „cool“. Mit den Mitschülern hat sie wenig gemeinsam. Sie sei zwar keine Außenseiterin gewesen. „Aber ich hatte meine besten Freunde nicht auf der Schule, sondern eben in der Oper und der Schauspielschule.“

Schon früh hat Mogli angefangen, ihre eigene Musik zu schreiben. „Ich mag Opern, aber ich könnte mir nicht vorstellen, das mein Leben lang zu machen. Ich wollte was Eigenes machen.“ Direkt nach dem Abitur versucht sie es bei der TV-Castingshow „The Voice of Germany“. Juror Xavier Naidoo sagte damals zu ihr: „80 Prozent einer Weltklassestimme“. „Alle Juroren haben gesagt: Ich müsse meinen Weg noch gehen, bevor sie mir helfen können. Mit 18 will man das natürlich nicht hören, aber sie hatten recht. Ich habe jetzt meinen Stil gefunden.“ Mit Crowdfunding finanziert sie im Jahr 2015 ihr erstes Album „Bird“. Auf ihrem Handgelenk hat sie ein kleines Nachtigall-Tattoo: „Mein Opa nannte mich so, weil ich wohl auch nachts gesungen habe.“

Die Songs ihres zweiten Albums „Wanderer“ klingen nicht nach dem Pop-Poeten-Sound eines Tim Bendzko („Nur noch kurz die Welt retten“). Es könnte ein Pocahontas-Soundtrack sein, ohne aber esoterisch zu klingen. Die englischsprachigen Titel sind alle auf der Reise entstanden: im zum Wohnwagen umgebauten Schulbus. „Wir waren komplett autark und konnten überall stehen, wo wir wollten. Ob in Alaska oder am Strand. Ich hatte auch meine Gitarre und sogar mein Klavier dabei“, erzählt Mogli. „So konnte ich, was ich auf der Reise erlebt habe, direkt zu Musik verarbeiten. Und in der Natur musizieren.“ Ob die Weite in Alaska oder die Mächtigkeit des Grand Canyons: All das sei sehr episch, ein überwältigendes Gefühl gewesen. „In so einem Moment konnte ich mein Inneres nach Außen kehren.“

Über den Kino-Erfolg mit „Expedition Happiness“ sagt sie: „Wir sind in Deutschland der zweite Film, der es ohne großen Verleih zum kommerziellen Erfolg geschafft hat. Das macht den großen Verleihen Angst.“ Denn sie seien einfach direkt zu den Kinobetreibern gegangen und hätten mit jedem einzeln einen Deal verhandelt. Geworben haben sie über Facebook. Finanziert hat das Paar den Film mit dem Erlös des ersten Films „Pedal the World“.

Schon da lieferte Mogli Songs zum Soundtrack und schrieb das Buch zum Film. „Das landete auf der Spiegel-Bestseller-Liste.“ Jetzt plant das Paar einen Bildband mit Moglis Kochrezepten auf der Reise. Gerade schreibt sie an zwei Drehbüchern: „Das eine wird eine „Rock'n'Roll“-Produktion, bei der wir wieder viel selbst machen. Das andere hat Potenzial, eine Blockbuster-Komödie zu werden.“

Vom Reisen hätten sie und ihr Freund aber erstmal genug: „Wir hatten die große Freiheit. Aber am Schluss habe ich gemerkt, dass dieses ständige Weiterbewegen für mich nichts ist. Ich brauche ein festes Zuhause“, erzählt sie. An der Alster in einem dörflichen Stadtteil von Hamburg leben sie gerade mit Hund Rudi und seiner neuen Welpenschwester Greta. Aber sie wollen zurück in die Heimat und ein Baby bekommen. „Wir wollten beide immer schon unabhängig voneinander jung Eltern werden.“ Und dazu möchten sie nun ein eigenes Haus in der Nähe ihrer Heimat. „Ich bin Frankfurterin und Felix kommt aus der Gegend der südlichen Weinstraße. Irgendwo dazwischen möchten wir unser Haus bauen.“

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