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Frankfurt: Europäische Schule offen für Wegzug – Stadt prüft derweil Standorte

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Von: Julia Lorenz, Georg Leppert

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Der Europäischen Schule fehlt es an Platz.
Der Europäischen Schule fehlt es an Platz. © christoph boeckheler*

Die Stadt Frankfurt prüft den Kaiserlei, den Ratsweg und die Heerstraße als neue Standorte für die Europäische Schule. Dabei kommt sie aber kaum weiter.

Frankfurt - Die Europäische Schule schließt einen Wegzug aus Frankfurt nicht mehr aus. „Wenn es eine andere Gemeinde wird, werden wir nicht dagegen demonstrieren“, sagt der Leiter der derzeit am Praunheimer Weg beheimateten Schule, Ferdinand Patscheider. Dort platzt die Einrichtung aus allen Nähten.

Hintergrund derartiger Überlegungen ist die vergebliche Suche nach einem neuen Standort für die Schule, die mittlerweile seit zehn Jahren läuft. Ein Bericht des Frankfurter Magistrats, der in dieser Woche veröffentlicht wurde, macht wenig Hoffnung auf eine schnelle Lösung. Bildungs- und Baudezernentin Sylvia Weber (SPD) bestätigt darin, dass eine vor rund zwei Jahren angedachte Bebauung der Mainwasen in Sachsenhausen vom Tisch ist. Das kommt nicht überraschend. Vor allem die CDU, die nicht mehr Teil der Stadtregierung ist, hatte diese Idee vorangetrieben. SPD und Grüne hatten immer Vorbehalte. Tatsächlich wäre der Ärger mit den an der Gerbermühlstraße gelegenen Fußball- und Kleingärtnervereinen groß gewesen.

Frankfurt: Drei Standort für Europäische Schule in Prüfung

Drei Standorte seien in der Prüfung, schreibt Weber. Genannt werden sie nicht, die Parteien haben Vertraulichkeit vereinbart. Sonderlich geheim sind die infrage kommenden Flächen aber auch nicht. Es geht um ein Gelände in der Nähe des Kaiserleikreisels, den Festplatz am Ratsweg und eine Fläche nördlich der Heerstraße in Praunheim.

Die Schule

2002 wurde die Europäische Schule in Frankfurt eröffnet. Das Angebot richtet sich an Kinder, deren Eltern bei der Europäischen Zentralbank oder anderen europäischen Institutionen arbeiten. Die Lehrpläne setzen sich aus den europäischen Lehrplänen zusammen.

Allerdings ist die Schule weder eine Privatschule noch eine EZB-Schule. Auch Kinder aus Frankfurter Familien können die Einrichtung besuchen, wenn es die Kapazitäten zulassen. jlo

Doch bei jedem dieser Standorte gibt es Vorbehalte. Die Grünen finden eine Schule im gewerblich geprägten Gebiet am Kaiserlei nicht besonders attraktiv. Vor allem aber ist das Gelände nach wie vor für eine Multifunktionshalle vorgesehen. Der Geschäftsführer der Skyliners, Gunnar Wöbke, treibt die Planungen intensiv voran. Selbst wenn er damit scheitern sollte: Eine endgültige Absage an das Projekt ist in den nächsten Jahren nicht zu erwarten. Und die Fläche an der Heerstraße ist seit Jahren immer mal wieder in der Diskussion, ohne dass die Stadt die Planungen weiter verfolgt hätte.

Europäische Schule in Frankfurt: Viele Fragen am Ratsweg

Bleibt der Ratsweg. Simon Witsch, planungspolitischer Sprecher der SPD im Römer, sagt im Gespräch mit der FR, dass er dieser Lösung durchaus etwas abgewinnen könne. Witsch sagt aber auch: „Es sind noch viele Fragen offen.“ Ist das Gelände groß genug für die Europäische Schule? Und vor allem: Wo siedelt die Stadt dann den Festplatz an? In der Diskussion ist ein Gelände am Rebstock, das wäre wenig zentral und nur mit einer Straßenbahn zu erreichen. Sind die Schausteller der Dippemess damit wirklich zufrieden?

Um alle diese Fragen zu klären, braucht es Zeit. Und genau die hat die Europäische Schule nicht mehr. Wenn Schulleiter Ferdinand Patscheider morgens im Foyer des Hauptgebäudes steht und die Schüler:innen treppauf, treppab laufen sieht, hält er den Atem an und denkt: „Wenn das mal gutgeht.“ Denn der Standort in der Nordweststadt ist eigentlich nur für maximal 900 Schülerinnen und Schüler konzipiert. Derzeit wird die Einrichtung aber von 1600 Kindern und Jugendlichen besucht – von der Vorschule bis zum Abitur. „Wir brauchen dringend mehr Platz“, sagt Patscheider. Die Aula, die Kantine, die Bibliothek – alles sei zu klein. Perspektivisch rechnet die Schule mit 2200 Schüler:innen.

Kommentar: Drohung als Chance

Die Europäische Schule könnte sich vorstellen, Frankfurt zu verlassen? Was sich im ersten Moment wie eine Drohung liest, sollte die Stadt als Chance verstehen, schreibt FR-Autor Georg Leppert. Seinen ganzen Kommentar zu den Entwicklungen rund um die Europäische Schule in Frankfurt lesen Sie hier.

Europäische Schule in Frankfurt: „Müssen jetzt endlich Lösung finden“

Auch Simon Witsch sagt: „Wir müssen jetzt endlich eine Lösung finden.“ Zumal sich die Stadt Frankfurt in einem Vertrag mit der Bundesrepublik Deutschland verpflichtet hat, der europäischen Einrichtung einen adäquaten Standort anzubieten. Ob es dazu bald kommt, erscheint fraglich. Weber schreibt im Magistratsbericht zur Suche: „Der Magistrat wird zu gegebener Zeit über die Ergebnisse berichten.“

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