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IM Europaviertel wird kräftig gebaut.

Frankfurt-Europaviertel

Europa an der Messe

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Sieben Fragen zum Europaviertel Kräne, Türme, Baustellen ? das Quartier wächst. Miriam Keilbach hat sich umgesehen.

Was hat das Viertel mit Europa zu tun?
Der Name der Siedlung geht auf die Idee des SPD-Politikers Helgo Müller zurück, der im Gallus wohnt. 1999 brachte der Ortsbeirat 1 einen Antrag ein, der forderte, die Straßen im Europaviertel nach europäischen Großstädten zu benennen und das Viertel künftig nicht als Messestadt, sondern Europaviertel zu bezeichnen.

Damals, Ende der 90er Jahre, war die europäische Idee groß. Der Euro sollte die EU näher zusammenbringen, und Frankfurt verstand sich wegen der Ansiedlung der Europäischen Zentralbank, zahlreicher Messen und des internationalen Flughafens  als Zentrum Europas. Die Straßen wurden also nach Oslo, Brüssel, Athen, Warschau, London, Dublin, Paris, Rom und Maastricht benannt – Orte, in denen wichtige Verträge für Europa geschlossen wurden. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Der Platz westlich des Europagartens trägt den Namen der israelischen Stadt Tel Aviv, mit der Frankfurt seit 1980 eine Städtepartnerschaft pflegt. Ansonsten verfolgen die Investoren weiterhin den europäischen Gedanken. So gibt es das Tagungszentrum „Kap Europa“, das Quartier „Le Quartier Parigot“ soll Pariser Charme versprühen.

Wer wohnt hier?
Es gibt keine eigene Erhebungen über die Bewohner des Europaviertels. Das Viertel wird statistisch gesehen dem Gallus zugeordnet, auch wenn sich die Klientel stark unterscheidet und beide Viertel noch nicht zusammengewachsen sind. Im Europaviertel gibt es Mietwohnungen für 20 Euro pro Quadratmeter, viele moderne und innovative Gebäude.

Hierfür erhielt die Stadt jede Menge Kritik, die „Süddeutsche Zeitung“ bezeichnete das Europaviertel als einen „Reißbrettstadtteil“, der Architekt Christoph Mäckler, findet das Viertel kalt und langweilig. Das ursprüngliche Gallus hingegen war als Brennpunkt bekannt, hier lebten traditionell Menschen, die der Unter- und Mittelschicht zugeordnet werden. Durch das Projekt „Soziale Stadt“ und die Entwicklung des Europaviertels ist das Gallus nun ein Brennpunkt in Sachen Gentrifizierung.

Was ist das Wahrzeichen des Stadtteils?
Skyline Plaza oder Kap Europa? Ein offizielles Wahrzeichen hat das Europaviertel nicht. Ursprünglich sollte es Messestadt heißen – der Nähe zur Messe wegen. Die liegt allerdings nicht auf dem Areal des Europaviertels, sie schließt sich im Norden an das Gebiet an und gehört faktisch schon zu Bockenheim, während das Europaviertel zum Gallus gehört. Die größte Ausstrahlung auch in andere Stadtteile hat das Skyline Plaza. Das neueste Einkaufszentrum Frankfurts ist nicht nur für die Bewohner im Stadtteil gedacht, sondern weit darüber hinaus. Die Shopping-Mall an der Messe ist als Bindeglied zwischen Bahnhofsviertel, Gallus, Bockenheim und Europviertel angelegt, als Treffpunkt der unterschiedlichen Bewohner.

Das Kap Europa hingegen ist zwar kleiner als das Skyline Plaza, aber auch ein Blickfang. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen hat das Kongresszentrum als erstes seiner Art mit einem Platin-Zertifikat ausgezeichnet. Und das nicht etwa für seine Aussichtsterrasse, sondern für viele Details beim Bau. So wurden etwa Materialien vor der Verwendung auf Umweltverträglichkeit getestet, der Betonkern wird zur Kühlung genutzt, die Fenster haben energetisch optimierte Flächen, die Fassaden senken den Energieverbrauch und dann gibt es da noch das rund 1000 Quadratmeter große Gründach, das die CO2-Bilanz des Kongresszentrums verbessert.

