Giftige Flüsse

Experten fordern bessere Kläranlagen

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Konsequenz aus der „NiddaMan“-Studie, die zeigte: Nur acht Prozent der Gewässer sind sauber genug für die EU, und die Fische leiden.

Unsere Kläranlagen müssen besser werden – das fordern Fachleute als Konsequenz aus der großen „NiddaMan“-Studie zur Qualität der Fließgewässer. Es gehe nicht nur um die großen Kläranlagen mit hohen sogenannten Stofffrachten, sondern auch um die kleineren Anlagen, die besonders hohe Konzentrationen schädlicher Stoffe im Wasser verursachten, betonen die beteiligten Ingenieure. Nötig sei die Ertüchtigung der Kläranlagen, abhängig von Faktoren wie Abwasseranteil, ökologischen und ökotoxikologischen Parametern je nach Standort, um die Lage für Organismen in den Flüssen des Nidda-Einzugsgebiets abzumildern.

Bereits im März hatte die Frankfurter Tagung zum „NiddaMan“-Projekt alarmierende Ergebnisse offenbart: Nur acht Prozent der hessischen Oberflächengewässer erfüllten die Anforderungen in Sachen Sauberkeit laut EU-Wasserrahmenrichtlinie, die bis 2027 umgesetzt sein müssen (die FR berichtete). „NiddaMan“ steht für Nidda-Management; der hessische Fluss wurde für die Studie ausgewählt, weil sich die Verhältnisse an seinen Ufern (intensive Landwirtschaft, renaturierte Abschnitte, aber auch Metropole) gut auf das Bundesgebiet verallgemeinern lassen. Folglich sieht es in der ganzen Republik genauso trübe aus. Ergo: „Das Ziel ist bis 2027 nicht zu erreichen“, sagt Sven Klimpel, der Dekan der Frankfurter Biowissenschaften.

Besonders im Sommer sind Nidda und Nebenflüsse stark belastet. Landwirtschaft und Kläranlagen vergiften sie dann teils über die Umweltgrenzwerte. Hinzu kommt: „Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass bestehende Grenzwerte aquatische Lebensgemeinschaften nur unzureichend schützen“, erklärt Jörg Oehlmann, Leiter von „NiddaMan“ und der Abteilung Aquatische Ökotoxikologie der Goethe-Uni. Die Leidtragenden: Fische und Kleinstlebewesen wie Krebse und Schnecken. Gewebeuntersuchungen wiesen krankhafte Veränderungen der Leber nach. Fischen fehle die Kraft für die Fortpflanzung – darauf weise das Fehlen gewässertypischer Fischarten bereits im Nidda-Oberlauf hin.

„NiddaMan“ untersuchte drei Jahre lang die Flüsse und wurde vom Bundesforschungsministerium mit 2,4 Millionen Euro gefördert. Ein Abschlussbericht soll Ende 2019 vorliegen. Die Arbeit für die Gewässerqualität sei dann noch lange nicht beendet, resümieren die Projektteilnehmer aus vielen Wissenschaftsgebieten.

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