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Die Frankfurter Designerin Caroline Beeser weiß, wie Mode geht. Sie verkauft als Lin Beeser weltweit und an Stars wie Heidi Klum und Gwen Stefani.

Lin Beeser

Mode, die Heidi Klum trägt

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Lin Beeser designt in Frankfurt bunte, verspielte Teile. Die kommen nicht nur bei Modelmama Heidi Klum an. In Asien sieht man ihre Kleider auf der Straße.

Auf dem hübschen Holzregal stehen Designer-Ikone Karl Lagerfeld und daneben Designer-Urmutter Coco Chanel und schauen Lin Beeser bei der Arbeit zu. Sie sind natürlich nur als Matrjoschka-Version da. „Ehrlich gesagt möchte ich lieber keine Meinung zu meiner Mode von Karl Lagerfeld hören, der ist schon sehr direkt mit seinen Worten“, sagt Lin Beeser und lacht. Eigentlich heißt die 42-Jährige Caroline Beeser. Aber der Designer-Name der blonden Frankfurterin und ihres Labels ist eben Lin Beeser. In Griesheim lebt sie mit ihrer Familie in einem Haus mit Mainblick. Das ist auch gleichzeitig ihr Atelier. Während sie in Deutschland meist nur den Vogue-Fans ein Begriff ist, ist sie in Hongkong oder Russland total angesagt.

Sogar Promis wie Modelmama herself Heidi Klum, Popsängerin Gwen Stefani oder auch Cara Delevingne, das gehypte Model, das auch Schauspielerin ist, bestellen bei ihr.

Ihr Style ist popstarwürdig: bunt wie verspielt. Gerade sah man in der Frauenzeitschrift „Maxi“ ihren Paillettenrock mit Würfeln. Klum postete jüngst auf Facebook ein Bild eines Leoparden-Jogginganzugs mit einem Tier-Gesicht darauf. Lin Beeser trägt selbst einen langen, karierten Rock zu einer Zirkusdirektorinnen-Jacke und Sneakern mit Kirschen darauf. Die Schuhe sind von ihrer Zweit-Linie Nil & Mon.

Geboren ist sie auf Teneriffa. „Mein Vater arbeitete in der Touristikbranche.“ Als sie vier Jahre alt ist, zieht die Familie nach Braunfels im Lahn-Dill-Kreis. „Meine fünfjährige Tochter sagte gerade, dass sie Modedesignerin werden will.“ Beeser lacht. „Ich selbst kann mich gar nicht erinnern, ob ich das so früh schon wusste.“ Aber mit ihrer Oma, die war Schneiderin, habe sie immer genäht. Ihr erstes Stück war für Beesers Barbie. Da war sie zwölf. „Für die habe ich so einen geringelten Pullover aus Mohair gestrickt und so einen schwarzen Lederrock.“ Nach der elften Klasse machte sie zunächst eine vollschulische Ausbildung als Schneiderin in Gießen. Mit 22 begann sie in Düsseldorf ein Modedesign-Studium. Aber dann wurde sie an der Top-Schule für Modemacher akzeptiert: das legendäre Central St. Martins College in London, an der schon Designergrößen wie John Galliano und Alexander McQueen gelernt hatten.

Praktika bei Größen wie Jil Sander

„Im Studium gab es viele, die gar nicht schneidern konnten. Für sie gab es einen dreiwöchigen Crashkurs in Nähen.“ Eine Schneiderlehre würde sie zukünftigen Designern zwar empfehlen. „Aber es ist nicht so wichtig, wie ich damals gedacht hatte.“ Sie machte Praktika bei Größen wie Jil Sander in Hamburg und Donna Karen in New York. Nach dem Studium ging sie nochmal zu Donna Karen. „Eigentlich war mein Traum, bei einem großen Designer zu arbeiten.“ Aber die Modewelt war ziemlich ernüchternd. „Es ist genauso wie im Film ,Der Teufel trägt Prada‘. Man hat da mit zu vielen gestörten Persönlichkeiten zu tun. Donna Karen war dabei die Netteste, aber die kam erst um 4 Uhr morgens nach der Party rein.“

Dann zog Beeser nach Frankfurt. Da war sie 29. Der Liebe wegen. Jetzt hat sie einen neuen Mann, liebt aber weiter Frankfurt. „Mittlerweile ist es tatsächlich egal, wo ich sitzte. Anfangs überlegte ich, mit meiner Schwester vor sieben Jahren nach Berlin zu ziehen.“ Dort wurden Jungdesigner mehr gepusht. „Die Stadt lud sie nach Japan ein, um eine Messe zu machen. Von Frankfurt kam gar nichts.“ Ihre zwei Jahre jüngere Schwester ist die Marken-Managerin, beobachtet, in welche Richtung sich die Mode entwickelt „Ich mache das, was mir gefällt“, so Beeser und lacht.

Dass Heidi Klum seit fünf Jahren bei ihr bestellt, sei cool, bringe ihr aber nicht mehr Umsatz. „Sie schreibt ja nicht: Ich trage Lin Beeser.“ Eine Mailänder Agentur macht für Beeser den internationalen Vertrieb. „Ich weiß nicht, warum ich in Asien bekannter bin als in Deutschland. Vielleicht, weil meine Mode etwas extremer, geschmückter ist.“

Deshalb mache es wenig Sinn, in Frankfurt einen eigenen Laden aufzumachen. Manche Teile von ihr kann man hier aber bei Bailly Diehl kaufen. „Ein Lager gibt es nicht: Sie produzieren nur auf Bestellung ab gewissen Stückzahlen. Bei Kollektionsabgabe kommen Näherinnen rein. Gerade arbeitet Beeser an ihrer ersten Highheel-Kollektion. Diese ist aber erst ab der 2017er-Kollektion zu kaufen. Und es ist ein Online-Shop geplant. „Wir hatten uns lange gesträubt, aber die Nachfrage wird immer größer.“

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