IG Metall

Digitalisierung steht im Mittelpunkt

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Die IG Metall will das Jahr nutzen, um sich auf die Veränderungen der Arbeitswelt vorzubereiten und sich mit der Digitalisierung zu befassen.

Was immer so abstrakt klingt und häufig unsichtbar bleibt, nämlich die Digitalisierung der Arbeitswelt, wird in diesem Jahr die IG Metall umtreiben. Wie der Frankfurter IGM-Chef Michael Erhardt im Gespräch mit der FR erläuterte, sollen bundesweit für 2000 bis 3000 Unternehmen sogenannte Transformationsatlanten erstellt werden. Da steht dann drin, welche Veränderungen bereits vollzogen wurden, welche in Zukunft anstehen und mit welchen Chancen und Risiken sie verbunden sind. Auf dieser Grundlage möchte die Gewerkschaft dann Forderungen ableiten, die gute Arbeitsplätze erhalten und schaffen sollen.

„Es werden auch Arbeitsplätze wegfallen“, sagt Erhardt. Vor allem die Automobilindustrie und ihre Zulieferbetriebe stünden vor einem Strukturwandel. Die Debatte um Fahrverbote in den Städten werde dazu führen, dass das Elektroauto an Schwung gewinne. In dieser Technologie seien derzeit die Chinesen führend. Was das für die deutschen Autobauer bedeutet, lässt Erhardt offen.

Nach Beispielen für die Digitalisierung in Frankfurt befragt, erwähnt der Gewerkschafter Continental Teves in Frankfurt-Rödelheim. Dort würden etwa Antiblockiersysteme und „autonomes Fahren“ erprobt. Die Beschäftigten könnten über ein firmeninternes Facebook miteinander kommunizieren. Zweites Beispiel: Die Firma Thyssenkrupp Aufzüge im Riederwald. Deren Servicetechniker würden mit Tablets durch die Gegend fahren, um ihre Aufträge – Einbau und Wartung von Aufzügen – abzuarbeiten.

Autonomes Fahren

Eine Tarifrunde steht in der Metallindustrie in diesem Jahr nicht an. Man wolle die Zeit nutzen, so Erhardt, um sich für das Thema Transformation und „die Veränderungen in der Wertschöpfungskette“ zu wappnen. „Wir müssen aufpassen, dass die Digitalisierung unser Gemeinwesen nicht ausblutet.“ Entwicklungen wie in den Vereinigten Staaten, wo viele schlecht bezahlte Beschäftigte einem Team von hoch qualifizierten und gut honorierten Arbeitskräften zuarbeiten, dürfe es in Deutschland nicht geben. Da müsse tarifpolitisch, aber auch vom Gesetzgeber gegengesteuert werden.

Von der Bundesregierung erwartet Erhardt, dass Leiharbeit, Werkverträge und die Befristung von Arbeitsverträgen eingedämmt werden. Außerdem soll die Position von Betriebsräten gestärkt werden, damit sie auch bei wirtschaftlichen Entscheidungen mitbestimmen können.

In der Tarifpolitik wird die Arbeitszeit, wieder einmal, eine entscheidende Rolle spielen. Schließlich war es die IG Metall, die 1984 die Verkürzung der Arbeitszeit von 40 auf 35 Wochenstunden durchsetzen konnte. Im vergangenen Jahr erreichte die Gewerkschaft in der Tarifrunde, dass die Beschäftigten zwischen mehr Geld und acht zusätzlichen freien Tagen wählen können. Das Angebot, mehr Freizeit zu haben, werde gut angenommen. Auch die Lebensarbeitszeit soll neu verhandelt werden: „Mit der Rente ab 67 Jahren werden wir uns nicht abfinden.“

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