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Da fällt die Auswahl schwer: Künstler Daniel Salamon aka Disaster (2. v. l.) präsentiert am Stand auch eigene Werke.

Streetart-Künstler

Ein Autogramm vom Bomber

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Frankfurter Streetart-Künstler tauschen signierte Werke gegen Sachspenden für Obdachlose. Die Aktion begeistert und auch die Kunstobjekte wissen zu gefallen.

Unentschlossen steht der Mann vor dem Tisch, auf dem zahlreiche Kunstwerke liegen. Rechts außen signierte Spraydosen, links Fotografien von Graffitis aus der Region. In der Mitte gibt es noch Originalwerke der Frankfurter Street-Art-Künstler. Am Ende greift der Mann bei den handgefertigten Stücken zu. Kaum hat er sein Lieblingswerk gefunden, stehen schon neue Interessenten neben ihm und schauen, was ihnen gefallen könnte.

Der Andrang auf die Objekte, die Frankfurter Künstler zur Verfügung gestellt haben, um sie gegen Kleiderspenden für bedürftige Menschen zu tauschen, war am gestrigen Nachmittag durchaus groß. „Recht früh wurde recht viel abgegeben“, sagte René Giese, der Organisator der Aktion. Nach knapp einer Stunde zählte er bereits 18 Säcke, gefüllt mit Winterkleidung, Schuhen und Decken.

Ulrich Stolt hatte zu Hause ein paar Sachen zusammengepackt und sie zum Zelt an der Konstablerwache gebracht. „Wir haben ein großes Haus, da sammelt sich viel an“, sagte der 80-Jährige. Er lobte die Aktion der Teilnehmer, die wieder einmal zeige, dass Künstler sich oft sozial verhielten.

Sascha Reese hatte von der Aktion auf Facebook erfahren. „Das ist super, ich habe es gerade auch noch mal auf Facebook geteilt. Vielleicht kommen ja noch mehr“, sagte er. Selbst kreativ, zeigte er sich begeistert von den Kunstobjekten, die man für eine Spende bekam. „So eine signierte Dose vom Bomber ist schon cool.“ Doch nicht nur Helge Steinmann, der sich hinter dem Namen Bomber verbirgt, unterstützte Gieses Aktion. Auch Künstler wie Cor, City Ghost, Guido Zimmermann oder PYC hatten etwas gegeben. „Von Peng ist schon alles weg“, erklärte Giese einem interessierten Spender.

Passanten sind neugierig

Immer wieder kamen Passanten vorbei und fragten, was der Hintergrund des Zeltes sei. „Ich wohne nicht weit weg. Ich hole etwas und komme dann wieder“, versprach eine Frau und eilte nach Hause. Zwei Frankfurterinnen aus dem Ostend hatten hingegen alles dabei: Sie spendeten eine Decke, eine Mütze aus Nepal und einen Kapuzenpulli. Bei der Auswahl des Kunstwerks waren sie hin- und hergerissen. Am Ende wurde es eine Originalarbeit von PYC, der mit einem Stift Motive auf Holz gemalt hatte.

Ob es die Aktion im kommenden Jahr nochmals geben wird, konnte René Giese noch nicht genau sagen. „Es war sehr bürokratisch, den Platz hier zu bekommen. Ein Riesenaufwand.“ Einer Wiederholung abgeneigt sei er aber nicht.

Als die Aktion beendet war, schafften Giese und seine Helfer die gesammelten Sachen zur Notfallkleiderkammer der Bahnhofsmission. „Die freuen sich schon, weil es einen Notstand an warmer Winterbekleidung gibt“, sagte der Organisator.

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