Wo verläuft die Grenze?
Das Europaviertel liegt auf einem relativ kleinen Gebiet, dem des ehemaligen Güterbahnhofs. Es wird vom Güterplatz im Osten, von der Hellerhofsiedlung im Westen, von der Europa-Allee, beziehungsweise dem Römischen Ring im Norden und von der Idsteiner Straße im Süden begrenzt. Das Areal ist unterteilt in die Bereiche „Europaviertel Ost“ mit Skyline Plaza und in „Europaviertel West“ mit Europagarten, als Trennung dient die Emser Brücke. 

Wann kommt die U-Bahn?
Ab 2022 soll die U5 vier weitere Stationen anfahren: Güterplatz, Emser Brücke, Europagarten und Wohnpark. Bald ist von den Arbeiten auch mehr sichtbar als die riesige Baustelle vor dem Skyline Plaza, denn Mitte des Jahres sollen die Fahrbahnen im östlichen Teil der Europa-Allee zwischen Emser Brücke und Skyline Plaza nach außen verlegt, Gehwege verschmälert und Grünflächen verlegt werden. Anschließend wird die 60 Meter lange und 25 Meter tiefe Grube für die Tunnelbohrmaschine ausgehoben. Rund ein Jahr werden dann die Steine zwischen Europaallee und Platz der Republik herausgelöst.

Während die Haltestelle Güterplatz unterirdisch liegt, werden die anderen drei oberirdisch geplant. Die Arbeiten hierfür sollen im Jahr 2020 beginnen. Die Rohbauarbeiten, heißt es seitens der „Stadtbahn Europaviertel Projektbaugesellschaft“ (SBEV) sollen 2021 abgeschlossen sein. Über die Arbeiten an der 2,7 Kilometer langen Strecke, die 281 Millionen Euro kostet, informiert die SBEV auch auf einer Website: www.sbev-frankfurt.de. Zudem gibt es ein Informationsbüro am Güterplatz, das mittwochs von 17 bis 19 Uhr besetzt ist. Die Anliegermanagerin Franziska Roth ist montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr zu erreichen, unter Telefon: 01 71 / 8 62 41 85 oder per E-Mail: info@sbev-frankfurt.de.

Ist das Viertel ein eigener Stadtteil?
Nein. Obwohl rund 14 000 Menschen im fertigen Europaviertel wohnen und 30 000 dort arbeiten sollen, gehört es zum Gallus und ist kein eigenständiger Stadtteil. Dabei haben 13 Stadtteile Frankfurts weniger Einwohner als das Europaviertel. Als sich die Planungen für das Neubaugebiet konkretisierten, gab es die Überlegung, einen eigenen Stadtteil zu kreieren. Allerdings entschied man sich dann auf politischer Ebene, das Europaviertel dem Gallus zuzuschlagen – zum Gallus gehörte auch einst der Güterbahnhof, auf dessen Areal das Europaviertel steht.

Wann verschwinden die Bagger?
2010 war das erste Gebäude im Viertel fertig. Ursprünglich sollten bis 2019 alle Gebäude errichtet sein, Büro- wie Wohnkomplexe. Die Bauarbeiten laufen derzeit für zwei Wohntürme direkt an der Europaallee und an der Stephensonstraße. Im Ostteil des Viertels stehen noch zwei große Projekte aus: 2018 soll der Tower 1 gebaut werden, der Turm findet seinen Platz nördlich des Kap Europas. Außerdem besteht Baurecht für den Millennium Tower, der einmal 369 Meter hoch werden soll.

Ob und wann dieser Turm entsteht, ist allerdings unklar. Es wird allerdings erwartet, dass die letzten Anlagen im westlichen Teil des Europaviertel erst bis 2020 fertig sein werden. Dabei geht es auch um Grünanlagen. Der jüngste große bauliche Durchbruch war die Fertigstellung des Tunnels unter dem Europagarten für den Autoverkehr. In der Mitte ist eine Röhre für die U-Bahn vorgesehen. Da die U-Bahn erst 2022 durch das junge Gebiet fahren soll, sind Bauarbeiten bis dahin unumgänglich.

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