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Männer müssen draußen bleiben: die Installation „what we observe“ auf dem Römerberg.
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Männer müssen draußen bleiben: die Installation „what we observe“ auf dem Römerberg.

Öffentlicher Raum

Frankfurt mit Experiment: Kein Zutritt für Männer

  • Helen Schindler
    VonHelen Schindler
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Im öffentlichen Raum werden marginalisierte Gruppen kaum berücksichtigt - darauf wollen vier Studentinnen mit einer Installation auf dem Römerberg aufmerksam machen.

Frankfurt am Main - Kein Zutritt für Männer“ steht in Versalien auf einem silbernen Schild. Es hängt am Eingang einer circa drei mal drei Meter großen Holzkonstruktion, die auf dem Römerberg in Frankfurt steht. Innen befindet sich eine Sitzbank aus Holz, ansonsten ist der Raum leer. Durch Holzstreben ist die Konstruktion halb offen. Der Blick von innen nach außen wird ermöglicht, umgekehrt wird er durch dünne Vorhänge erschwert. Die Konstruktion zieht viel Aufmerksamkeit auf sich, selbst bei Regen am Mittwochmittag bleiben viele Menschen, Männer wie Frauen, neugierig stehen, lesen die Infos, die auf einem zweiten Schild angebracht sind.

Entwickelt haben die mobile Holzkonstruktion aus Lärche, Fichte, Aluminium und Stahl die beiden Szenografinnen Josefine Köhler und Ina Trenk, die an der Hochschule für Gestaltung Offenbach studieren, und die beiden Kunsthistorikerinnen Sophie Schattner und Lina Parisius von der Universität Köln. Mit ihrer Installation „what we observe“ (engl.: „was wir beobachten“) stellen sie die Frage, wem der öffentliche Raum gehört.

„Frauen sind stärker von Gentrifizierung betroffen“

„Die Idee ist durch das Buch ,Feminist City – Claiming Space in a Man-Made World‘ (engl.: Feministische Stadt – Raum einfordern in einer von Männern gemachten Welt) von Leslie Kern entstanden“, sagt Josefine Köhler. Kern beschreibe darin, wie Bedürfnisse marginalisierter Gruppen im öffentlichen Raum oft nicht berücksichtigt würden. Das betreffe etwa Menschen mit körperlichen Einschränkungen, aber eben auch Frauen. Ein Beispiel: „Frauen sind stärker von Gentrifizierung betroffen und werden eher an den Rand der Stadt gedrängt“, so Köhler. „Es geht darum, wer Zugang zum öffentlichen Raum hat, wer sich darin uneingeschränkt bewegen kann.“

Die Idee der Installation sei es, als Frau beobachten zu können, ohne selbst beobachtet zu werden. Der Satz „Kein Zutritt für Männer“ sei absichtlich provozierend gemeint. „Das Thema sind ja Ungleichverhältnisse. Wir haben das extrem auf die Spitze getrieben. Wir haben eine Wand, eine Grenze hochgezogen, die nicht überschritten werden darf.“ Dabei wollen die Studentinnen auch darauf aufmerksam machen, dass durch das Zwei-Geschlechter-System viele Menschen außen vor blieben.

Frankfurt mit Experiment: Viele gehen humorvoll damit um

Köhlers Erfahrung nach haben „fast alle etwas zu der Installation zu sagen“. Die Studentinnen sind oft selbst vor Ort, geben sich aber nicht zu erkennen. Es sei Teil des Experiments, dass Passantinnen und Passanten sich fragten, wer dahinterstecke. „Ständig kommen Kommentare, es gibt Zuspruch, viele gehen humorvoll damit um, aber es gibt auch sehr viel Wut von Männern, die sagen, dass es eine Form von Diskriminierung ist oder dass wir doch in einer freien Gesellschaft lebten, wo so etwas nicht nötig sei“, berichtet Köhler. Nur einmal habe sie erlebt, dass ein Mann den Raum betreten habe.

Noch bis Sonntag steht die Installation auf dem Römerberg, danach wird sie den Winter über eingelagert. Im kommenden Jahr wollen die Studentinnen ihr Projekt auch in andere Städte tragen. (Helen Schindler)

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