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Pia Baumann hat heute gehörig zu tun, aber auch Zeit für Entspannung im Kreis der Familie ist eingeplant.

Pfarrerin Pia Baumann

Den Zauber der Weihnacht in Worte fassen

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Pfarrerin Pia Baumann aus Frankfurt liebt die Predigten an Heiligabend besonders. Und wie gestaltet sich der 24. Dezember bei ihr persönlich?

Pia Baumann ist Pfarrerin der evangelischen Gemeinde in Bockenheim und wird am heutigen Heiligen Abend den Familiengottesdienst und die Christmette gestalten und mit ihrer Predigt bereichern. Doch um ein Haar wäre die 49 Jahre alte Frau gar nicht in Bockenheim gelandet – unter Umständen wäre sie heute vielleicht gar nicht Pfarrerin. Denn Ende der 90er-Jahre waren Pfarrstellen rar und Pia Baumann schlug einen anderen Weg ein.

„Dabei haben mein Name und meine Wohnorte doch schon erste Zeichen gegeben“, sagt Baumann. Pia, die weibliche Form von Pius, bedeutet die Fromme. Allerdings komme sie gar nicht aus einer kirchlichen Familie. Vielleicht fanden die Eltern den Klang des Namens einfach schön.

Das zweite Zeichen lieferte der Ort Heiligenhaus, eine Stadt in Nordrhein-Westfalen. Baumann ist im Ruhrgebiet geboren und lebte einige Zeit in der Stadt mit dem Heiligen im Namen. Als die Familie umzog ging es nach Seligenstadt im Landkreis Offenbach – die Zeichen verdichteten sich. Doch den entscheidenden Ausschlag gaben der Konfirmandenunterricht und die Pfarrer, die politisch sehr aktiv waren. „Das hat mich immer beeindruckt.“ Die Pfarrer wurden für Baumann zu Vorbildern, weil sie sich zu Themen positionierten.

Die 49-Jährige ist sich sicher, dass Glaube und Welt zusammengehören. Die Kirche habe auch heute noch etwas zu sagen, was die Menschen hören sollten. „Der christliche Glaube ist politisch. Wir müssen uns für ein Leben einsetzen, das gut und gerecht ist.“ Baumann wisse, dass es oft schwer sei etwas zu tun, aber klar ist, man müsse etwas tun.

Durch den Kontakt zu den politisch aktiven Pfarrern stand für Baumann fest, dass sie Theologie in Frankfurt und Bochum studieren wollte. Im Laufe des Studiums kam ihr dann auch die Idee, Pfarrerin zu werden. Doch dann kam der Knick. Ende der 90er-Jahre waren Pfarrstellen knapp und Baumann musste sich nach etwas anderem umschauen. Kurzerhand wurde sie Schauspielagentin und tauchte für vier Jahre in die Kulturwelt Bochums ab. „Diese Zeit war gut für mich“, resümiert Pia Baumann heute. Sie lernte sich gut zu organisieren und entdeckte bei Vorstellungsbesuchen „was man mit Worten machen kann, wenn sie gesprochen werden“. Davon profitieren nun ihre Predigten.

Schließlich kam für die Frankfurterin der Punkt an dem sie sich entscheiden musste, ob sie sich als Agentin selbstständig machen wollte. „Ich wollte dann aber mit 90 nicht denken, was wäre gewesen, wenn du Pfarrerin geworden wärst.“ Also rief Baumann bei der Landeskirche an und fragte nach. Die Kirche holte sie zurück und so kam die 49-Jährige zunächst nach Rüsselsheim und später nach Sachsenhausen und Niederrad.

Seit 2012 ist sie in Bockenheim. „Dorf ist nicht so meins“, sagt Baumann. Ganz im Gegensatz zu ihrer jüngeren Schwester, die Heilpädagogin in einem kleinen Dorf ist.

Und wie gestaltet sich der 24. Dezember bei der Pfarrerin? „Ab 9 Uhr bin ich in der Kirche.“ Bis das Krippenspiel im Freien beginnen kann, müsse noch viel organisiert werden. Gegen 10 Uhr kommt die Licht- und Tontechnik, um 13 Uhr proben die Darsteller das letzte Mal – und dann erstmals mit richtigen Mikrofonen. „Bei den Proben benutzen wir Löffel, die mit Nummern beklebt sind“, verrät Baumann. Damit Hirte Nummer drei auch weiß, dass er Mikrofon Nummer fünf braucht.

Wenn der Familiengottesdienst heute um 16 Uhr beginnt, werden tausend Besucher dabei sein, schätzt die Pfarrerin. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Rüdiger Kohl wird sie den Gottesdienst gestalten. Danach werde sie etwas aufräumen, Pfarrer Kohl hält um 18.30 Uhr die Christvesper. „Nach dem Aufräumen ziehe ich mich um und werde zu Hause etwas entspannen.“ Gemeinsam mit ihrem Mann, den zwei kleinen Töchtern, dem Kater und anderen Familienangehörigen werde am Abend gefeiert. „Es gibt Lieder, die Weihnachtsgeschichte und auch Geschenke“, verrät die 49-Jährige. Die älteste Tochter der Patchwork-Familie ist zurzeit im Ausland unterwegs und wird diesmal nicht bei der Feier dabei sein.

Um 23 Uhr ist Baumann nochmals in der Kirche am Bockenheimer Kirchplatz. Dann gestaltet sie die Christmette. „Ich liebe die Weihnachtsgottesdienste sehr.“ Man müsse die Spannung zwischen dem Wunsch nach Traditionellem und einer zeitgemäßen Predigt schaffen. „Ich versuche das Wunder der Weihnacht mit aktuellen Gegebenheiten, auch aus der Politik, zu koppeln.“ Für Pia Baumann steht fest, dass es Kirche auch in 2000 Jahren noch geben werde. Zwar kämpfe die Kirche mit Mitgliederschwund, doch man dürfe den Kopf nicht in den Sand stecken. „Wir müssen schauen, dass wir Punkte finden bei denen wir andocken können.“ Bei vielen Aktionen und Veranstaltungen sei das Interesse der Menschen sehr groß. Diese Dinge müsse man weiter ausbauen.

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