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Frankfurt am Main: Die Grünen sind die mit Abstand stärkste Kraft in der fünftgrößten deutschen Stadt.

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Frankfurter Jusos fordern Austritt der SPD aus der Groko

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    Georg Leppert
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Die Frankfurter Jusos attackieren den Bundesvorstand. Die Grünen siegen in fast allen Frankfurter Stadtteilen.

In der SPD geht die Angst um, nach dem desaströsen Ergebnis der Europawahl auch bei der Kommunalwahl im Frühjahr 2021 einzubrechen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere gute Arbeit in Frankfurt von der Bundespartei zunichte gemacht wird“, sagte der Frankfurter Juso-Sprecher Simon Witsch der FR. Und fügte hinzu: „Gegen den desolaten Zustand der Bundespartei sind keine Wahlen zu gewonnen – auch nicht in Frankfurt.“

Die Jusos fordern deshalb den Austritt der SPD aus der Koalition mit der CDU auf Bundesebene. Die stellvertretende Unterbezirksvorsitzende Sylvia Kunze verlangte im Gespräch mit der FR eine sofortige Urwahl des SPD-Bundesvorstandes durch die Mitglieder. Außerdem müsse die Partei die große Koalition mit der CDU auf Bundesebene verlassen. Eine Alternative könnte ein rot-rot-grünes Bündnis sein, wie es jetzt auch in Bremen diskutiert werde. Die Partei beruft wegen des desolaten Ergebnisses bei der Europawahl für den Samstag eine außerordentliche Konferenz der Ortsvereinsvorsitzenden ein.

Die SPD hatte am Sonntag bei der Europawahl massive Verluste hinnehmen müssen. In Hessen kamen die Sozialdemokraten auf 18,4 Prozent – ein Einbruch von knapp zwölf Prozentpunkten im Vergleich zur Europawahl 2014. Ebenso deutlich fielen die Verluste in Frankfurt aus. Die großen Gewinner waren die Grünen, die in Hessen auf 23,4 Prozent kamen (ein Plus von fast 13 Punkten) und in Frankfurt mit 31,3 Prozent das beste Ergebnis ihrer Geschichte erzielten.

Grüne sind mit Abstand stärkste Kraft in Frankfurt

Dass die Grünen die mit Abstand stärkste Kraft in der fünftgrößten deutschen Stadt sind, wurde am Montag noch einmal bei der Pressekonferenz der Stadt zur Wahl deutlich. Wie die detaillierte Auswertung ergab, bekamen die Grünen in 38 Stadtteilen die meisten Stimmen. Nur in Zeilsheim, Sindlingen, Sossenheim, Schwanheim, Harheim und Nieder-Erlenbach war die CDU stärker. Die SPD, die vor fünf Jahren noch in 23 Stadtteilen stärkste Kraft war, gewann keinen einzigen Ortsteil von Frankfurt. Selbst in ihrer Hochburg im Riederwald landeten die Sozialdemokraten um 0,7 Prozentpunkte hinter den Grünen.

Die Grünen konnten vor allem im Nordend, Bornheim, Sachsenhausen, Ostend und Bockenheim hohe Gewinne einfahren – also in jenen Stadtteilen, in denen traditionell viel grünes Klientel wohnt. Dieses habe die Partei zu 80 Prozent mobilisieren können, sagte Wahldezernent Jan Schneider (CDU) am Montag. Hinzu kamen Stimmen von früheren SPD-Wählern.

Vor allem aber feierten die Grünen bei Erstwählern und früheren Nichtwählern große Erfolge. Mehr als 40 000 Menschen aus dieser Gruppe stimmten für sie. Das macht etwa die Hälfte der gesamten Voten für die Partei aus.

Entsprechend gestärkt gehen die Frankfurter Grünen in die kommenden zwei Jahre bis zur Kommunalwahl. Die Kreisvorsitzende Beatrix Baumann bot den Koalitionspartnern von CDU und SPD am Montag eine „Klima-Allianz“ an, um den lokalen Klimaschutz schneller vorantreiben zu können.

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