Der „Lozziwurm“ im Architekturmuseum ist Skulptur und Spielobjekt zugleich. 
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Der „Lozziwurm“ im Architekturmuseum ist Skulptur und Spielobjekt zugleich. 

Ausstellung in Frankfurt

Ein Ort für Experimente in Frankfurt

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Die Ausstellung „The Playground Projekt“ im Deutschen Architekturmuseum widmet sich der Geschichte des Spielplatzes.

Anfassen, Reinklettern, Durchkrabbeln ist ausdrücklich erlaubt. Die große, abenteuerlich verschlungene Röhre des Schweizer Künstlers Ivan Pestalozzi ist Skulptur und Spielgerät zugleich. Kreisrunde Öffnungen laden ein, das Innere des in Gelb, Orange und Rot gehaltenen „Lozziwurms“ zu erkunden.

Das 1972 entworfene, bis heute produzierte Spielobjekt ist Teil der Ausstellung „The Playground Project“, die noch bis Juni im Deutschen Architekturmuseum zu sehen ist. Die Schau der Kunsthalle Zürich blickt dabei mit bespielbaren Exponaten, Fotografien, Erklärtafeln auf vier Schlüsselmomente in der Geschichte des Spielplatzes, den sie als kleines, aber bedeutendes Stück Stadt begreift, an dem sich wichtige gesellschaftliche Veränderung ablesen lassen.

Bilder vom Anfang des 20. Jahrhunderts zeigen Spielplätze in New York und Washington, die mit riesigen Turngeräten bestückt sind. Im Vordergrund scheinen die Leibesertüchtigung zu stehen – und der Wunsch, die Kinder von den Straßen zu holen. Eine Aufnahme aus dem Jahr 1900 zeigt Kinder in Hüten, Kleidern, Anzügen, die in einem riesigen Sandkasten im Berliner Tiergarten spielen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entdecken zunehmend Künstler, Architekten, Aktivisten den Spielplatz als Labor, als Ort für Experimente. Abstrakte Spielskulpturen und -landschaften entstehen. Abenteuerspielplätze kommen auf, bei denen die Kinder selbst das Design mitbestimmen, in dem sie mit Schaufel, Hammer, Nägeln und Baumaterial das Areal gestalten, also sich etwa Hütten bauen. Immer wichtiger wird auch die Aneignung der Stadt. Die Ausstellung zeigt etwa, wie Aktivisten im Frühjahr 1968 in einer Aktion den Hinterhof eines Kopenhagener Arbeiterblocks in einen Abenteuerspielplatz verwandeln. Selbstverwaltete Kinderläden und Spielplätze entstehen. In Frankfurt wird 1971 ein riesiger Teil des Messegeländes drei Wochen lang zum „Kinderplaneten“, einem bewusst antiautoritären Raum, in dem Kinder etwa Theater spielen, bauen, Musik machen und toben können.

Mit den 1980er Jahren beginnt in der Ausstellung der Kunsthalle Zürich eine Zeit des Niedergangs. Das Kind werde immer stärker als Konsument wahrgenommen, der Spielplatz zum kontrollierten Normraum, heißt es. Doch nun sei wieder Aufbruchstimmung zu spüren. Junge Architektinnen und Architekten suchten nach Antworten auf Fragen wie: „Wie können Kinder ihre Umgebung mitgestalten?“ Und: „Wo kann in einer dichten Stadt Freiraum für Kinder entstehen?“

Mit solchen Fragen befasst sich auch das Begleitprogramm zur Schau, etwa eine Radtour zu Spielplätzen in Frankfurter Stadtquartieren und Parks am Sonntag, 26. April, 11 Uhr, und eine „Urban Gaming Tour durch die Stadt“ für Kinder, Jugendliche und Erwachsene am Sonntag, 17. Mai, 11 Uhr.

Die Ausstellungist bis 21. Juni im Deutschen Architekturmuseum, Schaumainkai 43, zu sehen. Das ist jeweils Dienstag und Donnerstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr, Mittwoch von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Mehr zum Begleitprogramm unter www.dam-online.de

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