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Einmal mit AKK ein Foto machen, dieser junge Mann erfüllt sich einen Wunsch.

Wahlkampf

„Das ist vielleicht die nächste Kanzlerin, Bruder!“

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CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer wirbt um Stimmen für die Europawahl im Frankfurter Einkaufszentrum.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer aka AKK löst im und vor dem Einkaufszentrum My Zeil in der Frankfurter Innenstadt die unterschiedlichsten Reaktionen aus: Ein Teenie-Mädchen läuft vor lauter Aufregung gegen einen Mülleimer, als sie versucht, so viele Fotos wie möglich von AKK zu machen. Ein junger Mann wundert sich, warum denn diese Frau mit dem blauen Sakko und den schwarzen Lackschuhen, umgeben von Bodyguards, Kamerateams und sonst so viel Leuten die lange Rolltreppe hoch fährt. Er fragt laut: „Kennt man die?“ Sein Kumpel klärt ihn auf: „Das ist vielleicht Germany’s Next Merkel, also die nächste Kanzlerin, Bruder.“ Ein Mann mittleren Alters kennt sie auch nicht und als er es erfährt, bleibt er unbeeindruckt und zuckt bloß mit den Schultern. Der 27-jährige Fourd sagt: „Ich mag Merkel, ich mag CDU, also mag ich auch AKK. Und schreiben Sie bitte auf: Ich komme aus Marokko.“

Überhaupt machen auffallend viele junge Männer, ob aus dem Vogelsbergkreis oder eben auch mit Eltern oder Großeltern aus Marokko an diesem Samstagnachmittag ein Selfie mit AKK. Einer von ihnen ist Manuel. Der 23-Jährige trägt Sonnenbrille zur Zahnspange. Er sagt: „Meine Mama mag Kramp-Karrenbauer. Ich bekomme zu Hause Pluspunkte, wenn ich das Foto mit AKK zeige.“ Ein anderer wünscht ihr nicht nur viel Spaß in Frankfurt, sondern bittet sie dann sogar tatsächlich um einen CDU-Flyer zur Europawahl, den sie in der Hand hält. Denn AKK hat natürlich einen Grund, warum sie „spontan mal in den Eintracht-Fanshop einfällt“, wie sie sagt, oder mal durch Foodtopia, die neue „My-Zeil-Gastromeile“, läuft.

Genau, es geht darum, die Leute davon zu überzeugen, bei den Europawahlen am 26. Mai nicht nur überhaupt wählen zu gehen, sondern auch bitte gleich ihr Kreuzchen für die CDU zu machen. Und so sind beim fröhlichen wie leicht chaotischen Rolltreppen Hoch- und Runterfahren dann auch die hessischen CDU-Kandidaten Sven Simon, Michael Gahler und Verena David dabei. Als Selfie-Motiv sind sie aber weniger gefragt. Deswegen ist AKK da, um sie zu unterstützen. Das Motto der Christdemokraten zur Europawahl lautet: „Unser Europa macht stark. Für Sicherheit. Frieden und Wohlstand“.

Prima Klima

Und dann gibt es noch eine Wahlkampfrede direkt auf der Zeil beim CDU-Stand. Da betont AKK auch, dass sie sich für den Klimaschutz „etwas Klügeres einfallen lassen möchte“ als eine CO2-Steuer. Denn das ginge bloß „auf den Geldbeutel der kleinen Leute auf dem Land“, die aufs Auto angewiesen seien. Und es koste Arbeitsplätze in der Autoindustrie. Ältere CDU-Wähler applaudieren. Ein Herr ruft „Bravo“, als sie sagt, „Wohlstand für alle“. Auch als sie betont, die Grenzen nach außen sichern zu wollen, wird geklatscht. Schließlich sind auch noch zwei Fragen aus dem Publikum erlaubt. Diese Chance ergreift Konstantin Nimmerfroh.

Der 18-jährige Frankfurter ist Aktivist bei „Fridays for Future“. Er fragt sie, wie die CDU gewährleisten wolle, dass es die Erde noch in 20 bis 30 Jahren geben werde. AKK spricht wieder von Klimaschutz, der verträglich mit der Wirtschaft sein müsse und von Eckpunkten, die die CDU in den nächsten Wochen erarbeiten wolle. Nimmerfroh sagt: „Kramp-Karrenbauer ist der Frage ausgewichen. Das Argument mit der Automobilindustrie ist aus der Luft gegriffen. Es gibt doch Elektroautos und Wasserstoffautos. Die CDU muss wie alle anderen Parteien sofort handeln. Das ist nicht verhandelbar.“

Auch nicht verhandelbar ist für einen jungen Mann, dass AKK Kanzlerin wird. „Bitte nicht Kramp-Karrenbauer. Sie lehnt die Homoehe ab und vergleicht sie mit Inzest. Ich selbst bin schwul und finde solche Aussagen unmöglich und sie sind ein gesellschaftlicher Rückschritt.“ In diesem Moment rennt ein junger Mann vorbei: „Ich habe AKK die Hand gegeben und werde sie niemals mehr waschen. Sie ist einfach so sympathisch.“ Der Mann und sein Lebenspartner schütteln den Kopf: „Es wird oft nur noch nach Sympathie gewählt, also wie nett jemand beim Selfie lächelt. Ich wette, er weiß gar nicht, für was AKK politisch steht.“

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