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Experiment auf sieben Quadratmetern

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In der Adolf-Miersch-Straße 46 wird Cubity gebaut.
In der Adolf-Miersch-Straße 46 wird Cubity gebaut. © Christoph Boeckheler

Im Oktober sollen zwölf Bewohner das minimalistische Haus Cubity im Frankfurter Stadtteil Niederrad beziehen. Innerhalb des ersten Jahres wird sich herausstellen, ob das Wohn-Projekt eine Zukunft hat.

Von Karina Wilczok

Ein Zimmer mit 7,2 Quadratmetern, mit Bett, Tisch, Stuhl, Schrank, Waschbecken, Dusche und Toilette, so viel Platz werden die zwölf Bewohner des Pilotprojekts Cubity haben. 50 Architekturstudenten der TU Darmstadt haben in neun Monaten ein zukunftsorientiertes Raumkonzept entwickelt, das Komfortansprüche und Gewohnheiten der Menschen in Wohlstandsgesellschaften infrage stellen soll.

Cubity ist eine quadratische Fachwerkkonstruktion aus Brettschichtholz. Das Energie-Plus-Haus unweit des S-Bahnhofs hat eine natürliche Belüftung durch Eckfenster und Abluftanlagen. Geheizt und gekühlt wird durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Bodenbereich.

Die sechs Meter hohen Außenwände bestehen aus v-förmig angeordneten Stützen. Auf der 16 mal 16 Meter großen Plattform sind die zwölf Wohnboxen, sogenannte Cubes, auf zwei Ebenen angeordnet. Die 7,2 Quadratmeter großen Cubes, die rund 250 Euro Miete monatlich kosten werden, gruppieren sich um einen zentralen Gemeinschaftsbereich, den sogenannten Marktplatz. Neben einer Gemeinschaftsküche gibt es einen barrierefreien Eingangsbereich sowie eine Außenterrasse, die für alle Hausbewohner zur Nutzung bereitstehen.

„Das ist ein radikales Raumkonzept“, erklärte Anett-Maud Joppien, Architekturprofessorin an der TU, beim Richtfest am Dienstag. Das vor drei Jahren entstandene Projekt basiere auf einer Studie, die gesellschaftliches Zusammenleben analysiert habe. Das Ergebnis: Menschen verbringen mehr Zeit in gemeinschaftlich genutzten Räumen als im Privatbereich. Also setzt Cubity auf große Gemeinschaftsräume und Minirückzugsmöglichkeiten für das Individuum.

Studentin Lucia Seiß ist skeptisch. „Auf nur 7,2 Quadratmeter Privatfläche könnte ich nicht wohnen“, sagte die 28-Jährige. „Durch meine WG-Erfahrungen weiß ich, dass ich lieber mehr Platz für mich als einen Gemeinschaftsraum hätte.“ Medizinstudentin Julia Weinsauer hingegen ist vom Pilotprojekt überzeugt und hat sich für einen Cube beworben. „Aber ob ich einziehe, entscheidet nun die Zufallsziehung.“ Noch ist unklar, wann die Plätze verlost werden.

Für insgesamt drei Jahre soll Cubity in Niederrad stehen. Im Oktober sollen acht Regelstudierende, drei studierende Flüchtlinge und ein begleitender Sozialwissenschaftler das 650 000 Euro teure Haus beziehen. Innerhalb des ersten Jahres wird sich herausstellen, ob das Experiment eine Zukunft hat. Hierzu werde eng mit den Bewohnern zusammengearbeitet, nach Bedürfnissen und Verbesserungen gefragt. Auch die Nachbarschaft soll durch ein Urban-Gardening-Projekt oder einen Grillplatz integriert werden. Unterstützt wird das Projekt von der Nassauischen Heimstätte, der Deutschen Fertighaus Holding AG und dem Studentenwerk Frankfurt.

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