+
Lilith und Charlotte (von links) machen Kunst.

Museum für Kommunikation

Frankfurt: Experimente mit Kunst und Chaos

  • schließen

Ferien im Museum für Kommunikation.

Jan ist so in seine Arbeit vertieft, dass er gar nicht richtig von ihr erzählen kann. Der Elfjährige sitzt im Keller des Frankfurter Museums für Kommunikation und erstellt einen Comic. Mit einem speziellen Programm fügt er am Laptop Fotos von Flugzeugen und Autobahnkreuzen zusammen und pappt runde Sprechblasen daran. Der Computer überzieht alles mit einem speziellen Look, damit es nach richtigem Comic aussieht. „Das macht ziemlich Spaß“, sagt Jan knapp und blickt auf den Bildschirm. In seinem Comic gehe es um Verkehrschaos und Chaos im Allgemeinen. Der Künstler Nam June Paik, mit dem er sich hier die letzten Tage befasste, habe sich auch viel mit Chaos auseinandergesetzt, indem er etwa Gegenstände zerstört habe. „Chaos kann ja auch eine Neuschöpfung sein“, findet Jan.

Künstler und ihre Werke kennenlernen, das Museum und seine Ausstellung erkunden und sich selbst in der Kunstproduktion ausprobieren: Diese Möglichkeit bietet das Museum für Kommunikation Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren mit seinem Ferienprogramm.

Unter dem Motto „Original oder Fälschung?“ geht es dabei primär um die Werke des US-amerikanischen Komponisten und Künstlers Nam June Paik, dessen vier Meter hohe Skulptur „Pre Bell Man“ seit Juni in einer Nachschöpfung wieder vorne vor dem Museum steht. Weil das Original von 1990 nicht länger der Witterung ausgesetzt werden sollte, wurde das Werk mit Geräten aus dem Depot des Museums originalgetreu nachempfunden.

„Wir wollen den Kindern nahebringen, was mit einem Kunstwerk passiert, wenn es nachgebaut wird“, sagt Moritz Urban. Der Kunststudent von der Offenbacher Hochschule für Gestaltung leitet den Workshop gemeinsam mit der Kunstpädagogin Imke Greitzke. Mit den fünf Kindern, die an der ersten Ausgabe des teilnehmen, habe man Werke von Nam June Paik angesehen und technische Geräte im Museum ausprobiert, erklärt Urban. Nach Ideen der Kinder ist dabei zum Beispiel ein kurzer Film entstanden: Sie haben frei nach Nam June Paik alte VHS-Kassetten auseinandergebaut und die darin aufgewickelten Bänder von der Decke rieseln lassen. Der Film zeigt ihre kleine Performance. „Bis jetzt hat unser offenes Konzept gut funktioniert“, sagt Urban. Alles, was die Kinder erstellen, werde auf einem Tisch zu einer Skulptur zusammengefügt, ergänzt seine Kollegin. Am Ende werde eine kleine Vernissage gefeiert. „Wir haben Orangensaft dabei“, sagt Greitzke und lacht.

Während Jan an seinem Chaos-Comic bastelt, haben Lilith und Charlotte sich für Natur entschieden – auch so ein Thema, das Nam June Paik umgetrieben hat. Mit dem Comicprogramm bearbeiten die Mädchen Fotos von Bäumen und Obst und setzen Sprechblasen mit Witzen daneben. Das Thema Natur treibe sie gerade sehr um, sagt die Zwölfjährige Charlotte, die schon mehrmals an den Demos der „Fridays for Future“-Bewegung teilgenommen hat. Wie Jan ist aber auch Charlotte eigentlich zu beschäftigt, um zu reden. So fesselnd kann Kunst sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare