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Landtagsabgeordneter Bocklet (l.) und Kreissprecher Bergerhoff.

Europawahl

Frankfurter Grüne schreiben Geschichte

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Die Frankfurter Grünen waren nie stärker als bei der Europawahl.

Im Überschwang der Gefühle macht Marcus Bocklet einen weitreichenden Vorschlag. Mit sofortiger Wirkung, so rät der Landtagsabgeordnete der Grünen, sollte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) den Bundesvorsitz der SPD übernehmen. Schließlich sei Feldmann doch so erfolgreich – Stichwort: 70 Prozent bei der OB-Wahl. Dann müsse in Frankfurt aber ein neuer Oberbürgermeister gewählt werden, genauer gesagt eine neue Oberbürgermeisterin, denn bei dem derzeitigen Höhenflug der Grüne werde natürlich die Kandidatin seiner Partei gewinnen. Namentlich: die Stadtverordnete Ursula auf der Heide. Die steht neben Bocklet und fragt sich vermutlich, ob ihr Parteifreund gerade den Verstand verloren hat. Was aber auch nicht schlimm wäre an so einem Abend, an dem die Frankfurter Grünen den größten Erfolg ihrer Geschichte feiern.

2011, nach der Atomkatastrophe von Fukushima, hatten die Grünen bei der Kommunalwahl mal knapp 26 Prozent geholt. Und bei der Landtagswahl 2018 wurde die Partei mit einem ähnlichen Ergebnis sogar stärkste Kraft in Frankfurt. Doch das ist nichts gegen das Resultat am Sonntagabend. Mehr als 31 Prozent sind es am Ende. „Wir sind bei Europawahlen fast immer gut, aber so etwas ist wirklich ganz, ganz stark“, sagt Kreisvorsitzende Beatrix Baumann. Und ihr Kollege Bastian Bergerhoff versucht es in dem ganzen Trubel sogar noch mit Inhalten: „Der Klimaschutz ist endlich in das Bewusstsein aller Mensch getreten.“

Grün beherrscht die Frankfurter Wahlkarte

Derweil starrt Fraktionsvorsitzende Jessica Purkhardt auf eine virtuelle Karte, auf der Frankfurt in Wahlbezirke unterteilt ist. In jedem Bezirk ist ein schwarzer, roter, grüner oder gelber Punkt zu sehen – je nachdem, welche Partei in der Gegend die meisten Stimmen bekommen hat. Noch gut erinnert sich Purkhardt an Zeiten, in denen das Nordend in grüner Farbe gehalten war und dazu vielleicht noch einzelne Bezirke in Bornheim, Ostend und Sachsenhausen. Doch diesmal ist Grün die beherrschende Farbe auf der Karte. Auch hoch im Norden, wo fast immer und überall die CDU gewinnt, finden sich grüne Punkte.

Jetzt nur nicht überheblich werden – dieses Motto beherzigen am Sonntag alle Entscheidungsträger der Grünen bei der Wahlparty. Eine Europawahl sei keine Kommunalwahl, sagt etwa Purkhardt, angesichts des Ergebnisses sei man 2021 noch lange nicht in der Favoritenrolle: „Aber das Resultat gibt uns natürlich Auftrieb.“

Derweil sitzt Martin Kliehm, Fraktionschef der Linken, vor einem Fernseher und weiß nicht so recht, ob er sich über das eigene mäßige Ergebnis von rund 6,5 Prozent ärgern oder sich über das vergleichsweise schlechte Resultat der AfD freuen soll. Dass die Linken nicht besser waren, habe viel mit den Grünen zu tun, sagt er: „Die ziehen uns Stimmen ab.“ Klingt etwas nach Neid, den sich die Grünen verdient haben.

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