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Eine Orgel muss regelmäßig gewartet werden, weiß Organist Michael Schneider - hier an der Orgel der Marienkirche in Seckbach.

Seckbach

Alle Register für die Königin der Instrument

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Mariengemeinde startet Fundraising-Kampagne für Orgel-Sanierung. Geplant sind etwa Konzerte, ein Sponsorenlauf und seine Spenden-Radtour.

Triumphal, atmosphärisch, festlich oder besinnlich. Die Orgel in der Seckbacher Marienkirche hält für jeden Anlass die passende Stimmung bereit – ob Hochzeit, Trauerfeier oder Weihnachten. „Nicht umsonst nennt man sie Königin der Instrumente“, schwärmt Organist Michael Schneider. Auch Pfarrerin Ute Pietsch ist froh über das Instrument. „Unsere Orgel ist sehr hochwertig. Das ist toll, bringt aber auch Verantwortung mit sich.“ Eine kostenintensive Grundreinigung sei überfällig.

Die Barockkirche wird schon mit der dritten Orgel bespielt. Den handschriftlichen Kaufvertrag des ersten Instruments von 1868 bewahrt Ute Pietsch in einem Ordner auf – es ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Weil die folgende „Notorgel“ von minderer Qualität war, wurde 1979 die renommierte Orgelbaufirma Karl Schuke aus Berlin beauftragt, eine neue Orgel anzufertigen: 1396 Orgelpfeifen, aus Eisen und Holz, bedienbar an zwei Manualen und einem Pedal.

„Die Seckbacher Orgel hat stolze 22 Register“, sagt Organist Schneider, „das heißt jeden Ton gibt es in 22 verschiedene Tonfarben, die ich auch mischen kann. Dadurch können verschiedene Stimmungen erzeugt werden.“ Seit vierzig Jahren tut die Orgel mehrmals in der Woche ihren Dienst. Dass sie jetzt saniert werden soll, hat mehrere Gründe.

„Jede Orgel sollte alle 20 Jahre gereinigt werden“, weiß Michael Schneider. „Das ist wie bei einem Auto. Sie muss gepflegt werden.“ Aber generell sei sie „zupackend“ und habe eine „kräftige, direkte Ansprache“, beschreibt der Lehrer und nebenamtliche Kirchenmusiker den Klang. „Mit der Orgel könnte ein Raum bespielt werden, der viermal so groß ist.“ Beim Umbau des Kirchenraums 2012 wurde Holz und Stoff entfernt und ein Marmorboden verlegt, was diese Klanglichkeit noch verstärkt habe. Außerdem habe sich – trotz luftdichter Verpackung – dabei Staub abgelagert, was laut einem Gutachten zu hörbaren Windgeräuschen führt.

Welche Firma die Grundreinigung in ihrer Werkstatt und die Neuintonierung, also die klangliche Anpassung an den Kirchenraum übernehmen soll, ist noch nicht klar. Dass das Vorhaben nicht günstig ist, hingegen schon. Bis zu 40 000 Euro kommen auf die evangelische Gemeinde zu. Doch Ute Pietsch, seit 1996 Pfarrerin in Seckbach, hat viele Ideen wie der nötige Betrag zusammengetrommelt werden kann. Erst dann soll ein Sanierungs-Angebote eingeholt werden.

Zunächst werden Zuschüsse beim evangelischen Regionalverband beantragt. Für den restlichen Betrag hofft die Pfarrerin auf die Unterstützung von Gebern, Gönnern und der gesamten Gemeinde: Sie möchte eine Fundraising-Kampagne starten. Schon bei der Renovierung des Gemeindezentrums und des Kindergartens habe sie damit gute Erfahrung gemacht.

Und Ideen für Spendenaktionen gibt es reichlich: Bei einem „Takt für Takt“-Konzert sollen einzelne Takte an die Besucher verkauft werden. Ist der letzte bezahlte Takt gespielt, hört das Konzert auf. Denkbar ist auch eine „Orgel-Radel-Tour“, bei der verschiedene Kirchen in der Umgebung angefahren werden, wo Orgel-Stücke gespielt werden. Oder ein Sponsorenlauf, bei dem jeder für eine Orgel-Pfeife läuft.

„Darüber, dass das viel Geld ist, was auch an anderer Stelle benötigt wird, habe ich mir viele Gedanken gemacht“, sagt Pietsch. „Trotzdem glaube ich, dass wir unsere gute Orgel, auch als Verkünderin, wertschätzen sollten.“

Spenden für die Orgel können an die Mariengemeinde auf das Konto IBAN DE69 5005 0201 0000 4054 26 überwiesen werden.

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