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Die Kinder lernen das vorsichtige Spielen mit Feuer.

Zeilsheim

Feuer spucken gegen Langeweile

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Die evangelische Kirchengemeinde in Zeilsheim richtet sich vor allem an Schulkinder, die nicht in den Urlaub fahren und denen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt. In Kooperation mit der Adolf-Reichwein-Schule bietet sie daher unter dem Motto „Kannst du nicht war gestern“ sechs Tage lang betreutes Sommerferienprogramm für Kinder an.

Auch wenn sich viele das nicht gerne eingestehen: Sommerferien und sechs Wochen freie Zeit können ganz schön langweilig werden. Insbesondere dann, wenn man nicht in den Urlaub fahren kann. Die evangelische Kirchengemeinde in Zeilsheim hat genau das erkannt. In Kooperation mit der Adolf-Reichwein-Schule bietet sie daher unter dem Motto „Kannst du nicht war gestern“ sechs Tage lang betreutes Sommerferienprogramm für Kinder an.

Es ist ein ungewöhnlich Anblick: Mitten auf dem Schulhof der Adolf-Reichwein-Schule in Zeilsheim steht ein großes blaues Zirkuszelt. „12 Tonnen Material, das wir gestern mit den Teamern und ein paar Eltern in acht Stunden Arbeit selbst aufgebaut haben“, erklärt Thorsten Rast, mit leicht stolzer Stimme. Der 20-jährige Zeilsheimer ist schon das zweite Mal als Betreuer beim Projekt dabei. 2011 fand das Projekt erstmals statt. „Das war damals ein voller Erfolg“, resümiert Pfarrer Michael Scherer-Faller, der das Kinderferienprogramm auch diesen Sommer wieder mitorganisiert hat. Seine Frau Karin Faller hatte damals ein ähnliches Zirkusprojekt gesehen und ihn auf die Idee gebracht. „Zirkus ist einfach etwas für Kinder, das begeistert sie“, sagt er. An dem Programm können alle Kinder im Grundschulalter teilnehmen. Auf dem Pausenhof verbringen sie an diesem heißen Sommertag ihre Ferienzeit, lachen jonglieren und spielen wortwörtlich mit dem Feuer, wenn sie die Kunst des Feuerspuckens kennenlernen.

Offen für alle Religionen

Initiator Scherer-Faller betont: Obwohl, das Projekt von der evangelischen Kirchengemeinde veranstaltet wird, stehe es allen Kindern, egal ob christlich, muslimisch, oder gar nicht konfessionell, offen und das ganz bewusst. „Wir wollen den Dialog fördern und den Stadtteil stärken“, erklärt der Theologe. Ein Teil der Projektkosten von insgesamt 15 000 Euro stammt aus seiner Gemeinde, einen anderen Batzen kam durch Spenden zusammen. Die Kinder zahlen für die sechs Tage inklusive Mittagessen nur 50 Euro. „Vieles im Zirkus ist Teamarbeit, insbesondere bei akrobatischen Nummern. Da müssen sich alle aufeinander einlassen“, erläutert Scherer-Faller. Spielerisch könne so das Miteinander der Kinder gestärkt werden. Als Religionslehrer an der Adolf-Reichwein Schule habe er die positiven Auswirkungen nach dem Projekt in der Vergangenheit direkt gespürt: „Die Kinder waren viel harmonischer“, erklärt der Pfarrer aus Zeilsheim. Außerdem stärke das Zirkusprogramm das Selbstbewusstsein der Kinder und helfe ihnen auch herauszufinden, worin sie gut sind.

Am Anfang etwas schüchtern

Noch läuft das mit dem Selbstbewusstsein etwas zögerlich ab. Am Montagvormittag hatten die angehenden Zirkusakrobaten Gelegenheit, sich auszuprobieren und zu entscheiden, ob sie lieber Jonglieren, ans Trapez oder zum Feuerspucken wollen, oder sich doch lieber den Clowns oder einer der insgesamt 16 anderen Workshops anschließen wollen. „Ich habe heute mit Feuer experimentiert. Das war etwas warm“, berichtet die neunjährige Larissa aufgeregt. Die Kinder in der Gruppe nesteln noch etwas verschüchtert an ihren T-Shirts herum oder schauen zu Boden, als sie den anderen erzählen sollen, wie sie heißen. „Das wird am Ende der Woche sicher ganz anders aussehen“, ist sich Gemeindepädagoge Michael Speh sicher.

Möglich wird das Ganze auch, weil viele Jugendliche ehrenamtlich mithelfen. „Wir sind eine große Familie hier, das ist schon super“, sagt der Helfer Rast begeistert. Und schon muss er wieder los, weil eine Lautsprecherdurchsage ihn, begleitet von lautem Gejohle und Geklatsche, in die Manege ruft.

Zum Abschluss des Projektes führen die Kinder am Samstag um 12 und 15 Uhr eine Zirkusshow auf. Der Eintritt kostet 4 Euro für Erwachsene und 2 Euro für Kinder.

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