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Zwischendrin schien die Sonne, aber sonst war es vor allem sehr kalt am Goetheplatz.

Pulse of Europe

Pulse of Europe in Frankfurt: „Es fehlen die jungen Gesichter“

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200 Menschen kommen zur proeuropäischen Bewegung „Pulse of Europe“ in die Frankfurter Innenstadt.

Was immer du wählst, wähl Europa“ steht nicht nur auf der Bühne auf dem Frankfurter Goetheplatz. Einige Menschen, die sich am Sonntag vor der Bühne versammelt haben, haben diesen Aufruf auch als Aufkleber auf der Brust und tragen ihn im Herzen.

Viele Männer und Frauen haben die Europaflagge fest um ihren Körper gewickelt. Andere halten die Flaggen hoch. Es ist Sonntag und die proeuropäische Bewegung Pulse of Europe, die vor zweieinhalb Jahren in Frankfurt ins Leben gerufen wurde, hat eingeladen. Einmal im Monat immer sonntags zwischen 14 und 15 Uhr versammeln sich hier Menschen, die gegen rechte Strömungen und pro Europa eingestellt sind. „Jetzt vor den Europawahlen in drei Wochen sind wir jeden Sonntag hier“, sagt Stephanie Hartung, Sprecherin von Pulse of Europe.

Und obwohl es nun wirklich der Countdown zur Europawahl ist, ist die Anzahl derer, die gekommen sind, überschaubar. 250 Menschen sind es laut Polizei. Zu Höhepunktzeiten von Pulse of Europe kamen bis zu 5000.

Eine junge Touristen kauft sich noch schnell am Stand ein „Pulse of Europe“-T-Shirt, Hipster-Turnrucksäcke mit der Aufschrift gibt es auch. Sehr viele der Zuschauer sind um die 60 und älter. „Ich bin immer bei Pulse of Europe dabei. Weil ich weiß, dass Frieden nicht auf Bäumen wächst. Ich selbst war ein Flüchtlingskind im Zweiten Weltkrieg“, erzählt Waltrud Nutz. Schade findet sie, dass so wenig junge Leute gekommen sind. „Die Politiker können nicht rüberbringen, für was Europa steht“, sagt ihre Freundin.

Eine Frau ist sogar aus einer Kleinstadt in Norddeutschland nach Frankfurt angereist. „Ich finde es toll, dass so viele Leute in Frankfurt Gesicht für Europa zeigen, auch wenn die jungen Gesichter leider fehlen.“ Aber für viele junge Leute sei es auch selbstverständlich, dass sie innerhalb von Europa ohne Passkontrollen überall reisen und studieren könnten, ohne Geld wechseln zu müssen.

„Ein vereintes Europa ist unerlässlich“

„Ich erinnere mich da noch an ganz andere Zeiten, vielleicht sind deshalb auch so viel mehr ältere Menschen hier.“ Aber es gibt auch Ausnahmen. Wie Isabel. Sie ist 21 und, wie sie sagt, schon zum fünften Mal bei Pulse of Europe dabei. „Ich nehme immer wieder eine andere Freundin mit. Denn ja, für die meisten meiner Freunde ist Europa und die Wahl leider gar kein Thema. Ich möchte aber all die Vorteile der EU nicht als selbstverständlich hinnehmen.“ Wen sie wählen wird, weiß sie noch nicht. Später werden Teammitglieder der „Pulse of Europe“-Bewegung fast schon spielerisch auf der Bühne mit bunten Hüten erklären, welche Partei für welche Pläne in Europa steht.

Besonders ist an diesem Tag, dass Pulse of Europe nicht nur den evangelischen Stadtdekan Achim Knecht und sein katholisches Pendant Johannes zu Eltz eingeladen hat, sondern es sprechen auch Said Barkan, Vorsitzender vom Zentralrat der Muslime Hessen, und Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank.

„Dass wir beide Stadtdekane zusammen auftreten, ist kein Zufall, sondern ein Statement“, sagt Johannes zu Eltz zu Beginn. Und er betont: „Ein vereintes Europa ist unerlässlich. Gerade in Zeiten, in denen Europa sich Nationalismus und Fremdenhass entgegenstellen muss.“ Da sind sich alle vier Sprecher einig. „Europa ist eine Bereicherung für uns alle“, sagt Barkan und er betont, dass der Zentralrat der Muslime Hessen bei den Freitagspredigten dazu aufrufen werde, für ein freies Europa wählen zu gehen.

Applaus aus dem Publikum. Besonders viel Applaus gibt es auch für den Auftritt von Klimaforscher und Frankfurter Goethe-Uni-Professor Joachim Curtius. Denn dieser erklärt nicht nur, dass, wenn die Menschheit nicht endlich anfängt CO2 weltweit drastisch zu reduzieren, der Hitzesommer 2018 als ein kalter Sommer in die Erinnerung eingehen wird. Und das ist nur einer seiner drastischen Aussichten. Und deshalb betont er am Ende: „Wenn wir in Europa etwas erreichen wollen, müssen wir als geeintes Europa auftreten.“ Denn: „Das globale Haus brennt, wir dürfen nicht länger sitzen bleiben.“

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