Gedenken

Erinnerung an Reichspogromnacht

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Vor 80 Jahren brannten auch in Frankfurt Synagogen. Gedenkstunden, Rundgänge, Vorträge und ein Film.

Zerstörte Synagogen, geschändete Friedhöfe, verwüstete Ladengeschäfte und Hunderte Tote: Die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 jährt sich zum 80. Mal. Zahlreiche Veranstaltungen gedenken der Juden, die Opfer der antisemitischen Angriffe und des anschließenden Holocausts wurden.

Die Jüdische Gemeinde Frankfurt sowie deren hessischer Landesverband erinnern daran mit einer öffentlichen Gedenkstunde in der Westend-Synagoge bereits am Donnerstag, 8. November, ab 18.30 Uhr. In der Paulskirche findet am Freitag, 9. November, eine zentrale Gedenkveranstaltung für geladene Gäste statt. 

Am Nachmittag des 9. November werden verschiedene Rundgänge angeboten. „Im Gehen erinnern!“ trifft sich um 13.30 Uhr an der Südseite des Doms. Via Börneplatz, alter jüdischen Friedhof und Paul-Arnsberg-Platz geht es in zwei Stunden zur Gedenkstätte an der Europäischen Zentralbank. 

Ebenfalls um 13.30 Uhr beginnt am Museum Judengasse eine Führung zu weniger bekannten Orten des jüdischen Lebens im Ostend. Auch dort waren 1938 Plünderer und Brandstifter unterwegs. Ein zweiter Spaziergang startet um 15.30 Uhr am Ostbahnhof/Danziger Platz. Beide Ostend-Rundgänge kosten zehn Euro, Anmeldung unter info@juedischesmuseum.de.

Neue Gedenktafel

Auch an ehemaligen Synagogenstandorten gedenken Menschen am Freitagabend der Pogromnacht. Um 18 Uhr wird am Höchster Ettinghausenplatz eine Gedenktafel eingeweiht. Gleichzeitig beginnt in Bockenheim eine Mahnwache an der Ecke Schlossstraße/Rödelheimer Straße. An den Hochbunker in der Friedberger Anlage 5–6 werden von 16 bis 19 Uhr Bilder der an dieser Stelle von den Nazis in Brand gesetzten Synagoge projiziert. Im Bunker sind drei Ausstellungen geöffnet.

Die lokale Stolperstein-Initiative ruft dazu auf, die stadtweit fast 1400 in den Boden eingelassene Gedenktafeln aus Messing zu reinigen. Auch können Kerzen entzündet und Blumen niedergelegt werden. Am Freitag beginnt um 16 Uhr ein Rundgang zu Stolpersteinen im Fischerfeldviertel, Treffpunkt ist am Buchladen Büchergilde, Staufenmauer 5, nahe der Konstablerwache. Eine Stunde später wird dort das neue Buch „Stolpersteine in Frankfurt am Main. Zehn Rundgänge“ vorgestellt.

Außerdem laden Kirchengemeinden zu Gedenkgottesdiensten. In Heddernheim am 9. November um 19 Uhr (katholische Kirche, Oranienstraße 16), im Nordend am selben Tag ebenfalls um 19 Uhr (evangelische Kirche, Martin-Luther-Platz 1) sowie in Nieder-Erlenbach am 10. November, 18 Uhr (evangelische Kirche, Zur Charlottenburg 1).

In den darauffolgenden Tagen geht das Gedenken weiter. Am Samstag, 10. November, wird ab 18.30 Uhr am Haupteingang des Südbahnhofs der 3155 jüdischen Männer gedacht, die allein von dort aus in den Jahren nach der Reichspogromnacht deportiert wurden. 

„Shoah“ heißt die neunstündige Dokumentation des erst kürzlich in Paris verstorbenen Claude Lanzmann. Sie wird in zwei Teilen am Sonntag, 11. November, und Montag, 12. November, im Filmforum Höchst gezeigt. Beginn ist jeweils um 18.30 Uhr.

Wie verändert sich Gedenken, wenn immer mehr Zeitzeugen verstummen? Darüber spricht der jüdisch-französische Philosoph Bernard-Henri Lévy am Montag, 12. November, 19 Uhr, im Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum, Westendstraße 43. Der Eintritt beträgt zehn Euro (ermäßigt sieben Euro). Eine Anmeldung unter www.jg-ffm.de/karten ist nötig.

Dort müssen sich auch Besucher einer Ausstellung zu Träumen und Hoffnungen von Kindern während des Holocausts registrieren. Entwickelt von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem, ist sie aktuell an der Lichtigfeld-Schule im Nordend (Hebelstraße 15-19) zu Gast. Privatpersonen können die Schau während einer Führung am 15. November um 16 Uhr kostenlos besichtigen. 
Am selben Tag wird in Eschersheim aus den Briefen der jüdischen Ärztin Lilli Jahn vorgelesen. Beginn ist um 19.30 Uhr in der evangelischen Andreasgemeinde, Kirchhainer Straße 2.

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